Engagement

„Die Lambertsmühle ist mein zweites Zuhause“

Ist künftig Beisitzer im Förderverein Lambertsmühle: Armin Busch.
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Ist künftig Beisitzer im Förderverein Lambertsmühle: Armin Busch.
  • VonNadja Lehmann
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Seit 1971 kümmert sich Armin Busch um das Gebäudeensemble. Nun gibt er den Vorsitz an Ulrich Conrads ab.

Von Nadja Lehmann

Armin Busch ist ein Mann mit vielen Gesichtern. Er ist der Dierather, der dort zutiefst verwurzelt ist und der sein Elternhaus in einer malerischen kleinen Hofschaft bewahrt und umgebaut hat. Er ist der Mann der Zahlen, der akribisch in der Finanzverwaltung gearbeitet hat. Er ist der Weltenbummler, der als lyrischer Bariton gemeinsam mit Ehefrau Ulrike auf der Bühne gestanden hat und der heute noch in seine private kleine Kulturscheune einlädt. Und er ist derjenige, der sich mit aller Kraft der Lambertsmühle gewidmet hat und sie („Nicht allein!“, wie er betont) zu dem gemacht hat, was sie heute ist: Ein Anziehungspunkt, auf den die Stadt Burscheid gern verweist.

Nun aber will er loslassen. Jedenfalls ein wenig. Neuer Vorsitzender des Fördervereins Lambertsmühle ist Ulrich Conrads. Armin Busch engagiert sich künftig als Beisitzer. „Ich habe ihn angehauen“, bekennt er zum Thema Nachfolger. Das habe er bereits angeschnitten, als er auf die 80 zugegangen sei: „Damals fand sich aber niemand.“ Doch nun sei es an der Zeit gewesen: „Ich werde bald 85.“

Wer daraus auf nachlassende Kräfte schließt, täuscht sich: Armin Busch bewegt sich flink wie ein Wiesel durch Haus und Hof und klettert immer noch in die Obstbäume, wenn es sein muss. Im vergangenen Jahr überquerte er gemeinsam mit seinem Sohn wandernd die Alpen – was dieser, dem Vater in einem Schneesturm vorangehend, trocken mit „84 Jahre Lebensweisheit bahnen sich ihren Weg“ kommentierte.

„Ich habe mein Leben lang gekämpft“, sagt Armin Busch. Für etwas, gegen etwas. Und weil er ahnt, dass er damit auch polarisiert hat, sagt er: „Das hat mich geformt.“ Sein Lebensprojekt Lambertsmühle und er haben sich, so empfindet er es, gesucht und gefunden. Denn dort galt es auch, zu kämpfen.

Das kannte er vom Job her, als Finanzbeamter im Prüfungsdienst, wo er sich, beäugt von der Chefetage, für die Kollegen engagierte: „Ich habe Nachteile erfahren. Es war anstrengend“, sagt er offen. Zumal er abends in Wuppertal noch Gesang studierte. Seine Frau machte dann indes die größere Karriere, als Mezzosopranistin „mit großer Stimme“, wie er stolz sagt: „Wir haben aber viel zusammen machen können.“ Er wieder nebenbei, denn das Engagement im schweizerischen Sankt Gallen, das möglich gewesen wäre, kam doch nicht infrage: „Die Konditionen waren zu schlecht“, erzählt Busch. Er blieb hauptberuflich bei den Zahlen, seine Frau sang in den deutschen Theatern und Opernhäusern, war unterwegs. Das hatte seinen Preis. „Wir haben damals unsere Freunde verloren. Wir hatten ja nie Zeit“, erinnert sich Armin Busch. Und die Doppelbelastung forderte ihren gesundheitlichen Tribut: Mit Ende 50 ging er in Pension. Die Freunde kehrten zurück, ruhiger aber wurde es nicht.

Passend für einen, der zu den Gebirgsschützen nach Sonthofen wollte, im Hochgebirge Skikurse gegeben hat und in Dierath das erste Bürgerbegehren angezettelt hat. Und der sagt: „Ich habe ein tolles Leben gehabt.“

