Denkmalschutz

Interview: „Denkmalpflege schützt unser bauliches Erbe“

Heike Wunderlich ist studierte Diplom-Geografin und in ihrer Funktion als Amtsleiterin die Vertreterin der Unteren Denkmalschutzbehörde. Archivfoto: Stadt
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Heike Wunderlich ist studierte Diplom-Geografin und in ihrer Funktion als Amtsleiterin die Vertreterin der Unteren Denkmalschutzbehörde. Archivfoto: Stadt

Burscheid. Amtsleiterin Heike Wunderlich spricht über Ziele und Aufgaben des Denkmalschutzes.

Von Nadja Lehmann

Wenn wir einmal ganz grundsätzlich anfangen: Was versteht man unter Denkmalschutz?

Heike Wunderlich: Das Denkmalschutzgesetz Nordrhein-Westfalen (DSchG NRW) definiert ein Denkmal als „Sachen, Mehrheiten von Sachen und Teile von Sachen, an deren Erhaltung und Nutzung ein öffentliches Interesse besteht“. Nach dem DSchG NRW besteht ein öffentliches Interesse dann, wenn „die Sachen bedeutend für die Geschichte des Menschen, für Städte und Siedlungen oder für die Entwicklung der Arbeits- und Produktionsverhältnisse sind und für die Erhaltung und Nutzung künstlerische, wissenschaftliche, volkskundliche oder städtebauliche Gründe vorliegen.“

Rein vom Wort her: Denk = Gedenken, Mal = Ort – Ein Ort, der zum Gedenken anregt. Er erinnert an etwas Vergangenes. Gemäß dem DSchG NRW wird zwischen Baudenkmälern, ortsfesten Bodendenkmälern und beweglichen Denkmälern unterschieden. Darüber hinaus gibt es noch Naturdenkmäler. Daraus ableitend versteht man unter Denkmalschutz den Schutz und Erhalt eines Denkmals, das heißt, seiner historischen Substanz, seines Erscheinungsbildes mit seinen prägenden Charakteristika für die Zukunft. Die rechtliche Grundlage bildet das Denkmalschutzgesetz NRW. Es regelt unter anderem, dass zu schützende Denkmäler in einer Liste eingetragen werden und dass alle Maßnahmen und baulichen Veränderungen an einem Baudenkmal oder in näherer Umgebung eines Baudenkmals erlaubnispflichtig sind.

Welche Ziele verbindet man damit?

Wunderlich: Das Ziel von Denkmalschutz und Denkmalpflege ist, das bauliche Erbe als Quelle der Geschichte zu schützen, zu erhalten, zu pflegen, sinnvoll zu nutzen und wissenschaftlich zu erforschen.

Welche Aufgaben nimmt die Stadt wahr?

Wunderlich: Die Stadt Burscheid als Untere Denkmalbehörde nimmt folgende Aufgaben wahr: Führung der Denkmalliste (das heißt, aller zu schützenden Bauwerke), Beratung der Denkmaleigentümer in allen Fragen des Denkmalschutzes und der Denkmalpflege, die Erteilung von Erlaubnissen nach § 9 DSchG NRW für alle Bau- und Renovierungsmaßnahmen an und in einem Baudenkmal sowie bei Gebäuden in dessen näherer Umgebung (Umgebungsschutz), Ausstellung von steuerlichen Bescheinigungen für alle denkmalpflegerisch abgestimmten und mit einer Erlaubnis versehenen Maßnahmen, die Aufstellung von Denkmalbereichssatzungen in enger Abstimmung mit dem Landschaftsverband Rheinland (LVR) - Amt für Denkmalpflege im Rheinland.

Wo und wie wird die Stadt überbehördlich unterstützt?

Wunderlich: Fachliche Unterstützung (Beratung bei sämtlichen Maßnahmen am Denkmal) kommt insbesondere durch das LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland. Jede Erlaubnis erfolgt in enger Abstimmung mit dem Landschaftsverband Rheinland. Dies ist auch laut Denkmalschutzgesetz so vorgesehen. Der Rheinisch-Bergische Kreis als Obere Denkmalbehörde ist die Aufsichtsbehörde für die Untere Denkmalbehörde. Grabungserlaubnisse im Rahmen von Arbeiten an eingetragenen Denkmälern und denkmalrechtliche Erlaubnisse für den Einsatz von Metalldetektoren sind Aufgaben der Oberen Denkmalbehörde.

Wie würden Sie selbst Ihre Arbeit beschreiben? Worin liegt die Haupttätigkeit?

Wunderlich: Die Haupttätigkeit liegt in der Abstimmung zwischen Denkmaleigentümern, dem LVR und der Stadt als Untere Denkmalbehörde. Es geht immer darum, Kompromisse zu finden zwischen dem, was die Eigentümer sich wünschen und vorstellen und dem, was denkmalfachlich und -rechtlich vertretbar ist. Eine Allgemeinlösung gibt es nicht. Für jedes Denkmal sind Einzellösungen zu finden. Typische Fragen bei jeder Maßnahme sind beispielsweise: Welche Maßnahmen sind geplant? Wird das Erscheinungsbild des Denkmals beeinträchtigt? Was genau soll wie verbaut werden? Wie groß ist der Eingriff in die (historische) Substanz? Ist der Eingriff nötig? Was kann möglicherweise erhalten und instandgesetzt werden? Grundsätzlich geht es bei der Arbeit im Denkmalschutz nicht um das „Einfrieren“ eines Zustands. Beispielsweise müssen Wohnbedürfnisse an aktuelle Standards angepasst sein. Es ist jedoch wichtig, dass die Nutzung passend und für das Gebäude sinnvoll ist. Wenn eine neue Nutzung zugeführt wird, die für die räumlichen Gegebenheiten nicht sinnvoll ist, muss möglicherweise zu viel baulich verändert oder umfangreiche Brandschutzmaßnahmen vorgenommen werden, wodurch die Denkmaleigenschaft gemindert werden kann. Für den Eigentümer spielen auch wirtschaftliche Aspekte eine große Rolle. Grundsätzlich ist es wichtig, Leerstände in Denkmälern zu vermeiden, da die Gebäude darunter leiden. Zur Arbeit im Denkmalschutz gehört also auch immer wieder ein Abwägen zwischen den genannten Aspekten.

