Interview

Sabine Krämer-Kox: „Die Freigabe der Strecke wäre ideal“

Sabine Krämer-Kox kennt die viel befahrene Witzheldener Straße aus eigener Anschauung: Sie sei als Streckenalternative für Radfahrer sehr problematisch, sagt die ADFC-Sprecherin. Archivfoto: Doro Siewert
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Sabine Krämer-Kox kennt die viel befahrene Witzheldener Straße aus eigener Anschauung: Sie sei als Streckenalternative für Radfahrer sehr problematisch, sagt die ADFC-Sprecherin.

Sabine Krämer-Kox vom ADFC spricht über die Situation am Sportplatzweg.

Das Gespräch führte Stephan Eppinger

Burscheid. Bei der Sitzung des Hauptausschusses in Burscheid war die Öffnung des Sportplatzweges zwischen Raiffeisenplatz und Reigasse in Hilgen für den Radfahrer im Gegenverkehr jüngst ein Thema. Dagegen hatte der Rheinisch-Bergische Kreis als zuständige Behörde Bedenken geäußert, da der Weg mit seiner Breite von maximal 3,80 Meter in diesem Bereich mit drei Gruppen von Verkehrsteilnehmern zu eng sei und ein Gehweg für Fußgänger fehle. Jetzt wird ein Ortstermin mit allen Beteiligten angestrebt. Der BV hat mit der Sprecherin der Ortsgruppe Wermelskirchen/Burscheid des ADFC, Sabine Krämer-Kox, gesprochen.

Wie ist der Stand der Dinge nach der Ausschusssitzung?

Sabine Krämer-Kox: Ich habe erst heute Morgen mit einem Polizisten gesprochen, der für den Bereich zuständig ist. Er hat unser Anliegen, den Radweg in diesem Bereich für den Gegenverkehr zu öffnen, als durchaus realistisch beurteilt. Allerdings seien zu den Trainingszeiten dort viele Kinder und Jugendliche zu Fuß und mit dem Rad unterwegs. Aktuell ist die Situation so, dass bereits jetzt viele Radfahrer den Sportplatzweg in der Gegenrichtung befahren, auch wenn das regelwidrig ist. So können sie aber ein Ausweichen auf die vielbefahrene Witzheldener Straße vermeiden. Nach unserer Ansicht wäre die Freigabe der gerade einmal 100 Meter langen Teilstrecke ideal. Dort gibt es keinen Durchgangsverkehr, die Strecke ist gerade und gut einsehbar, es gilt Tempo 30, und der Sportplatzweg wird nur von Anwohnern und Anliegern benutzt. Oft sind es Mütter, die ihre Kinder mit dem Rad zur EMA-Grundschule bringen oder Kinder und Jugendliche auf dem Weg zum Sportplatz.

Was macht die Witzheldener Straße als Alternative so problematisch?

Krämer-Kox: Die Witzheldener Straße ist ein neuralgischer Punkt. Die Straße ist hochfrequentiert, auch weil sie die Hauptverbindung nach Leichlingen ist. Dort sind viele Lkw unterwegs. Dazu kommen große Müllfahrzeuge vom Wertstoffhof Heide. Außerdem gibt es parkende Fahrzeuge in Fahrtrichtung Witzhelden, die den Schwerverkehr zum Ausweichen auf die Gegenfahrbahn zwingen. Das macht die Strecke für Radfahrer so gefährlich.

„Am einfachsten wäre die Freigabe ohne Bedingungen.“

Sabine Krämer-Kox

Wie sind Ihre eigenen Erfahrungen als Radfahrerin?

Krämer-Kox: Ich wohne in Ösinghausen und nutze die Strecke jeden Morgen. Zum Glück bin ich zu einer Zeit unterwegs, zu der die Verkehrsfrequenz auf der Witzheldener Straße nicht ganz so hoch ist. Ich erlebe es aber immer wieder, dass Lastwagen mit hoher Geschwindigkeit hinter mir auftauchen. Da kommt es vor, dass ich in der Not auf den Fußweg ausweiche, auch wenn das nicht den Regeln entspricht. Aber ein so großes Fahrzeug ist einfach furchteinflößend. Solche Begegnungen könnte man durch die Freigabe am Sportplatzweg vermeiden.

Der Kreis als zuständige Behörde sieht das aber kritisch.

Krämer-Kox: Der Weg ist im Bereich zwischen Raiffeisenplatz und Reigasse bis zu 3,80 Meter breit. Das wäre eigentlich ausreichend, um ihn für den gegenläufigen Radverkehr freizugeben. Der Kreis beruft sich aber darauf, dass sich drei Gruppen von Verkehrsteilnehmern den Weg teilen und dass die Freigabe nur dann möglich wird, wenn ein separater Weg für die Fußgänger vorhanden wäre. Das wäre durchaus möglich, da es neben dem Weg eine Verkehrsbegleitfläche gibt. Die Stadt ist hier aber nicht bereit, für einen neuen Gehweg das Geld in die Hand zu nehmen, auch wenn man im Rathaus unserem Anliegen durchaus offen gegenüber steht. Jetzt soll es einen Ortstermin mit dem Kreis und seiner Mobilitätsbeauftragten sowie der Kreispolizeibehörde geben. Wann dieser stattfinden kann, steht aber noch nicht fest.

Weshalb ist die Anfrage für den ADFC von so großer Bedeutung?

Krämer-Kox: Der Raiffeisenplatz soll zu einem Verkehrsknotenpunkt mit E-Bikes, Carsharing, Schnellbussen und dem normalen ÖPNV werden. Ziel ist es, bei der Mobilität auf Autos zu verzichten und mit verschiedenen Verkehrsmitteln zum Ziel zu kommen. Da ist es wichtig, Bewohner von Stadtteilen wie zum Beispiel Ösinghausen, Benninghausen, Kippekofen, Paffenlöh oder auch Blasberg über den Sportplatzweg zu diesem Verkehrsknotenpunkt gelangen können, ohne eine vielbefahrene öffentliche Straße nutzen zu müssen. Das gilt insbesondere auch für Kinder und Jugendliche.

Was wäre die einfachste Lösung?

Krämer-Kox: Am einfachsten wäre die Freigabe ohne Bedingungen oder bauliche Veränderungen, wie dies nach einer geänderten Verwaltungsvorschrift bald möglich sein dürfte. Diese liegt noch im Entwurf vor und sagt aus, dass Einbahnsituationen für Radfahrer freigegeben müssen. Bislang war hier noch von können die Rede. Die einzige Veränderung wäre dann ein Verkehrsschild, das Radfahrern anzeigt, dass sie den Sportplatzweg in beide Richtungen benutzen dürfen. Möglich wäre auch eine Verbreiterung des Wegs auf 4,50 Meter. Die dazu notwendigen Flächen sind vorhanden.

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