Bildung

Die Schüler stärken sich im Miteinander

„Wir haben unser Wir“, sind Philip, Jamal, Ermir, Johanna und Danja überzeugt. Gemeinschaft und Vertrauen tun gut.   
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„Wir haben unser Wir“, sind Philip, Jamal, Ermir, Johanna und Danja überzeugt. Gemeinschaft und Vertrauen tun gut.   

„Thementage Resilienz“ an der Montanusschule.

Von Nadja Lehmann

Respekt, Vertrauen, Gemeinschaft: Es sind Worte, die dieser Tage durch die Montanusschule fluten. Aber für die 272 Schüler und Schülerinnen bleiben die Begriffe keine leeren Worthülsen. Im Gegenteil. Noch bis einschließlich heute werden sie mit Leben gefüllt, indem getanzt, gemalt, gesprochen wird. Es sind die „Thementage Resilienz“.

Den flügge werdenden Viertklässlern geben Schulleiterin Claudia Zimmermann (r.) und Natalie Steigerwald Flügel und Buch mit auf die Reise.

Schulleiterin Claudia Zimmermann eilt durch das Haus. Überall herrscht reges Treiben. Schließlich sind alle Jahrgangsstufen eingebunden. In der großen Halle liegt die Klasse 1c für einen Moment still am Boden. Kurzes Sammeln, bevor Klassenlehrerin Barbara Düchting und Sozialpädagogin Michaela Trimborn zum Tanz bitten und die Erstklässler mit viel Verve die Arme hochreißen, mit den Händen wedeln und sich um die eigene Achse zur Musik drehen. Jede Jahrgangsstufe hat sich ein Motto verordnet. Bei den Erstklässlern heißt sie: „Uns geht es gut“.

„Wir wollen größer denken“, sagt Claudia Zimmermann. „Und weiter.“ Die Thementage entspringen dem einstigen Resilienzprojekt, das 2016 begann, 2019 offiziell endete – und dennoch immer noch in Herzen und Köpfen präsent ist und weitergeht. Die entscheidenden Fragen in diesem Jahr lauten: „Wie wollen wir miteinander leben? Welche Werte sind uns an der Montanusschule wichtig?“ Und das wird nun an der Höhestraße verhandelt – spielerisch, engagiert und mit spürbarem Spaß bei Schülern und Lehrern.

Lilly, Emily und Jonas haben auf dem Flur Platz genommen. Sie gehören zur Klasse 3a und wollen ganz in Ruhe noch einmal ihr Theaterstück proben. Die Guckkastenbühne ist schon da; Jonas schiebt von oben die Bühnenbilder rein. Davor marschieren die selbst bemalten Stabpuppen auf und ab: Rotkäppchen, Großmutter und der Wolf. Klassenlehrerin Anne Häseler gibt noch ein paar Anleitungen. Um Wertschätzung, Gemeinschaft und Verantwortung geht es den Drittklässlern, die sich gegenseitig ihr Märchentheater vorspielen, das sie selbst betextet und gestaltet haben. Das Motto: „Stärkung. Wir machen etwas zusammen“.

Ums „Wir“ geht es auch Johanna, Danja, Philip, Ermir und Jamal: Sie orientieren sich am Kinderbuch „Das kleine Wir“, das verlorengeht. „Wir haben unser Wir, denn wir mögen uns“, sagen die fünf.

Andere Dinge bewegen die Viertklässler. „Sie verlassen bald das schützende Nest und wechseln auf eine weiterführende Schule“, sagt Lehrerin Natalie Steigerwald. Was könnte bei diesem Übergang helfen? Richtig: Flügel. Die basteln sich die flügge werdenden Viertklässler nun selbst, aus von ihnen bunt bemaltem Acrylpapier. Die Flügel können aber auch eine ganz andere Richtung einschlagen, wissen die Viertklässler. Nämlich nicht gleich in die neue Schule, sondern auch „nach Hause“ oder „nach Italien! Da gibt es gute Pizza!“ Denn mit ihrem Motto „Fliegen“ verbinden sie viel Schönes: die Aussicht von oben, die Freiheit, den Genuss. Ein liebevoll gestaltetes Heft, das Platz für Fotos, Einträge und Antworten zu Fragen wie „Wer gehört zum Schwarm?“ lässt, wird sie auf ihre neuen Schulen begleiten. Ob Meditation oder Fragen nach dem großen Ganzen – „die Schüler lassen sich total drauf ein“, erzählt Natalie Steigerwald. Vergessen sei dann alle Coolness.

Es ist wieder mehr möglich, die Kinder leben auf

„Es sind Tage, die guttun sollen“, sagt Claudia Zimmermann. Nähe, Gemeinschaft, Wir-Gefühl: Es sind Dinge, die Schüler und Lehrer schmerzlich vermisst haben und die die 2. Klassen noch gar nicht wirklich kennen. „Sie haben durch Corona noch nie richtig Schule erlebt, sondern nur Einschränkungen“, sagt Zimmermann. Gerade mal einen einzigen Ausflug habe es gegeben. „Wir merken, dass die Kinder wieder aufleben, weil wieder Dinge möglich sind“, beschreibt die Schulleiterin. Dinge eben wie die Thementage oder die regelmäßige „Sonnenstunde“, die das betont, was stark macht und guttut. „Das berührt den Schulalltag und die Kinderseelen“, sagt Zimmermann.

Denn wie weit die Pandemie die Kinder belastet hat, wird sich noch weisen müssen. „Wir müssen die Kinder gut im Blick haben, was sie daraus machen. Für die einen wird es irgendwann einfach Vergangenheit sein; andere tragen vielleicht schwerer dran. Wir werden gut hingucken, gut hinhören müssen.“

Die Drittklässler übrigens, die kleinen Märchenerzähler, machen schon bald einen Ausflug: Nächste Woche geht es nach Altenberg. Natürlich in den Märchenwald.

Resilienz-Projekt

„Wir stärken unsere Kinder“: Das war der Grundgedanke des Resilienz-Projekts, das 2016 an der Montanusschule startete und zu dessen Symbol die Sonne wurde. Jedes Kind bekommt sein Sonnenheft, im Stundenplan stehen Sonnenstunden, in denen die Kinder Gefühle und Gedanken äußern und reflektieren können: durch Worte und Bilder. Auch die Eltern wurden durch Themenabende eingebunden. In Corona-Zeiten werden sie über die digitale Plattform Moodle informiert. Auch wenn das Projekt 2019 endete, verankerte die Schule es nachhaltig in ihr Tun und treibt es mit frischen Ideen immer wieder voran. Der Grundgedanke ist: die inneren Kräfte zu stärken, über die jede und jeder verfügt, ob älter oder jünger.

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