Klima

Das Wetter macht den Bienen zu schaffen

Jürgen Letzner hat 20 Bienenvölker und erntet rund 40 Kilogramm Honig jedes Jahr. Archivfoto: Doro Siewert
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Jürgen Letzner hat 20 Bienenvölker und erntet rund 40 Kilogramm Honig jedes Jahr.

Jürgen Letzner ist Imker und Bienen-Sachverständiger im Kreis - Burscheider Imkerverein lässt neue Mitglieder schulen.

Von Stephan Eppinger

Burscheid. In diesem Jahr ist das Wetter für die Imker bislang eine echte Herausforderung: „Zunächst war der Start sehr warm und hat die Bienenvölker in Brutstimmung gebracht. Dann wurde es kalt und den Bienen hat in der Natur die Nahrung und so die Kraft gefehlt, um die Brut entsprechend warm zu halten. Wenn man da nicht mit Spezialfutter zur Stelle ist, würden viele Völker zugrunde gehen.“ Außerdem gebe es durch den frühen Brutbeginn voraussichtlich viele Brutzyklen in diesem Jahr. „Das ist für die Vermehrung der Varroamilbe ideal, die die Bienenvölker deutlich schwächen kann. Da muss man dann entsprechend gegensteuern“, erklärt Imker und Bienen-Sachverständige im Kreis, Jürgen Letzner.

Er selbst kam durch Zufall vor zehn Jahren zu seinen Bienen. „Ich war bis dahin eher in der Reiterszene unterwegs. Auf einem Hof in Remscheid haben wir den Betreiber kennengelernt, der auch Imker war. Durch einen Schlaganfall brauchte er Hilfe und mein Sohn hat ihn unterstützt. Und irgendwann standen dann die Bienenvölker bei uns. Mein Sohn hat das Interesse verloren und ich habe mich um die Bienenvölker gekümmert“, sagt Letzner, der inzwischen 20 Bienenvölker besitzt, die ihren Standort an der Lambertsmühle und an der Sengbachtalsperre haben. „Das sind wegen der Feuchtigkeit, dem vielen Wald und den Sumpfgebieten ideale Standorte. Da haben wir eine gute Ernte sicher. Bei mir sind das im Jahr etwa 40 Kilogramm Honig.“

Das sei in Zeiten des Klimawandels und der zu trockenen Hitzesommer nicht überall der Fall: „In Burscheid werden viele Linden gepflanzt, aber die stehen wie die Akazien auf der Balkantrasse zu trocken. Da gibt es für die Bienen keinen Nektar. Das ist bei den Linden an der Wupper in Opladen schon wieder anders. Gerade an der Lambertsmühle haben meine Bienen zudem ein breit gestreutes Angebot, weil dort immer etwas blüht.“

„Auch bei der Zufütterung muss man sich ganz genau auskennen.“

Jürgen Letzner, Imker

An seinen beiden Standorten führt er seine Bienen noch so, wie es die Alten gemacht haben. So zieht er den heute angesagten Magazinen für Bienenvölker die Hinterwandbehandlung vor. Dabei greift der Imker durch eine Öffnung in der Hinterwand minimalinvasiv ins Geschehen ein und stört so den Flugbetrieb seiner Bienen nicht. „Bei mir ergab sich das aus meinen Rückenproblemen, mir waren die Magazinkästen einfach zu schwer. Heute sagt man außerdem, dass man seine Bienen alle acht Tage kontrollieren muss, früher hat man da den Völkern mehr Ruhe gegönnt und nur ganz gezielt eingegriffen. Dazu braucht es aber eine sehr gute Analyse und viel Erfahrung. Jedes Bienenjahr ist anders und auch die Bienenvölker lassen sich nicht miteinander vergleichen. Das macht für mich den Reiz der Imkerei aus.“

Im Burscheider Imkerverein mit seinen 25 bis 30 Mitgliedern liegt der Altersdurchschnitt bei jungen 35 Jahren. Das wichtige Wissen für angehende Imker wird zu Beginn durch einen Basiskurs vermittelt, zu dem die Mitglieder geschickt werden. Durch diesen werden sie durch ein gesamtes Bienenjahr vom Frühjahr bis zum Herbst wissenschaftlich fundiert begleitet. Das Wissen wird dabei sowohl theoretisch als auch praktisch vermittelt.

„Bei der Bekämpfung der Varoamilbe muss man rechtzeitig eingreifen. Ich mache das zweimal im Jahr mit Ameisensäure, wie sie auch Bioimker verwenden. Im Dezember kommt, wenn es richtig kalt war und nicht gebrütet wird, eine Behandlung mit Oxalsäure dazu. Dann können die Völker mit möglichst wenig Milben gut ins Frühjahr starten.“ Auch bei der Zufütterung im Winter oder jetzt im Frühjahr, müsse man sich ganz genau auskennen, um alles richtigzumachen.

Seit vier Jahren ist Letzner Bienen-Sachverständiger im Kreis. „Meine Aufgabe ist es, hier in Burscheid Bienenvölker zu untersuchen, die ihren Standort wechseln und dabei das Kreisgebiet verlassen sollen. Dafür braucht es wegen der Amerikanischen Faulbrut ein amtliches Gesundheitszeugnis. Ich bin da als Sachverständiger quasi das Auge des Amtstierarztes.“

In Burscheid sei man davon bislang verschont geblieben, es habe aber Ausbrüche in Leichlingen und Solingen gegeben. „In den USA werden solche Krankheiten mit Antibiotika behandelt, was sich dann auch im Honig wiederfindet. Das ist bei uns verboten, weshalb es sinnvoll ist, auf Honig vom lokalen Imker zurückzugreifen.“

Wildbienen

Um die Honigbienen selbst macht sich der Imker wenig Sorgen. „Das ist bei Wildbienen und anderen Insekten nicht so. Ihnen kann man helfen, wenn man im eigenen Garten möglichst wenig eingreift und so pflanzt, dass es für die Insekten das gesamte Jahr über ein Nahrungsangebot gibt“, rät er.

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