„Ich habe dort jeden Stein und jedes Brett bewegt.“

Armin Busch

Denn 1971 kam die Lambertsmühle ins Spiel. Sein Vater habe die dort lebende Witwe des letzten Müllers, Erna Maibüchen, gekannt, erzählt Busch. Sie suchte einen Berater – und da kam der junge Mann aus der Finanzverwaltung gerade recht. „Sie war in der Einsamkeit dort unten auf Kontakte angewiesen“, schildert Armin Busch die „etwas geizige“ Witwe, die von der „Klöntür“ aus jeden ansprach. Bis zu ihrem Tod 1983 half Armin Busch aus, unentgeltlich. Als sie ihm die Mühle habe übertragen wollen, habe er abgelehnt: „Ich will nicht besitzen um des Besitzes willen. So bin ich nicht“, sagt er. Zumal er in Dierath ja die vom Großvater hinterlassene Hofschaft gehabt habe. „Ich habe dann vorgeschlagen, die Mühle der Stadt zu vermachen. Ich wusste, dass sie ihr kleines Museum in der Bäckerei fortgeführt wissen wollte.“

Busch wurde Testamentsvollstrecker und quasi zum Anwalt der Lambertsmühle. Die Stadt habe sich anfangs mit dem Denkmalschutz schwergetan, erinnert er sich. Busch dagegen hatte bereits durch das Dierather Zuhause Erfahrungen mit altem Gemäuer. Und das wurde gebraucht: „Im Hauptgebäude haben zunächst zwei Familien gelebt, später sind dann zwei Ärzte eingezogen. Da war investiert worden. Aber die Nebengebäude waren total kaputt.“ Scheune, Stall, Remise.

Die Lambertsmühle gilt als eines der Burscheider Aushängeschilder.

Jeden Tag sei er zu Fuß hinunter zur Mühle gegangen: „Ich habe dort viele Arbeiten verrichtet.“ In Dierath wartete derweil die Familie meist vergeblich mit dem Essen: „Ich kam immer später.“ Zunächst machte er alles allein. Fand mit dem Amt für Agrarordnung eine Behörde, die finanziell half. Und wenn es hart auf hart kam, dann haute Busch seine „Turnergruppe“ von der Burscheider Turngemeinde an – beispielsweise als am Hang stehende Fichten drohten, in die Mühle abzurutschen. „Da haben wir zusammen ein gutes Dutzend gefällt.“ Die tatkräftigen Burschen von einst gibt es immer noch – statt am Barren und Reck aber trifft man sich inzwischen zur Rückengymnastik und zum Reden.

Armin Busch tauchte überall dort auf, wo es alte Materialien gab. Als der alte Bahnhof abgerissen wurde, kamen ihm die Bahnsteigkanten gerade recht, um zur Treppe hinab ans Wasserrad zu werden. Als in der Kirchenkurve die Rader Mauer fiel, klopfte Busch Steine: „Alles Unikate. Von Hand abgebaut und mit der Lore abtransportiert.“ In Leverkusen ging er in die Keller, aus Lindlar holte er Sandsteinplatten.

1995 wurde der Förderverein gegründet. „Danach hatte ich mehr Hilfe“, sagt Busch. Zu tun gab es schließlich jede Menge: Das Wasserrad sollte sich wieder drehen, was dank der NRW-Stiftung und einen jungen Mühlenbauers aus Venlo möglich wurde. „Das erste Plopp-Plopp des Wassers zu hören, war unbeschreiblich“, erinnert sich Busch. Zusammen mit dem Wupperverband setzte man gar ein Pilotprojekt um, das auf der Trennung aller Abwässer basiert. „Wir wurden von fünf Universitäten und Hygieneinstituten begleitet“, sagt Busch. Es entstand ein vollständig autarker Kreislauf, der alles wieder der Natur zuführt. Und bescherte der Lambertsmühle Expertenbesuch aus Hanoi und Libyen.

Während der Pandemie wurde es still im Wiembachtal. Auch um die festen Standbeine, dem Mühlentag, dem Tag des offenen Denkmals, dem Obstpresstag und dem Weihnachtsmarkt, aus denen die wirtschaftlichen Einnahmen generiert werden. Auch geheiratet wurde weniger – in der Lambertsmühle befindet sich eine Dependance des Standesamts. „Wir stehen wirtschaftlich aber nicht schlecht da“, sagt Armin Busch dankbar. „Die Hauptarbeiten sind getan.“ Im Sommer blüht der Bauerngarten, die Nebengebäude sind restauriert. Gebühren, Spenden, Mitgliedsbeiträge tragen zum Fundament bei.

Die Mitgliederzahl würde Armin Busch gern wieder erhöhen, auch altersbedingt sind die Zahlen eingebrochen, liegen nun bei rund 200.

„Ich habe dort jeden Stein und jedes Brett bewegt“, sagt Armin Busch über das fünf Häuser zählende Ensemble. Nun gibt er am Ulrich Conrads ab. „Ich wünsche mir, dass es gut weiterläuft und so bleibt, bis ich die Augen schließe. Es ist doch mein zweites Zuhause.“

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