Schützenfest

Der Höhepunkt des Jahres steht vor der Tür

Sie stellten die Details zum Schützenfest vor: 1. Vorsitzender Michael Wehner (r.) und Dirk Bremser, Leiter Tradition.
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Sie stellten die Details zum Schützenfest vor: 1. Vorsitzender Michael Wehner (r.) und Dirk Bremser, Leiter Tradition.
  • VonNadja Lehmann
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Schützenfest am 3. und 4. September inklusive Kinderkirmes – Vereinssportstätte wird fit gemacht.

Burscheid. Auf einem Bierdeckel unterschrieb Michael Wehner 2002 seine Beitrittserklärung für den Burscheider Schützenverein 1864, nachdem ihm Kollegen und Freunde immer wieder beim Kneipenbesuch von den Schützen erzählt und ihn gedrängt hatten, doch mitzumachen. Dirk Bremser dagegen kennt den Verein schon seit den 1980er Jahren. Damals kam er regelmäßig aus Köln, um seine Freundin in Burscheid zu besuchen. Immer wieder mal sah er als Gast bei den Schützen vorbei. Bis er im nahe gelegenen Hotel-Restaurant Schützenburg einen runden Geburtstag feierte und dann im Verein ernst machte.

„Damals wollte ich allerdings sportlich schießen“, sagt er. Schnell übernahm er ein Ehrenamt und beschloss dann, sich die „andere Seite“ anzusehen, nämlich den traditionellen Zweig des Schützenvereins. Jenen, der die Feste organisiert, Uniform trägt, die Geselligkeit hochhält und den Schützenkönig kürt. „Der bin ich dann selbst schneller geworden, als ich gucken konnte“, sagt Bremser. Heute ist er „Leiter Tradition“, früher Hauptmann genannt. Und Michel Wehner ist 20 Jahre nach seinem Eintritt 1. Vorsitzender. Beide gemeinsam freuen sich nun aufs Schützenfest, das nach coronabedingter Pause am 3. und 4. September in der Hauptstraße 122 über die Bühne gehen soll.

Los geht´s mit dem „Partyabend am Samstag“, bei dem ab 20 Uhr die Starlight Band musikalisch den Ton angibt. Die Band ist nicht zum ersten Mal da, man kennt und schätzt sich, und so handelte man einen Kompromiss aus: Funkt Corona dazwischen, muss der Schützenverein nichts zahlen. „Dafür haben wir jetzt einen längerfristigen Vertrag geschlossen“, verrät Michael Wehner. Eine Win-Win-Situation für beide Seiten. Eintritt kostet der Partyabend nicht, aber es gilt der Mindestverzehr von fünf Bons à 2 Euro. Der Sonntagmorgen beginnt mit einem Frühstück und einer Festversammlung, bei der es mit geladenen Gästen etwas formeller zugeht. Das Prinzen- und Königsschießen schließt sich um 12.30 Uhr an. Mit einer Neuerung: Die potenziellen Prinzen schießen mit Pfeil und Bogen. Aber unter aller Augen auf der klassischen 50-Meter-Bahn im Schützenhaus und nicht, wie sonst, im Saal. „Beim Bogenschießen sind viele Kinder und Jugendliche dabei“, sagt Michael Wehner. Es ist die Erfolgsgeschichte des Vereins. Deshalb wird der Prinz aus diesen Reihen gekürt, während um die Königswürde mit Kleinkaliber gerungen wird (

Um 17 Uhr rückt am 4. September die Kirchenkurve in den Mittelpunkt, dort werden befreundete Vereine aus Radevormwald, Remscheid, Leichlingen und Solingen empfangen. Um 18 Uhr folgen Aufstellung und Abmarsch zum Schützenhaus, wo um 19 Uhr nochmals die Starlight Band zum Krönungsball aufspielt und das neue Königspaar mitsamt Prinzen inthronisiert wird (gegen 20.30 Uhr).

