Beruf

Der Fernsehtechniker von einst verschwindet

Heinz Gelhaus liefert in Burscheid noch Fernseher auf Bestellung aus, Hund Frieda hilft ihm dabei nicht. Foto: Doro Siewert
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Heinz Gelhaus liefert in Burscheid noch Fernseher auf Bestellung aus, Hund Frieda hilft ihm dabei nicht.

„Die großen Elektromärkte hinterlassen verbranntes Land“, sagt Heinz Gelhaus – da helfen auch Fußball-EM und Olympische Spiele nicht mehr

Von Stephan Eppinger

Burscheid. Wenn es bei einer Fußballeuropameisterschaft um den Titel geht, gehören Fernseher zu den wichtigsten Besitztümern der Fans. Alleine oder in der großen Runde werden die Begegnungen im heimischen Wohnzimmer, auf dem Balkon oder im Garten verfolgt. Doch was tun, wenn das Gerät streikt oder der Bildschirm zu klein ist? Früher ging es dann zum Fachhändler um die Ecke, oder bei kaputten Geräten war der örtliche Fernsehtechniker schnell zur Stelle.

Heute ist das zumindest in eher ländlichen Regionen anders. Aus dem Fernsehtechniker ist der Informationselektroniker geworden – und das Fachgeschäft oder die Werkstatt um die Ecke findet sich nur noch selten. So gibt es in Burscheid nur noch einen Laden an der Kölner Straße in Hilgen, wo Fernsehgeräte an den Mann oder die Frau gebracht werden. In der Burscheider Innenstadt ist das Fachgeschäft schon vor Jahren aufgegeben worden.

Ein Geschäft oder eine Werkstatt lohnten sich nicht mehr

Der Burscheider Heinz Gelhaus hat sein gleichnamiges Geschäft im Wermelskirchener Stadtteil Dabringhausen 2018 ebenfalls aufgegeben, das er 1995 eröffnet hatte. Heute bestellt er von seinem Burscheider Büro aus Fernsehgeräte für seine Kunden und bietet einen Reparaturservice an.

„In der Regel kaufen die Leute ihre Fernseher bei den großen Elektromärkten. Wo die auftauchen, hinterlassen sie verbranntes Land. Gekauft wird auch viel im Internet und selbst Discounter bieten günstig Geräte an. Da bleibt für uns nicht mehr viel übrig. Ein Geschäft oder eine Werkstatt zu unterhalten, lohnt sich nicht mehr. Das, was ich vor Ort beim Kunden brauche, passt in die Werkzeugtasche. Heute ist mobiles Arbeiten angesagt“, sagt Gelhaus.

Dabei hat der Kauf bei Elektromärkten, Discountern oder im Internet nach seiner Erfahrung durchaus seine Nachteile: „Im Internet gibt es nur selten Service vor Ort. Da wird das Gerät vor die Tür gestellt, den Rest muss man selbst erledigen. Oder man bucht den Anschluss des Fernsehers kostenpflichtig dazu – und das kann teuer werden. Bei Elektromärkten gibt es Teams, die den Service anbieten. Aber da kann es auch schon mal 10 bis 14 Tage dauern, bis da Leute vor Ort sind. Nicht immer passt eine Adresse in die große Runde der Teams. Und bei Discountern gibt es den großen Nachteil, dass es spätestens nach zwei Jahren keine Ersatzteile mehr gibt. Dann ist der defekte Fernseher nur noch Elektromüll und als Alternative bleibt nur ein Neukauf. Das ist eine Katastrophe.“

Bei Gelhaus kann man den Fernseher noch ganz klassisch bestellen und bekommt ihn in der Regel spätestens 48 Stunden später geliefert, aufgestellt und angeschlossen. Auch bei Problemen ist der regionale Fachmann schnell vor Ort. „Allerdings kann ich nicht immer auf Anhieb helfen. Wenn man das Problem mit einem Handgriff vor Ort lösen kann, geht es schnell, ansonsten muss ich das Gerät einschicken. Ist das Netzteil kaputt, kann man das Modul einfach austauschen. Hat es den Bildschirm erwischt, ist es ein Totalschaden. Bei Großgeräten übernimmt die Reparatur in der Regel direkt der Hersteller, der eigene Serviceteams vor Ort schickt. Anders ist bei mir auch, dass der Kunde immer einen direkten Ansprechpartner hat, den er kennt und den er gut erreichen kann.“

Fernsehen über das Internet

Viele Burscheider schauen mittlerweile auch das Fernsehen über das Internet. Bedingung dafür ist natürlich ein schneller Anschluss und auch ein stabiles Wlan im Haus. Je nach Anbieter kann man über das Internet mehr als 100-TV-Sender empfangen. Die Bildqualität fällt dabei unterschiedlich aus: Für beste Bildqualität, wie etwa HD, muss man meist extra bezahlen. Mit einer passenden App kann man das Internet-TV auch auf dem Fernsehgerät anschauen. Hierfür gibt es Streaming-Boxen. Angebote wie Zattoo, waipu.tv oder Joyn bieten bereits in den Gratis-Versionen die Möglichkeit, viele lineare TV-Sender über das Internet zu schauen. Gegen Aufpreis (je nach Anbieter und Abo-Modell zwischen 6 und 15 Euro im Monat) gibt es mehr Sender, weniger Werbung und Zugriff auf zusätzliche Inhalte, etwa Eigenproduktionen oder Serien auf Abruf.

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