Turmuhr

Die Zeiger stehen noch länger still

Die Turmuhr der Evangelischen Kirche: Um 17.56 Uhr zeigt sie immer noch 10.20 Uhr. Das Uhrwerk ist defekt.
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Die Turmuhr der Evangelischen Kirche: Um 17.56 Uhr zeigt sie immer noch 10.20 Uhr. Das Uhrwerk ist defekt.

Burscheider wundern sich beim Blick auf die Turmuhr der Evangelischen Kirche.

Von Anja Wollschlaeger

Burscheid. Die goldenen Zeiger der Turmuhr an der Evangelischen Kirche am Markt stehen still. Seit einer ganzen Weile zeigt sie ganztags 10.20 Uhr. Pfarrer Matthias Pausch, der aktuell dem Presbyterium der Gemeinde vorsitzt, bestätigt, dass das historische mechanische Uhrwerk im Turm nicht mehr richtig funktioniert.

Das ist auch schon vielen Burscheidern aufgefallen, die sich beim Blick nach oben überrascht die Augen gerieben haben. Im Gemeindebüro und bei der Küsterin haben sie sich erkundigt, ob die Gemeinde die Uhr nicht reparieren möchte. So sei es nicht, sagt Pausch. Und Ursula Sander, die Küsterin, hat auch nicht ihren wöchentlichen Gang in den Turm vergessen, bei dem sie mit einer großen Kurbel das Uhrwerk neu aufzieht.

Das Presbyterium muss sich überlegen - ist die Liebe zu dem mechanischen Uhrwerk so groß?

Pfarrer Matthias Pausch

Wie Pausch erklärt, will sich das Presbyterium in seiner März-Sitzung mit dem Problem beschäftigen. Schon jetzt steht fest: „In den nächsten Monaten soll die Uhr wieder gehen.“ Doch wie, das muss das Gremium noch beraten. Zwei Angebote lägen auf dem Tisch. Das eine ist das Angebot einer Generalüberholung. Laut Pausch ist diese von Zeit zu Zeit fällig, und die jüngste liege schon einige Jahre zurück. Bei dem anderen Angebot wird das Uhrwerk von der Uhr abgekoppelt, die Zeiger von elektronischem Uhrwerk angetrieben. Das hätte den Vorteil, dass in Zukunft sehr wahrscheinlich auf die teuren Generalüberholungen verzichtet werden könnte. „Beides ist etwa gleich teuer und kostet um die dreieinhalbtausend Euro.“

Geklärt sind schon einige Punkte, so wäre dem Denkmalschutz Genüge getan, wenn das historische Uhrwerk sichtbar bleibt. Es steht auf der ersten Etage des Turmes auf einem Holzdielenboden. Auch das wöchentliche Ankurbeln könne weiter sichergestellt werden. Laut Pausch ist das gar nicht so einfach: „Wenn wir mit Konfirmanden auf den Turm steigen, dann lassen wir sie die Kurbel auch manchmal ausprobieren. Nicht alle haben genug Kraft, sie in Bewegung zu setzen.“

Kantorin Silke Hamburger, die stellvertretend für die Küsterin zeigt, wie das Uhrwerk normalerweise aufgezogen wird.

Die Entscheidung muss also zwischen einem wartungsarmen, modernen Uhrwerk und dem historischen Uhrwerk und seinen vielen metallenen Zahnrädern fallen. Pausch sagt: „Das Presbyterium muss sich überlegen - ist die Liebe zu dem mechanischen Uhrwerk so groß - oder sind wir pragmatisch?“ Er selbst bezieht dazu noch keine Stellung und sagt: „Man kann das so oder so sehen.“

Nur eine Kleinigkeit könnte die Uhr von außen verändern, so Pausch: „Wir haben gesehen, dass die Zeiger an der Turmuhr in Witzhelden bei Nacht beleuchtet sind. Das finden wir eigentlich ganz hübsch, aber ob wir das einrichten lassen, ist keine Frage des Uhrwerks.“

Historisch war es in den jülich-bergischen Gemeinden lange Zeit so, dass alle Bewohner der Stadt oder Gemeinde die Kosten für die Uhr mittragen mussten, auch die, die anderen Glaubensrichtungen angehörten. So regelte es ein Edikt aus dem Jahr 1711, schreibt Ernst Maibüchen im 1976 erschienen Gemeindebuch. Begründet wurde dies damit, dass die Uhren wie die Wetterhähne jedermann dienen. Die erste Uhr am Turm ist aus dem Jahr 1687 belegt. Ihr Kauf kostete 118 Taler und 90 Kilo Äpfel. 1907 schenkte der Stadtrat der Kirchengemeinde den Turm, die sich laut den Recherchen von Maibüchen verpflichtete, die Uhr zu unterhalten. Bezahlt hatte die Stadt den Turmbau.

Glockenläuten

Täglich um 7 Uhr, 12 Uhr und 19 Uhr abends läutet eine Glocke im Kirchturm. Am Samstagabend läuten drei Glocken den Sonntag ein. Sonntags oder bei anderen Gottesdiensten in der Kirche ist volles Geläut mit vier Glocken in Burscheid zu hören.

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