Bildung

Die Stadtbücherei rüstet sich für die Zukunft

650 Quadratmeter zählt das Stammhaus der Stadtbücherei am Markt. Durch das benachbarte Kramerhaus kommen weitere 100 Quadratmeter dazu.
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650 Quadratmeter zählt das Stammhaus der Stadtbücherei am Markt. Durch das benachbarte Kramerhaus kommen weitere 100 Quadratmeter dazu.
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Strategiepapier stellt die Weichen bis 2028. Familienfreundlichkeit steht im Fokus, Öffnungszeiten sind unter der Lupe.

Von Nadja Lehmann

Leises Rascheln, wenn eine Buchseite umgeschlagen wird, gedämpfte Stimmen: Ja, noch immer ist eine Stadtbücherei Ort der Wissensvermittlung und Welt der Bücher. Aber schon lange nicht mehr ausschließlich. Deutschlandweit erfinden sich Bibliotheken neu, definieren ihren Rollenbegriff anders, weiten ihn aus. Und das ist auch in Burscheid nicht anders, wie Yulia Farbischewski, Leiterin der Stadtbücherei, nun im Kulturausschuss deutlich machte. „Wir überprüfen unsere Ziele ein Mal im Jahr. Die Welt ändert sich so schnell, da müssen wir mithalten“, sagte sie am Dienstagabend im Haus der Kunst. Mit ihrem Strategiepapier hat sich die Stadtbücherei ein ganzes Kompendium verordnet, das die Rolle der Einrichtung am Marktplatz bis zum Jahr 2028 definiert.

Das neue Strategiepapier hat ein festes Fundament. Denn es ist nicht das erste. „Wir haben schon eine Strategie. Sie wurde 2010 erstellt und 2015 überarbeitet“, berichtete Farbischewski. Aber auch dabei gilt: „Wir müssen auf gesellschaftlichen Wandel reagieren. Und dabei gucken, was zu uns passt und uns möglich ist.“ Dafür hat die Leiterin eine einjährige Fortbildung besucht. „Dadurch haben wir einen Leitfaden bekommen.“

Wie sieht sie aus, die Bibliothek des Jahres 2028? Fest steht, dass sie viele Rollen in sich vereinigen wird: als Ort des lebenslangen Lernens, als Ort der Vermittlung von Lese- und Medienkompetenz, als Ort der Kultur mit einem Bündel an Veranstaltungen, aber auch als Treffpunkt, als offener Wohlfühlort für jedermann. Farbischewski: „Der Mensch steht im Mittelpunkt.“

Erste Schritte in die Zukunft hat die Stadtbücherei schon gemacht. Schritte, die möglich wurden, nachdem die Stadt das benachbarte Kramerhaus gekauft hatte. Die Stadtbücherei wird sich in den Gebäudekomplex hinein erweitern. Im dortigen „Maker Space“ soll es um das lebenslange Lernen, um das Entdecken und Ausprobieren gehen. Mit Nähmaschinen, Robotik-Kurs, Coding-Workshop soll er neue Akzente setzen. Ein Attribut will man sich besonders auf die Fahnen schreiben: die Stadtbücherei als kundenorientierter Dienstleister. Dabei spielt das fünfköpfige Mitarbeiterteam eine entscheidende Rolle, indem es sich stärker auf Beratung und Begleitung konzentriert. Möglich machen könnte das eine Selbstverbuchung, die keines Personals bedarf.

Das Strategiepapier listet aber auch auf, wie der Ist-Zustand der Bücherei aussieht. Konkrete Zahlen liegen derzeit zwar nur für 2019 vor, weil von 2020 an coronabedingter Ausnahmezustand herrschte, aber: „Die Ausleih- und Besucherzahlen sind konstant“, unterstrich Yulia Farbischewski. 2019 zählte die Bücherei 33 694 Entleihungen, 1 243 aktive Nutzer, mehr als 16 000 Besucher, knapp 19 000 Medien, zu denen sich noch die E-Medien hinzugesellen. „Sie werden immer stärker ausgeliehen“, sagte Farbischewski: „Die Zahl steigt.“ Zuhause ist die Stadtbücherei auf rund 650 Quadratmetern.

Sehen lassen kann sich die Zahl von rund 110 Veranstaltungen, die die Stadtbücherei jährlich stemmt. „Im Vergleich zu anderen Büchereien unserer Größenordnung machen wir sehr viel“, war Farbischewski denn auch etwas stolz. Ohne dem entsprechende Kooperationen und vor allem aber ohne Ehrenamtliche sei dies nicht zu schaffen.

Das Gros der Benutzer sind Kinder und Jugendliche

Das Gros der Besucher stellen Kinder und Jugendliche. Auf sie geht die Stadtbücherei sehr früh zu und bittet sie bereits im Grundschulalter ins Haus: „Sie sollten uns mindestens ein Mal besuchen“, gab Farbischewski die Richtschnur vor.

Aber: Die Älteren holen auf. Laut Bevölkerungsprognosen wird im Jahr 2040 ein Drittel der Burscheider Bevölkerung über 60 Jahre alt sein. Eine Zahl, die die Stadtbücherei nicht ignorieren will. Zumal die Älteren bei den Veranstaltungen sehr gut vertreten sind. „Diese Zielgruppe wird weiterhin an Relevanz gewinnen“, betonte Farbischewski.

Eine weitere entscheidende Gruppe sind Familien. „Wir setzen da einen Schwerpunkt und tragen dazu bei, Familienfreundlichkeit zu einem sichtbaren Wohlfühlfaktor der Stadt Burscheid zu machen“, sagte Farbischewski.

Die Statistik lieferte einen weiteren Anhaltspunkt: Überproportional viele Burscheider sind berufstätig. „Möglicherweise sollten wir uns unsere Öffnungszeiten einmal kritisch angucken“, skizzierte die Bibliotheksleiterin die Zukunft. Und zu dieser gehört der bereits erwähnte Maker Space. „Dort suchen wir Kooperationspartner. Allein schaffen wir es nicht.“

Öffnungszeiten

Die Stadtbücherei befindet sich in der Hauptstraße 38 und hat folgende Öffnungszeiten: montags, 15 bis 18 Uhr; dienstags, 10 bis 12 Uhr und 15 bis 18 Uhr; mittwochs: geschlossen; donnerstags, 10 bis 18 Uhr; freitags, 15 bis 18 Uhr; samstags, 10 bis 12 Uhr (jeden 1. und 3. Samstag im Monat).

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