Wahlkampft

Herbert Reul: „Dass ich so viel Zuspruch bekomme, ist neu“

Herbert Reul besuchte am Wochenende das Osterfeuer der Burscheider CDU.
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Herbert Reul besuchte am Wochenende das Osterfeuer der Burscheider CDU.

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) ist auf Wahlkampftour in Rhein-Berg.

Das Gespräch führte Anja Wollschlaeger

Am 15. Mai ist Landtagswahl. NRW-Innenminister Herbert Reul kandidiert im Wahlkreis Rheinisch-Bergischer-Kreis II für die CDU. Vor der Landtagswahl spricht er im Interview über Stimmungen, Katastrophenschutz, Clans und Geldautomaten.

Wie läuft der Wahlkampf?

Herbert Reul: Ich bin zufrieden. Es ist viel zu tun, und ich treffe viele neugierige Leute. Dass ich so viel Zuspruch bekomme, das ist neu.

Was beschäftigt die Menschen, mit denen Sie sprechen?

Reul: Für die meisten Menschen ist das Thema jetzt der Ukraine-Krieg. Auch Jüngere fragen mich, ob ich denke, dass der Krieg auch zu uns kommt. Ich glaube das nicht, obwohl, wenn Wladimir Putin uns erreichen will, dann kann er das.

Als Innenminister sind Sie auch für den Katastrophenschutz zuständig. Was sind die Herausforderungen, die sich in diesem Themenbereich stellen?

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Reul: Wir haben schon in der Corona-Krise gelernt, dass wir abhängig sind. Als wir keine Schutzmasken mehr hatten und sie in China bestellen mussten, haben wir alle gemerkt, dass wir den Katastrophenschutz nicht mehr ernst genommen hatten. Wir müssen lernen, Realitäten anzuerkennen, auch, wenn wir sie nicht wahrhaben wollen. Wir haben 2018 angefangen, wieder Sirenen aufzubauen. Da haben mir manche noch gesagt: Der Kalte Krieg ist doch vorbei. Wir haben eigentlich alle gedacht, Katastrophen finden nur woanders statt. Bei den Überschwemmungen im Juli 2021 zeigte sich, dass einige Menschen nicht rechtzeitig gewarnt wurden.

Was wollen Sie in dieser Hinsicht verbessern?

Reul: Durch die Vorgängerregierung ist dem Land keine aktive Rolle im Katastrophenschutz zugewiesen. Federführend sind hier die Städte- und Gemeinden. Das ist auch gut so, wenn es in Wermelskirchen brennt, dann ist Wermelskirchen zuständig. Wenn wir aber eine Flächenlage haben, dann brauchen die Kommunen Unterstützung. Dann brauchen wir eine Landesleitstelle. Wir brauchen auch bessere Warnsysteme, und da arbeite ich dran. Ich habe vor kurzem noch Gespräche mit der Telekom geführt, damit wir bald mit dem Cell-Broadcasting starten können. Damit soll jeder Warnungen auf seinem Handy empfangen können.

„Früher wollte ich jedes Problem sofort lösen.“

Herbert Reul

Sie haben sich die Bekämpfung der Clan-Kriminalität auf die Fahnen geschrieben. Haben Sie dieses Ziel erreicht?

Reul: Früher wollte ich jedes Problem sofort lösen, aber sofort sind solche Probleme nicht gelöst. Als ich als Innenminister angefangen habe, hat jeder gewusst, dass es das Problem gibt, aber es hat sich keiner getraut, es anzusprechen. Jetzt sprechen wir es an, und wir arbeiten an der Lösung.

Immer wieder werden Geldautomaten gesprengt – im November erst ist in Wermelskirchen ein Sprengsatz explodiert. Nehmen Sie sich auch dieser Kriminalität an?

Reul: Wir wollen darauf einen Schwerpunkt legen. Die Masse der Geldautomaten-Sprenger kommt aus den Niederlanden. Es sind Banden. Ich habe deswegen Kontakt zur niederländischen Innenministerin aufgenommen, denn wir müssen hier grenzüberschreitend zusammenarbeiten. Das Problem gibt es übrigens kaum in unserem Nachbarland. Dort nutzen die Menschen viel weniger Bargeld, und es gibt viel weniger Geldautomaten. Also gibt es drei Ansatzpunkte: Die Polizei muss die Banden schärfer im Blick haben, dafür arbeiten wir auch international zusammen. Dann müssen die Automaten sicherer werden. Aber es gehört auch dazu, dass es weniger Automatensprengungen gibt, wenn es weniger Geldautomaten gibt. Das will nur keiner hören, denn viele nutzen gerne Bargeld.

Hintergrund

Zur Person: Herbert Reul wurde am 31. August 1952 in Langenfeld geboren. Sein Vater Karl war lange Zeit CDU- Bürgermeister in Leichlingen. Herbert Reul ist Gymnasiallehrer und hat Sozialwissenschaften und Pädagogik studiert. 1985 bis 1991 war Reul schulpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Landtag, anschließend Generalsekretär der NRW-CDU. 2004 bis 2017 war Reul Abgeordneter im Europäischen Parlament. Seit 2017 ist der heute 69-Jährige Innenminister von Nordrhein-Westfalen. 2019 kam der Innenminister zum Klassentreffen des 1984er-Abiturjahrgangs nach Wermelskirchen. Einst hatte er am dortigen Gymnasium unterrichtet.

Wunschbaum: Im Dezember 2021 beteiligte sich Reul an der Wunschbaumaktion in Wermelskirchen. Er brachte ein Geschenk für einen Jungen mit.

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