Ausstellung

Der wunderbare Moment, wenn die Farben verlaufen

Zwei von sechs: Doris Spee-Petrik (l.) und Brigitta Ringel gehören zur Künstlergruppe ARTischocken. Foto: Nadja Lehmann
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Zwei von sechs: Doris Spee-Petrik (l.) und Brigitta Ringel gehören zur Künstlergruppe ARTischocken.

Künstlergruppe „Die ARTischocken“ stellt im Ökumenischen Hospiz aus.

Von Nadja Lehmann

Burscheid. Eine Postkarte hatte entscheidenden Einfluss auf das Leben von Doris Spee-Petrik. „Ich habe sie Anfang der Neunziger gesehen. Sie zeigte das Bild eines Wermelskirchener Malers, der einen Schäfer und seine Herde porträtiert hatte“, erzählt Spee-Petrik. Begeistert war sie nicht: „Die Farbe vom Hut des Schäfers war verlaufen und in seinem Gesicht gelandet. Ich war empört – und fasziniert.“

Die Faszination ließ sie nicht mehr los. Spee-Petrik belegte einen Volkshochschulkurs und landete bei einer Schülerin des Wermelskrchener Malers. Sein Name: Günter Lilge. Weil Lilge gern vorbeikam, um seiner Schülerin und Kursleiterin Edith Doussier über die Schulter zu schauen, lernte ihn Spee-Petrik auch in persona kennen. „Ich verehre ihn immer noch“, bekennt sie. Und den verlaufenden Farben blieb sie überdies treu: Dem Aquarell gehört ihre besondere Liebe. Im Verbund der Künstlergruppe „Die ARTischocken“ stellt Doris Spee-Petrik nun aktuell im Ökumenischen Hospiz in der Hauptstraße 57 aus.

Dort sind nun die Wände mit den Exponaten der sechs Malerinnen gefüllt, die so verschieden sind wie sie selbst. Spee-Petrik, offen, umtriebig, kommunikativ, vertraut ganz den zarten Farben des Aquarells. „Es ist so spannend, weil etwas Neues entsteht. Ich male ein paar Tupfen und setze ein paar Wassertropfen: Schon fängt alles an, auseinanderzulaufen.“ Sie liebt diesen Moment. Viele Motive stammen aus ihrem Elba-Urlaub.

Ich verliere mich im Malen.

Brigitta Ringel

In das Herz von Hospiz-Koordinatorin Beate Heß hat sie sich schon lange gemalt: Ihr verträumt-einsamer „Engel auf Elba“ hängt dauerhaft im Ökumenischen Hospiz. „Ihn gibt es wirklich“, sagt Doris Spee-Petrik. Nur durch Zufall habe sie ihn entdeckt, kein Weg führe zu ihm, Gebüsch schirme ihn ab: „Ich finde, er passt perfekt hierher“, sagt Beate Heß.

Brigitta Ringel hingegen lässt es farblich knallen. Ihr „Abendrot über Burscheid“ lodert und funkelt. „Ich habe es nach einem Foto gemalt“, sagt Ringel. Denn mit dem Vorurteil, jeder Maler sitze für eine Darstellung aus der Natur mit seiner Staffelei im Freien, räumt sie resolut auf. „Dafür ändert sich währenddessen das Licht viel zu sehr und das Wetter. Nichts sieht so aus wie im Moment davor. Und ich bin eine Langsam-Malerin.“

Das Glück des Haptischen kennt sie ebenso wie ihre Mitstreiterin. „Mit den Fingern kann ich die Leinwand streicheln. Die Farbe ist gefügig, warm und weich.“

Die Liebe zur Malerei begleitet sie seit Kindertagen. „Schon, bevor ich in die Schule kam, wollte ich einen Malkasten haben.“ Doch irgendwann geriet das in Vergessenheit, Brigitta Ringel heiratete, wurde Mutter – und erinnerte sich plötzlich des Malkastens. „Da habe ich für die Kinder gemalt“, erzählt sie.

Als sie und ihr Mann nach zahlreichen, beruflich bedingten Umzügen wieder nach Leverkusen zurückkehrten, legte Brigitta Ringel richtig los, absolvierte eine Ausbildung bei Ellen-Loh-Bachmann und schloss diese Ausbildung akademisch ab. Burscheider, die dem Kulturbadehaus gerne einen Besuch abstatten, sind die Werke Loh-Bachmanns wohlvertraut: Dort stellte die Leverkusenerin kurz vor Ausbruch der Pandemie aus. „Ich verliere mich im Malen“, beschreibt Brigitta Ringel ihre große Leidenschaft. „Die Zeit ist aufgehoben; sie spielt keine Rolle mehr.“

Das kennt Doris Spee-Petrik auch: „Es fängt schon Tage vorher an. Und wenn dann das Motiv in meinem Kopf ist und ich beginne, darf keine Türklingel gehen und kein Telefon läuten.“

Doris Spee-Petrik, Brigitta Ringel, Ulrike Tartler, Isa Ozminski, Barbara Kirstein und Ulla Niedereder alias „Die ARTischocken“ kennen sich schon lange: In Leverkusen gehörten sie der Künstlervereinigung Spektrum an. Doch dort fand sich zuletzt kein funktionsfähiger Vorstand mehr; der Verein löste sich auf. Da entdeckte Spee-Petrik, die Burscheiderin bei Spektrum, die Artvilla in der Hauptstraße 131: Dort treffen sich die sechs Damen nun jeweils donnerstags, um zu fachsimpeln und sich auszutauschen. „Ich komme gern nach Burscheid. Ich habe lange in Regensburg am Wald gewohnt, daran fühle ich mich hier erinnert“, verrät die Leverkusenerin Brigitta Ringel.

Hintergrund

„Die ARTischocken“ bestehen aus Doris Spee-Petrik, Brigitta Ringel, Ulrike Tartler, Isa Ozminski, Barbara Kirstein und Ulla Niedereder. Immer donnerstags treffen sie sich in der Artvilla in der Hauptstraße 131. Im Ökumenischen Hospiz in der Hauptstraße 57 stellen sie nun ein paar Werke aus. Die Themen reichen von regionalen Naturdarstellungen bis zu mediterranen Detailansichten; die Techniken umfassen Pastell-, Öl- und Aquarellmalerei. Zu verkaufen sind die Bilder übrigens auch. Jede Künstlerin spendet bei Verkauf eines Bildes den Erlös dem Hospiz. Wann die Ausstellung endet, ist offen. Interessierte sollten also mal in der Hauptstraße 57 vorbeischauen, bevor die Bilder wieder eingepackt werden.
oehhb.de

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