100. Geburtstag

Das Vitalbad hält Heinz Paetzke fit

Das Team um Betriebsleiter Karsten Baum (links) strahlt: Stammgast Heinz Paetzke feiert seinen 100. Geburtstag in der Cafeteria des Vitalbads. Foto: Nadja Lehmann
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Das Team um Betriebsleiter Karsten Baum (links) strahlt: Stammgast Heinz Paetzke feiert seinen 100. Geburtstag in der Cafeteria des Vitalbads.

Gebürtiger Danziger feierte im Hagen inmitten von Mitschwimmern seinen 100. Geburtstag. Seine Runden dreht er jede Woche.

Von Nadja Lehmann

Er hat sich fein gemacht für seinen großen Tag. Der Schlips sitzt, das dazu passende hellblaue Hemd ist frisch gebügelt, das Jackett rundet den Auftritt des Jubilars ab. „Er ist immer gut gekleidet, aber sonst doch etwas lässiger“, verrät Betriebsleiter Karsten Baum mit einem Augenzwinkern. Heinz Paetzke ist 100 Jahre alt geworden. Zwar schon am vergangenen Montag, aber feiern wollte er den runden Geburtstag am gestrigen Donnerstag. Im Vitalbad in Burscheid und nirgendwo anders und zu keinem anderen Zeitpunkt. Denn donnerstags ist der nun 100-Jährige immer dort. Und schwimmt. Gestern natürlich auch.

Doch danach sitzt er am Kopf einer langen Tafel inmitten der Cafeteria des Vitalbads. Er hat alle im Blick. Langjährige Weggefährten sind gekommen und vor allem: langjährige Mitschwimmer. Immer wieder geht einer von ihnen auf das Geburtstagskind zu, will noch ein paar persönliche Worte wechseln. „Ich weiß von jedem das Wichtige“, sagt Heinz Paetzke. „Das, was ein guter Nachbar so weiß.“ Den Geburtstag natürlich oder wie es der Familie so geht. Mitschwimmer Manfred Herrmann sitzt mit seiner Frau direkt neben Heinz Paetzke: „Er bringt mich immer“, sagt der 100-Jährige, und Manfred Herrmann nickt: „Jeden Donnerstag. Ich bringe ihn und hole ihn wieder ab.“

„So etwas wie hier gibt es nicht noch einmal“, gerät der Jubilar ins Schwärmen übers Vitalbad und seine Mitarbeitenden. Er fühlt sich erkennbar wohl, fühlt sich geborgen inmitten der ihn Feiernden. „Es ist wie eine Familie hier.“

Karsten Baum freut sich über das Lob. Er empfindet ähnlich. „Wir sind unglaublich stolz, dass Herr Paetzke seinen Geburtstag hier verbringen wollte. Unser Team ist ja nicht so groß, da entsteht wirklich eine Verbindung.“ Auch durch die liebenswert-zugewandte Art des Jubilars. Selbst der ehemalige Chef des Vitalbads, Achim Borgmann, im Ruhestand seit Ende 2019, ist gekommen, sitzt in der Cafeteria und stößt auf den 100-Jährigen an. „Ihm einen wunderschönen Festtag mit der passenden Aufmerksamkeit zu schaffen, ist uns sehr wichtig“: So hatte es auch Bad-Geschäftsführer Christian Meuthen im Vorfeld unterstrichen.

„So etwas wie hier gibt es nicht noch einmal.“

Heinz Paetzke über das Vitalbad

Seit 38 Jahren kommt Heinz Paetzke ins Vitalbad. „Immer um Viertel nach neun, immer donnerstags“, sagt er. Die Disziplin einer bald nicht mehr existierenden Generation schwingt da mit. Dann aber lässt er sich Zeit. Denn zu Fuß – irgendwo muss der hellwache 100-Jährige doch dem Alter Tribut zollen – ist er nicht mehr so gut. Das Becken zu umrunden, kostet Zeit. „Zuerst war das hier einfach nur ein Hallenbad“, erinnert er sich. „Dann kamen die Sauna und das Solebecken.“ Karsten Baum nickt und lächelt. „Er hat die Entwicklung des Bads begleitet.“ Pünktlich gegen 13 Uhr trifft Heinz Paetzke nach seinen Schwimmrunden in der Cafeteria ein und lässt sich dort verwöhnen.

Das Schwimmen hat der gebürtige Danziger eher unkonventionell gelernt. „Wir hatten einen Boxer, Rolf“, erzählt er. Und sein Vater habe ihm empfohlen, zuzugucken, wie es der kleine Rolf im Wasser macht: „Und dann sind wir in der Mottlau geschwommen“, lächelt Heinz Paetzke und macht die paddelnden Schwimmbewegungen von einst in dem Danziger Fluss nach – von Boxer Rolf und sich selbst. Den ostpreußischen Singsang kann er sofort wieder heraufzaubern – was er doch für ein Lorbasschen – ein Lümmel – sei, habe die Großmutter immer gesagt, erinnert er sich.

Nach dem Krieg landete er in Schleswig-Holstein, in Lübeck, und lernte dort seine Frau kennen. Eine echte Lübeckerin, die in den fünfziger Jahren mit ins Rheinland zog. „Es gab in Lübeck keine Arbeit“, sagt er. Und so wurde es Leverkusen, wo der gelernte Feinmechaniker in der Kalkulation arbeitete.

Im Sommer aber ging es wieder in den Norden, nach Dänemark. Und natürlich ins Wasser. Dort lernte die Tochter schwimmen. „Im Winter war dann das Vitalbad der Ersatz für die See“, sagt Heinz Paetzke. Bis zu ihrem Tod 2002 begleitete ihn stets seine Frau ins Vitalbad. „Ich war ohne sie auch noch ein paar Mal in Dänemark. Aber es war nicht mehr dasselbe.“

Die neue Heimat eroberte sich Neu-Rheinländer Paetzke damals mit dem Rad. „Ich war leidenschaftlicher Radfahrer. So habe ich hier alles kennengelernt.“ Auch die Musik half: „Ich habe Waldhorn in der Harmonie Paffrath gespielt.“ „Und Akkordeon können Sie doch auch“, wirft Karsten Baum ein.

Die alte Heimat hat Heinz Paetzke 1994 wiedergesehen. „Ich wollte meiner Frau Danzig zeigen.“ Das Haus, das seine Eltern gebaut hatten, sei bei einem Bombenangriff zerstört worden. „Aber meine Mutter, eine Bauerstochter, hatte hinterm Haus viele Tiere gehalten. Diese Stallungen gab es noch.“

Zwei Söhne und eine Tochter können mit ihm feiern; ein Sohn wohnt in Burscheid und hat gerade goldene Hochzeit gefeiert, die Tochter ist auch schon 72. Ein Küken aus der Sicht des Vaters, der liebevoll von der „Kleinen“ spricht. Enkelkinder gibt es nicht. „Leider“, sagt er. Wohl darum freut er sich besonders über die kleinen Besucher des Vitalbads und verfolgt ihre Fortschritte im Schwimmbecken. „Wenn ich meinen Milchkaffee in der Cafeteria trinke, gehört ja ein Keks dazu. Und den biete ich immer einem Kind an.“

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