Jahresabschlussgespräch

„Das Gemeinwesen in Burscheid funktioniert“

Renate Bergfelder-Weiss und Dirk Runge rissen viele Themen an – vom Haus der Kunst bis zur Montanusstraße. Fotos: Nadja Lehmann, Wiering Immobilien
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Renate Bergfelder-Weiss und Dirk Runge rissen viele Themen an – vom Haus der Kunst bis zur Montanusstraße.

Ergebnisse des Jahresabschlussgesprächs im Rathaus, Teil 1.

Von Nadja Lehmann

Burscheid. Das Jahresabschlussgespräch im Rathaus sei eine Institution, die er noch aus den Zeiten von Altbürgermeister Kahrl kenne, berichtete Dirk Runge am Mittwochvormittag. Der Allgemeine Vertreter des Bürgermeisters nickte dabei seiner Kollegin Renate Bergfelder-Weiss zu: Damals habe er ihre heutige Position bekleidet, nämlich die des Pressesprechers.

Dirk Runge.

Business as usual also? In keinster Weise. Denn gleichgültig, was für Burscheid im noch laufenden Jahr wichtig war oder gewesen sein mag: Erschüttert wurden die Stadt und ihre Bewohner durch den unerwarteten Tod von Bürgermeister Stefan Caplan. „Ich habe 20 Jahre mit ihm zusammengearbeitet. Das sind ja Jahre, die einen berühren“, sagte Runge, der im März höchstwahrscheinlich in Caplans Fußstapfen treten wird, nachdem ihn die sechs im Stadtrat vertretenen Fraktionen parteiübergreifend als Bürgermeisterkandidaten nominiert haben. „Das ist eine Wende für mich, mit der ich nie gerechnet hätte“, bekannte Runge gestern. „Ich freue mich darauf, auch wenn der Hintergrund traurig ist.“ Noch gebe es keinen weiteren Kandidaten, ausgeschlossen sei dies aber natürlich nicht: „Wir werden es am 20. Januar wissen, bis dahin müssen alle Kandidatenvorschläge eingegangen sein.“

Corona ist und bleibt Thema, gerade angesichts der hereinbrechenden vierten Welle. „Ich bin froh, dass wir das Impfzentrum haben“, betonte Dirk Runge mit Blick auf die Anlaufstelle im Kinder- und Jugendzentrum Megafon, die im Dezember an den Start ging. Der Kreis habe zum Wochenende auch die Kinder-Impfung in Aussicht gestellt, berichtete Runge: „Das finde ich sehr gut.“ Und auch das Gut Landscheid mit Chef Kurt Lammert mischt erneut mit und stellt wie bereits schon einmal einen Impf-Drive-In auf die Beine: „Das ist nicht ganz einfach wegen der dortigen, durch den Starkregen verursachten Baustelle, aber wir kriegen es hin“, war Runge optimistisch.

Fokus auf einer soliden Haushaltspolitik

Haus der Kunst.

Corona wird bleiben, über 2021 hinaus. Aber auch die Frage nach dem lieben Geld. „Eine solide Haushaltspolitik ist mir ganz wichtig“, gab Runge ein Leitmotiv vor. Das einst hoch verschuldete Burscheid, das sich in den Stärkungspakt retten musste, habe eben auch diese „ganz anderen Zeiten erlebt“, so Runge. Zwar habe man den 10. Haushaltsplan im Stärkungspakt ausgeglichen, aber: „Burscheid schwimmt nicht im Geld.“ Das zeige auch die aktuelle Einbringung des Haushalts 2022: „Dieser hat ein Defizit.“ Damit nicht genug: Hinzu komme die viel diskutierte Kreisumlage, deren Erhöhung zwar nicht umgesetzt werde, ihre Senkung aber ebenso wenig: „Wir haben aber mit einer gesenkten Kreisumlage gerechnet. Wir werden also entweder gucken müssen, wo wir einsparen können oder mit einem größeren Defizit rechnen müssen“, kündigte Runge an.

Bei Fördergeldern hatte Burscheid immer ein glückliches Händchen. Weiter geht es also deshalb mit dem Integrierten Entwicklungs- und Handlungskonzept (IEHK). Im Mittelpunkt stehen dabei die Montanusstraße, die Vollsortimenter, Drogeriemarkt und Piazza erhalten soll, sowie das Haus der Kunst. Im Juni soll die Umgestaltung zum multifunktionen Haus der Kultur(en) losgehen. „Die Vereine haben sich darauf eingestellt“, berichtete Renate Bergfelder-Weiss in ihrer Funktion als Leiterin des Kulturbüros. Derzeit werde die Akustik untersucht: Diese sei nämlich, wie der Orchesterverein Hilgen angemerkt hatte, für Bläser nicht optimal.

Renate Bergfelder-Weiss.

Als Ausweichquartiere in der Bauzeit stehen die Aula der Johannes-Löh-Gesamtschule, das Kulturbadehaus und das Megafon mit seiner Bühne zur Verfügung. Bergfelder-Weiss verwies darauf, dass Burscheid und Wermelskirchen im bis 2024 angelegten Interkommunalen Kulturmanagement an einem Strang ziehen: Sichtbares Zeichen dafür ist die neue Kulturmanagerin Jasmin Dorner, die derzeit die Grundlagen für den geforderten Kulturentwicklungsplan zusammenstellt. Dies werde 2022 weiter vorangetrieben. „Von dieser Vernetzung können beide Städte profitieren“, urteilte Bergfelder-Weiss. Dorner pendelt zwischen beiden Städten, ist drei Tage in der Woche in Wermelskirchen und zwei in Burscheid. „Sie hat im Rahmen des Kultursommers auch bereits viele Akteure der Kulturszene kennengelernt“, berichtete Bergfelder-Weiss.

Stichwort Kultursommer: Für Renate Bergfelder-Weiss ist er eine Erfolgsgeschichte in kulturverarmten Corona-Zeiten. Möglich gemacht hatten es Bundesfördermittel unter dem Stichwort „Neustart Kultur“: „Wir haben für Burscheid fünf Open-Air-Veranstaltungen organisiert“, berichtete Bergfelder-Weiss, die gerade im Bereich Kultur auf die große Kraft des Ehrenamts verwies – was Dirk Runge sofort aufgriff: „Nichts von dem, was im Bereich Ehrenamt geleistet wird, ist selbstverständlich. Das verdient Dank und Respekt. Aber es zeigt auch: Das Gemeinwesen in Burscheid funktioniert.“

 Und es gab noch mehr Themen wie Digitalisierung, Wirtschaft und Wohnen: Wir berichten in den kommenden Tagen.

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