Interview

Ute Hentschel: „Die Innenstadt muss belebt bleiben“

Ute Hentschel blickt für ihre gleichnamige Buchhandlung positiv in die Zukunft und aufs kommende Weihnachtsgeschäft.
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Ute Hentschel blickt für ihre gleichnamige Buchhandlung positiv in die Zukunft und aufs kommende Weihnachtsgeschäft.

Ute Hentschel spricht im Interview über aktuelle Probleme und die Zukunft im Einzelhandel.

Das Gespräch führte Stephan Eppinger

Viele Einzelhändler klagen über sinkende Umsätze. Wie fällt bei Ihnen aktuell die Bilanz aus?

Ute Hentschel: Wir sind da in einer Ausnahmesituation und freuen uns über gute Umsätze, die deutlich besser sind als in den Vorjahren – das gilt ebenfalls im Vergleich zum Vor-Corona-Jahr 2019. Das hängt mit der Situation in Burscheid zusammen – wir sind der Geschenkelieferant für die Stadt. Das gilt für Bücher und Spiele genauso wie für Nonbook-Artikel, wie zum Beispiel in der Papeterie. Bei uns findet man immer ein Geschenk für alle Gelegenheiten. Dafür bin ich auch regelmäßig auf den entsprechenden Messen unterwegs.


Wie blicken Sie auf das kommende Weihnachtsgeschäft?

Hentschel: Da sind wir durchaus wohlgelaunt. Wir haben sehr viel eingekauft, die Lager sind voll. Damit wollen wir möglichen Lieferschwierigkeiten trotzen. Für die Weihnachtszeit haben wir Dekoartikel wie beispielsweise Adventskränze aus Holz oder Metall sowie verschiedene Laternen im Sortiment. Die Leute wollen es gerade jetzt zu Hause gemütlich haben und suchen Produkte, die sie stärken und aufbauen in schwierigen Zeiten. Das gilt auch für die Lektüre, die nach wie vor gut nachgefragt wird – von der Belletristik bis zum Sachbuch zu aktuellen Themen wie dem Ukrainekrieg oder dem Klimawandel.

Welche Rolle spielen Auszeichnungen wie der Literaturnobelpreis oder der Deutsche Buchpreis für Sie?

Hentschel: Beim Deutschen Buchpreis hatten wir mit „Nebenan“ von Kristine Bilkau eigentlich einen anderen Favoriten. Das ist ein Titel, den wir gleich stapelweise eingekauft haben. Es geht um eine Nachbarschaftsgeschichte und der Frage, was passiert mit den Menschen, wenn plötzlich ein Nachbar nicht mehr da ist. Da gerät viel in Bewegung. Die Trägerin des Literaturnobelpreises, Annie Ernaux, ist eine gut verkäufliche Autorin. Allerdings verhält es sich damit wie in den Vorjahren. Zunächst will jeder die Bücher haben, aber schon wenige Wochen später interessiert sich keiner mehr dafür. Preise spielen daher bei uns keine ganz so große Rolle. Schade ist auch, dass Bücher, die gut lesbar und verkaufbar sind, oft bei den Preisen leer ausgehen. Wir setzen da eher auf die Lieblingsbücher unserer Mitarbeiter, die wir im großen Stil einkaufen.

Welche Bedeutung hat für Sie die gerade zu Ende gegangene Buchmesse in Frankfurt?

Hentschel: Auch hier sind die Auswirkungen eher gering. Ich würde selbst gerne mal wieder nach Frankfurt fahren. Aber dafür reicht im Moment die Zeit einfach nicht aus. Der Oktober und November sind für uns als Buchhändler die wichtigsten Monate im Jahr. Jetzt müssen wir Veranstaltungen vorbereiten und Ware einkaufen.

Sie wurden gerade selbst für den Deutschen Buchhandlungspreis 2022 nominiert.

Hentschel: Darüber haben wir uns total gefreut. Dafür hatten wir uns von Anfang an beworben und wurden nun nach 2019 zum zweiten Mal ausgezeichnet. Es ist toll, dass unser Engagement von höchster Stelle geehrt wird, das macht auch die Mitarbeiter glücklich. Ich selbst sehe das eher sportlich. Insgesamt sind 108 Buchhandlungen so ausgezeichnet worden, es gibt aber 500 bis 600 Kollegen, die den Preis genauso verdient hätten. Anerkennung kommt auch von den Kunden, die sich freuen, weil ihre Buchhandlung diese Anerkennung bekommen hat.

Wie ist die Situation bei den Kollegen im Burscheider Einzelhandel?

Hentschel: Die Situation hier in Burscheid ist nicht einfach, aber es gibt tolle inhabergeführte Leuchtturmgeschäfte Liebevoll, die Stoffzaubermaus oder der Lieblingsladen. Schade ist, dass mit Anke Breitbach und der Parfümerie zwei Geschäfte geschlossen haben und es jetzt Leerstände an der Hauptstraße gibt. Aber wir hoffen, dass sich das bald wieder ändern wird. Wichtig ist nur, dass die Innenstadt belebt bleibt. Das muss nicht unbedingt nur über die Einzelhändler geschehen. Auch Vereine, Institutionen und Dienstleister tragen dazu bei. Das muss man bei entsprechenden Überlegungen berücksichtigen. Denn die Bedingungen im Einzelhandel sind alles andere als einfach. Da gibt es lange Arbeitszeiten und die Löhne sind nicht sehr hoch. Das macht es schwierig, gutes Personal zu finden. Dazu kommen die hohen Mieten für Ladenlokale. Da überlegen es sich viele sehr gut, ob sie es wagen, ein Geschäft zu eröffnen. Denn auch für die Inhaber ist es nicht einfach. Bei mir ist der Heilige Abend zum Beispiel nur dann ein freier Tag, wenn er auf einen Sonntag fällt.


Welche Rolle spielen die massiv gestiegenen Energiepreise?

Hentschel: Wir bemühen uns schon sehr lange, Energie einzusparen und setzen bei der Beleuchtung auf die sparsame LED-Technik. Meinen Abschlag für die Heizkosten musste ich sowohl für den Laden als auch für meine Wohnung deutlich erhöhen, um hohe Nachzahlungen zu vermeiden. Noch haben wir unsere Ladentür offen und die Heizung ausgeschaltet. Wenn es kälter wird, müssen wir das ändern, auch weil wir ein Veranstaltungsort sind, wo die Menschen auch mal ohne Jacke unterwegs sind.

Wird es in diesem Jahr das Tannenbaumfest wieder geben?

Hentschel: Ja, das haben wir für den dritten Adventssonntag für die Zeit zwischen 12 und 18 Uhr eingeplant. Dann wird jedes Geschäft einen Stand vor dem Geschäft haben und das Bündnis für Burscheid schenkt wieder Glühwein aus. Auch zwei Kindergärten beteiligen sich am Tannenbaumfest. Es wird Musik und Essen wie Bratwürste oder vegane Gerichte geben. Auch der Tannenbaumverkauf ist wieder Teil des Festes.

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