Für die ganz kleinen Gäste ist auch gesorgt: Von 11 bis 19 Uhr schlägt neben dem Schützenhaus die Kinder-Kirmes ihre Zelte auf. Es gibt Hüpfburg, Kletterturm, Rutsche, Kettenkarussell. Die Organisation liegt dabei in den Händen des Vereins Burscheid-live. „Wir unterstützen finanziell und bieten ein Bogen- und Laserschießen an“, berichtet Wehner. Daran dürfen sich auch Erwachsene erproben. Munition gibt´s nicht, stattdessen Laserlicht. Fürs Catering sorgt die Schützenburg – eine Premiere.

Während Wehner und Bremser die Pläne fürs große Fest, den Höhepunkt im Schützenkalender, schildern, knallt es immer wieder mal: Die Sportschützen legen an, wie jeden Donnerstagmorgen. Die Abteilung Tradition folgt am Abend. „Donnerstags ist bei uns am meisten los“, sagt Wehner.

Sport und Tradition: Sie sind die beiden Eckpfeiler im rund 180 Köpfe zählenden Verein. Aber mit unterschiedlichem Zulauf: Von den 35 neuen Mitgliedern, die in der Corona-Zeit zum Verein stießen, interessiert sich kaum einer für die Abteilung Tradition. „Das ebbt überall ab“, sagt Dirk Bremser. Und einige Vereine in der Region feierten gleich gar nicht mehr.

In Hilgen beispielsweise sei das anders als im doch multikulti und städtisch geprägten Ausläufer der Hauptstraße, sagen Bremser und Wehner: „In Hilgen findet dann das ganze Dorf zusammen“ – und das „Dorf“ ist liebevoll-anerkennend gemeint. Und auch ein bisschen wehmütig.

Die Hände in den Schoß gelegt hat die Abteilung Tradition aber keineswegs. Auch die Abteilung Sport nicht. Im Gegenteil hat man in den vergangenen zwei Jahren die Weichen für die Zukunft gestellt. Wer das Schützenhaus betritt, sieht es gleich: Überall wird gebaut. „Wir haben die Elektro- und die Belüftungsanlage erneuert und unser Flachdach machen lassen“, berichtet Wehner. Rund 300 000 Euro sind geflossen, das Förderprogramm „Moderne Sportstätte“ hat es möglich gemacht.

Dank EU-Förderprogramm Leader geht es nahtlos weiter: Geplant sind der Bau eines Bogenschießkinos und einer barrierefreien Toilette. Kosten: rund 60 000 Euro. Zunächst seien es mehr als 100 000 Euro gewesen. „Dabei haben wir 35 Prozent Eigenanteil“, sagt Wehner. Deshalb habe man sich von „Schnickschnack“ wie Dämmung und Aufenthaltsbereich getrennt, um den Eigenanteil so gering wie möglich zu halten. „Von unseren Mitgliedsbeiträgen können wir das nicht zahlen“, sagt Wehner.

Um so wichtiger ist das Schützenhaus selbst, das Vereine mieten können – ein Bereich, um den sich Dirk Bremser kümmert. Auch die Stadt nutzt das Haus gern und lässt dort den alljährlichen Rathaussturm steigen.

Auf der Schießanlage knallt es wieder. Die Sportschützen. Dirk Bremser guckt kurz rüber. „Wir haben hier einige Deutsche Meister rumlaufen“, sagt er. Und: Ein Männerverein sei man schon lange nicht mehr. Gerade gebe es unter den Sportschützen einen weiblichen Neuzugang, der einmal pro Woche Ehemann und Kind zuhause lasse und sich auf der Schießbahn als Naturtalent erweise.

Gleich nebenan erneuert sich übrigens auch der Penny-Markt. Er wird entkernt und umgebaut – aber die Kinderkirmes und das Schützenfest sind dadurch nicht beeinträchtigt, versichern Bremser und Wehner.

Schützenkönig

2021 gab es keinen König: Nils Raddatz war 2019 Schützenkönig geworden und hatte pandemiebedingt sogar einmal verlängert: „Einer weiteren Verlängerung standen dann aber berufliche Gründe im Weg“, sagt Michael Wehner.

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