Bürgermeisterwahl

Dirk Runge begreift sich als Teamplayer

Kennt die Burscheider Stadtverwaltung seit 1992: Dirk Runge. Archivfoto: Nadja Lehmann
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Kennt die Burscheider Stadtverwaltung seit 1992: Dirk Runge.

Interview, Teil 1, mit dem Burscheider Bürgermeisterkandidaten. Am Sonntag wird gewählt.

Das Gespräch führte Nadja Lehmann

Herr Runge, wir können nicht über Ihre Kandidatur sprechen, ohne Stefan Caplan zu erwähnen. Sein Tod war und ist eine Zäsur für die Stadt. Sie haben bei der Trauerfeier gesagt: „Unser Chef ist nicht mehr da.“ Es war von daher kein leichter Wahlkampf auch für Sie. Wie sind Sie damit für sich umgegangen?

Dirk Runge: Natürlich ist es so, dass mir mein ehemaliger Chef Stefan Caplan an vielen Stellen im „Wahlkampf“ begegnet. Dies geht schon alleine damit los, dass ich auch für eine solide und ordentliche Fortführung des von ihm eingeschlagenen Weges stehe. Insbesondere in Sachen Finanzen und Integriertes Entwicklungs- und Handlungskonzept. Aber unsere Zeit ist schnelllebig! Das heißt, einige Dinge überholen sich schneller, als man es glauben mag. So hat es zum Beispiel in den wenigen zurückliegenden Wochen für mich bereits einschneidende Personalentwicklungen gegeben. Nicht zuletzt die unfassbare Ukrainekrise konnte keiner erahnen. Da Stefan Caplan und ich 2015 die Flüchtlingskrise gemeinschaftlich bewältigt haben, frage ich mich so manches Mal, wie würden wir das jetzt gemeinsam entscheiden? Allerdings kann ich auch sagen, dass ich im Rathaus super Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter habe, die sich unglaublich einbringen und somit helfen, auch diese Krise in den Griff zu kriegen.

Wo wird künftig noch viel Caplan drinstecken; wo wollen (und müssen) Sie eigene Akzente setzen? Sie haben lange mit ihm zusammengearbeitet, was hat Sie an ihm beeindruckt?

Runge: Wie bereits in der Frage zuvor erwähnt, werden sicherlich noch viele Akzente von Herrn Caplan im Integrierten Entwicklungs- und Handlungskonzept vorhanden sein. Im Bereich des Klimaschutzes werden wir sicherlich noch mehr tun müssen. Ebenso ist die Digitalisierung ein Thema, das wir mit mehr Tempo voranbringen müssen. Beeindruckend war für mich immer, dass Herr Caplan extrem gut vorbereitet war und er unglaublich gut verhandeln konnte.

Wie würden Sie sich selbst beschreiben, was für ein Bürgermeister wollen Sie sein? Wie wollen Sie die Mitarbeiter im Rathaus einbinden, vielleicht stärker, als es zuvor geschehen ist?

Runge: Ich bin sicherlich ein sehr verlässlicher Mensch und kann gut auf Leute zugehen. Ich möchte natürlich ein Bürgermeister für alle Burscheider und Burscheiderinnen sein. Das soll nicht heißen, dass ich es allen Recht machen kann. Aber die Antworten, Hilfen und Anregungen werden gut geprüft beziehungsweise wohl überlegt sein. Ich habe schon bei meinen Vorstellungen bei den Parteien betont, dass ich keine Eins-zu-Eins-Kopie von Stefan Caplan bin. Ein großer Unterschied ist sicherlich, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Rathaus mehr eingebunden werden. Ich bin ziemlich sicher mehr der „Team-Player“. Schon heute ist es so, dass die Mitarbeitenden in den Ausschüssen viel mehr vortragen als früher.

Ich bin keine Eins-zu-Eins-Kopie von Stefan Caplan.

Dirk Runge

Ist das Rathaus gut aufgestellt? Oder braucht es mehr Personal? Wie geht es bei der Digitalisierung voran? Hat sich die papierlose Verwaltung bewährt?

Runge: Grundsätzlich ist das Rathaus personell gut aufgestellt. Mehr Personal an der einen oder anderen Stelle wäre sicherlich wünschenswert. Aber, ich hatte es eingangs schon erwähnt, mir ist auch die Finanzsituation extrem wichtig. Und Personal kostet bekanntlich auch viel Geld. Den Bereichen, die wir heute schon papierlos bewältigen, hat der Umstieg auf die Digitalisierung sicherlich nicht geschadet. Das sind aktuell aber Bereiche, die eher wenige Nutzerinnen und Nutzer betreffen. Die Digitalisierung muss definitiv weiter voran schreiten. Das ist ein langer und fordernder Weg, den wir verstärkt beschreiten müssen.

Hätten Sie je gedacht, dass diese Aufgabe mal für Sie in Frage kommt?

Runge: Ich hätte nie gedacht, dass es vermutlich jetzt so kommt, wie es aktuell aussieht. Sicherlich habe ich auch mit Stefan Caplan immer mal wieder über eine Beigeordnetenposition gesprochen. Er hatte mir immer versichert, dass er sich dann dafür stark machen würde.

Ist Ihnen wichtig, dass Sie (bislang) keiner Partei angehören? Könnte sich das noch ändern?

Runge: Na ja, ich war und bin definitiv kein unpolitischer Mensch. Wenn ich daran denke, dass ich in Solingen in meiner frühen Jugend zu den Anhängern der damaligen Friedensbewegung zählte und ich Zivildienstleistender war, dann zeigt das, dass ich mich schon früh mit Politik auseinandergesetzt habe. Später habe ich auch an Demonstrationen wie zum Beispiel der „Arsch huh, Zäng ussenander“-Kundgebung teilgenommen. Und heute ist das alles aktueller denn je. Die atomare Bedrohung ist leider mit einem Schlag wieder da. Einer Partei habe ich mich in den ganzen Jahren nicht angeschlossen. Das ist kein Dogma. Vielmehr hat sich nie die Gelegenheit ergeben und politisch kann man auch ohne Parteimitgliedschaft sein, siehe oben. Ändern kann sich heutzutage vieles sehr schnell. Aktuell sehe ich aber gar keinen Grund, jetzt eine Parteimitgliedschaft anzustreben.

Den zweiten Teil des Interviews finden Sie hier.

Zur Person

Dirk Runge stammt aus Solingen und ist dort auch aufgewachsen. Heute lebt er mit Ehefrau Antje in Köln. Runge ist Diplom-Verwaltungswirt und seit 1992 in der Burscheider Stadtverwaltung tätig. Dort war er bereits unter dem verstorbenen Bürgermeister Stefan Caplan dessen Vertreter und leitet das Rathaus seit Oktober 2021 kommissarisch. Am Sonntag stellt er sich zur Wahl.

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