Evangelische Kirchengemeinde

Die Taizé-Gebete befinden sich noch in der Warteschleife

Noch immer sind Präsenzgottesdienste ausgesetzt. Pfarrerin Katrin Friedel (kleines Foto) predigt vor leeren Reihen in eine Kamera.Archivfotos: Nadja Lehmann
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Noch immer sind Präsenzgottesdienste ausgesetzt. Pfarrerin Katrin Friedel (kleines Foto) predigt vor leeren Reihen in eine Kamera. (Archivfotos)

Normalerweise würde die Evangelische Kirchengemeinde jetzt zu ihrer ökumenischen Reihe bitten.

Von Nadja Lehmann

Burscheid. Wären die Zeiten ganz normale, dann befände sich die Evangelische Kirchengemeinde Burscheid mitten drin in ihrer ökumenischen Reihe von Taizé-Gebeten. Diese finden abwechselnd in der evangelischen Kirche Dünweg und in der katholischen Kirche Liebfrauen am Raiffeisenplatz statt. Im guten Miteinander. In normalen Zeiten.

So aber kann Pfarrerin Katrin Friedel zunächst nur um Geduld bitten. Denn die Kirchengemeinde verzichtet nach wie vor auf Präsenzgottesdienste und ist im Lockdown. „Kurz vor dem 4. Advent haben wir aufgehört“, blickt Friedel zurück. Zuvor hatte die Gemeinde ein Corona-Konzept aufgestellt, das Gottesdienste ermöglichte - mit Anmeldung, festen Sitzplätzen und auf Abstand.

Die Sehnsucht, den Gottesdienst wieder mit Menschen zu feiern, ist groß.

Katrin Friedel, Pfarrerin

„Wir haben noch nicht endgültig entschieden, wie wir verfahren“, sagt Friedel. „Vielleicht machen wir Mitte März wieder auf.“ Eine kleine Extra-Sondersitzung des Presbyteriums ist für den 10. März anberaumt. Dort soll eine Entscheidung fallen. „Rein rechtlich dürften wir öffnen“, sagt Friedel. Aber man wolle solidarisch sein: „Und mit Blick auf die Mutationen wollen wir kein Risiko eingehen.“

Am 18. Februar hätten die Taizé-Gebete begonnen und hätten die Gemeinde durch die Passionszeit begleitet, bis zum 25. März. „Vielleicht schaffen wir es ja noch, zwei Termine zu realisieren“, sagt Friedel. Eine Hoffnung, vorerst nicht mehr.

„Im Januar ist es mir nicht gut gegangen“, erzählt Katrin Friedel. Der Corona-Blues. „Das ganze Jahr hatte man durchgehalten. Aber im Januar kam der Knick.“ Ein Gefühl, das viele andere ihr gegenüber ebenfalls angesprochen und ähnlich empfunden hätten. Mit den Kollegen und dem Presbyterium hat die Pfarrerin „bis zum Umfallen“ gezoomt. Der Gemeinde hat sie in der Weihnachtszeit Post geschickt. „Wir telefonieren und vermissen uns“, sagt Friedel. Auch mit den Konfirmanden halte sie via Bildschirm Kontakt. „Aber das hat Grenzen.“ Zumal die Schüler ohnedies schon für den Unterricht vor dem Notebook säßen. „Es ist schwer. Die Zeit wird lang.“

Für die Gemeinde produziert Friedel, ebenso wie ihre Kollegen Annerose Frickenschmidt und Matthias Pausch, Videogottesdienste. Gerade erst gab es zum ersten Mal eine Audio-Andacht. „Ich gehe viel raus, freue mich über die erwachende Natur“, sagt Katrin Friedel. Das helfe ihr. „Aber die Sehnsucht, den Gottesdienst wieder wirklich mit Menschen zu feiern, ist groß.“

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Festgehalten hat die Seelsorgerin aber an der Begleitung existenzieller Lebenseinschnitte. Wie bei Tod und Trauer. „Trauungen und Taufen kann man verschieben, Beerdigungen nicht“, sagt sie. Deshalb war und ist sie dabei, wenn Angehörige im kleinsten Kreis Abschied nehmen und hat auch Trauergespräche geführt – „im großen Saal mit offenen Fenstern.“ Menschen in ihrem Abschiedsschmerz zu begleiten, Trost zu spenden, „damit haben wir nicht aufgehört.“

Die Zeit zwischen Karneval und Ostern ist eine besondere. Die Fastenzeit konzentriert sich auf innere Einkehr und Reduktion, schöpft nicht aus der Fülle, sondern aus dem Verzicht. Friedel mag zwar den „eher evangelisch geprägten Begriff“ der Passionszeit mehr, aber auch sie hält inne. Verzichtet auf die geliebten Chips und beobachtet, wie die bundesweite Aktion „7 Wochen ohne“ der Evangelischen Kirche läuft. „7 Wochen ohne . . . Blockade“ heißt das diesjährige Motto.

Und auch dort läuft vieles anders als sonst. Statt der persönlichen Begegnungen stehen Notebook und Smartphone im Mittelpunkt. Eine Herausforderung, der sich „7 Wochen ohne“ annehmen will. „Selten wurden wir so umfassend ausgebremst wie jetzt, in der Corona-Pandemie. Kein Fußballtraining, kein Kino, kein Stöbern im Buchladen. Das Krankenhaus lässt keine Besucher hinein. Die Gastwirtin darf ihr Lokal nicht öffnen. Diese Beschränkungen sind notwendig, wir müssen sie respektieren. Aber wir wollen in dieser Fastenzeit den Blick heben, um mehr zu sehen als nur die verschlossenen Türen“, heißt es auf der Homepage der bundesweiten Aktion.

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