Wer legt fest, was unter Denkmalschutz steht?

Wunderlich: Das wird durch Fachleute des LVR ermittelt. Bevor ein Denkmal unter Schutz gestellt wird, wird es inventarisiert, erfasst und bewertet. Die Denkmaleigenschaft muss beschrieben und begründet werden. Erst danach kann es in die Denkmalliste eingetragen werden.

Welcher Bereich gehört in Burscheid unter die Denkmalbereichssatzung? Kann dieser Bereich ausgeweitet werden?

Wunderlich: In Burscheid existiert eine Denkmalbereichssatzung für den Ortskern von Burscheid. Sie wurde im Jahr 2013 beschlossen. Der Geltungsbereich umfasst grob zusammengefasst die Bebauung, die unmittelbar an der Hauptstraße (Innenstadt) liegt. Der Bereich beginnt nördlich der Kirchenkurve und endet im Südwesten an der Brücke, die über die Radtrasse führt und den Übergang zur Oberen Hauptstraße markiert. Eine Ausweitung der bestehenden Denkmalbereichssatzung für den Ortskern von Burscheid ist derzeit nicht vorgesehen. Die Abgrenzung wurde damals so vorgenommen, dass die historischen Strukturen und die erhaltens- und schützenswerte Bausubstanz umfasst werden. Die Einführung weiterer Denkmalbereichssatzungen in anderen Ortsteilen bedarf politischer Entscheidungen und ist theoretisch denkbar. Innerhalb des Geltungsbereichs einer Denkmalbereichssatzung unterliegen übrigens alle Gebäude oder Teile baulicher Anlagen der Erlaubnispflicht. Das heißt: Vor Beginn einer Baumaßnahme ist ein Antrag auf eine denkmalrechtliche Erlaubnis bei der Unteren Denkmalbehörde zu stellen.

Wie steht es um Außenortschaften und Naturdenkmäler? Was steht dort unter Schutz?

Wunderlich: Für die Erfassung und Eintragung von Naturdenkmälern im Innenbereich und für deren Schutz ist die Untere Landschaftsbehörde des Rheinisch-Bergischen Kreises zuständig. Derzeit gibt es vier eingetragene Naturdenkmäler. Dabei handelt es sich um schützenswerte Bäume. Die Eintragung als Naturdenkmal im Außenbereich erfolgt über die Bezirksregierung Köln. Burscheid hat hier aktuell sechs Naturdenkmäler. Die Naturdenkmäler sind in dem Landschaftsplan „Burscheid und Leichlingen“ dargestellt und geschützt. Es handelt sich dabei vorwiegend um Bäume (beispielsweise Eiben, Winterlinde etc.) und den Steinbruch Bökershammer.

Wie würden Sie Burscheid unter denkmalpflegerischem Aspekt beschreiben? Was ist hier das Besondere, das sich zu bewahren lohnt? Ist viel erhalten geblieben oder nach dem Krieg/Wirtschaftswunderjahre doch viel Altes verschwunden?

Wunderlich: Typisch für Burscheid sind die vielen Gebäude im bergischen Stil: (verschiefertes) Fachwerk, weiße Fenster mit grünen Schlagläden. Der Ortskern ist besonders geprägt durch seine Kleinteiligkeit, schmale Parzellen und eng aneinander stehende, zwei- bis dreigeschossige Gebäude, aber natürlich auch durch die evangelische Kirche und den Kirchplatz. Zur nördlichen Hauptstraße weiten sich die Parzellen und damit auch die Gebäudegrößen. Hier sind im 19. Jahrhundert einige Villen entstanden, die zum Teil auch denkmalgeschützt sind. Diese Charakteristik ist durch den Denkmalbereich größtenteils geschützt, und diese gilt es zu bewahren. Besonders sind aber auch einige denkmalgeschützte Gebäude, die durch Neubauten aus modernen Materialien erweitert wurden und damit eine neue Nutzung erhalten haben. Diese können durchaus als gute Beispiele für weitere Denkmäler herangezogen werden. Gerade im Bereich des heutigen Marktplatzes wurden zwischen den 1960er und 1980er Jahren viele Gebäude Opfer des Autoverkehrs (Bau der Umgehungsstraße, Parkplatz/Marktplatz). Vereinzelt sind auch weitere Häuser abgerissen worden, teilweise zugunsten von Neubauten. Dies hat der Bergische Geschichtsverein, Ortsgruppe Burscheid in mehreren Publikationen sehr gut aufbereitet und dokumentiert.

Denkmalpflege und Denkmalschutz sind vielschichtig und vielfältig. In den nächsten Tagen folgt deshalb Teil 2 des Interviews.

Zur Person

Heike Wunderlich ist in der Burscheider Stadtverwaltung Amtsleiterin Stab Stadtentwicklung, Umwelt und Liegenschaften. Sie arbeitet seit 2008 in der Stadtverwaltung und hat an der Universität Leipzig Geografie studiert. 2019 übernahm sie die Stabsleitung als Nachfolgerin von Kurt Berger.

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