Die 70-Stunden-Woche macht ihm nichts aus

Wolfgang Bosbach beim Neujahrsempfang 2020 der CDU Solingen. Archivfoto: Christian Beier
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Wolfgang Bosbach beim Neujahrsempfang 2020 der CDU Solingen. Archivfoto: Christian Beier

Der bundesweit bekannte Politiker Wolfgang Bosbach blickt auf 30 Jahre Anwaltstätigkeit zurück

-tei/sb- Wolfgang Bosbach, 30 Jahre Anwalt bei „Winter Rechtsanwälte“ – können Sie sich noch an die erste Begegnung mit der Kanzlei erinnern?

Wolfgang Bosbach: An das genaue Datum leider nicht, aber an meinen Antrittsbesuch Ende der 1980er-Jahre noch sehr genau: Rechtsanwalt Jansen hatte mir damals die Chance gegeben, eine Stage als Rechtsreferendar bei „Rechtsanwälte Winter, Jansen & Lamsfuß“ zu absolvieren. Nachdem wir uns über die Modalitäten einig waren, kamen die Herren Winter und Lamsfuß noch dazu. Das alles war noch am Standort an der Mutzer Straße, wo ich damals ein kleines Büro im Keller bekam . . . Im Laufe der Jahre habe ich mich dann bis in die 1. Etage hochgearbeitet.

Die Karriere des Wolfgang Bosbach mit der Leitung einer Supermarktfiliale vor dem Anwaltstitel auf dem zweiten Bildungsweg ist schon oft erzählt worden – gibt es aus diesem Lebensweg etwas, das Sie jungen Menschen mitgeben möchten?

Bosbach: Ich kann nur sagen, was für mich immer wichtig war: Mach das, was Du wirklich machen möchtest! Was nicht nur Last, sondern auch Freude ist! Was man anfängt, sollte man auch zu Ende machen, keine halben Sachen! Nicht immer auf die Uhr gucken: Wenn die Arbeit nicht nur Mühe, sondern auch Spaß macht, kann es ruhig mal etwas später werden.

Ihren Schwerpunkt als Anwalt haben Sie im Bereich Reiserecht gelegt. Woher kommt dieses Faible?

Bosbach: Zunächst war das über viele Jahre hinweg nur ein kleiner Teil meiner Arbeit, aber seit der Corona-Pandemie sieht das völlig anders aus. Die gesamte Reisebranche hat nach wie vor massive Probleme. Nicht nur in Deutschland, sondern in weiten Teilen der Welt. Viele Reisen mussten pandemiebedingt abgesagt werden oder waren mit erheblichen Mängeln behaftet – und das Ausmaß an Hartnäckigkeit und zum Teil Raffinesse, mit der viele Veranstalter versuchen, ihre Kunden davon abzuhalten ihr Geld zurückzuverlangen, ist schon erstaunlich. Seit Anfang 2020 kamen jeden Tag neue Fälle dazu, jetzt mache ich fast nur noch Reiserecht. Von dieser Spezialisierung profitieren die Mandanten enorm.

Sie sind schnell Partner der Kanzlei geworden. Trotzdem war Ihr politischer Weg auch zu diesem Zeitpunkt bereits vorgezeichnet?

Bosbach: Jein. Dass ich weiterhin politisch aktiv sein würde, war klar. Das habe ich auch nie verschwiegen. Aber erst 1994 ergab sich ja die Chance, Mitglied des Deutschen Bundestages – und damit Berufspolitiker – zu werden. Und solange der Bundestag noch in Bonn war, ließ sich das auch mit der Anwaltstätigkeit gut vereinbaren, mit dem Umzug nach Berlin wurde das dann immer schwieriger.

Bundesweit bekannter und gefragter Politiker und gleichzeitig Anwalt in Bergisch Gladbach – wie viel Zeit blieb denn damals überhaupt, Mandate in der Heimat zu übernehmen?

Bosbach: Jedes Jahr hat 52 Wochen. Davon sind allerdings nur 22 Sitzungswochen des Deutschen Bundestages mit strenger Präsenzpflicht in Berlin. Da geht natürlich nebenbei nix. Gar nichts! In den übrigen Wochen war es durchaus möglich, auch einige Stunden am Tag als Anwalt zu arbeiten, zumal mir eine 60- oder 70-Stunden-Woche nie etwas ausgemacht hat. Und gerade am Wochenende hat man herrliche Ruhe zum Arbeiten.

In Ihrer aktiven Zeit als Bundestagsabgeordneter sind Sie für Ihre Mandanten auch in Gerichtsverhandlungen aufgetreten. Wie haben die Richter auf Sie reagiert? Wurden Sie als Anwalt wahrgenommen oder als Bundestagsabgeordneter?

Bosbach: Ganz unterschiedlich. In der Verhandlung fiel darüber selber kein Wort. Aber anschließend intensive politische Gespräche: Die gingen von „Aaah, der Herr Abgeordneter kommt in die Niederungen der Justiz“ bis hin zu „Das hat der Gesetzgeber so entschieden, wenn Sie ahnen, was ich damit sagen will, Herr Rechtsanwalt.“ War aber immer alles okay.

Nach Ihrem Verzicht auf eine weitere Kandidatur ist ihr Lebensmittelpunkt wieder in Gänze ins Rheinisch-Bergische zurückgekehrt. Was vermissen Sie und was genießen Sie besonders?

Bosbach: Grundsätzlich den Umgang mit vielen großartigen Kolleginnen und Kollegen – auch aus anderen Fraktionen. Und natürlich die Truppe in meinem MdB-Büro. Wir waren ein tolles Team!

Hintergrund

Wenn der Name Bosbach fällt, wissen viele: Das war der langjährige Bundestagsabgeordnete für den Rheinisch-Bergischen Kreis, der auch heute noch gern eingeladen wird zu Talkshows. Er war aber auch angestellter Rechtsanwalt bei „Winter Rechtsanwälte“ in Bergisch Gladbach – seit 30 Jahren. Wolfgang Bosbach (68) arbeitet auch heute noch in Teilzeit als Angestellter.

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