Glaube

Das Gemeindeleben auf Abstand fordert heraus

Pastor Lukas Schülbe steht vorne vor der Gemeinde. Man setzt auf Präsenzgottesdienste, natürlich unter Auflagen. Archivfoto: Doro Siewert
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Pastor Lukas Schülbe steht vorne vor der Gemeinde. Man setzt auf Präsenzgottesdienste, natürlich unter Auflagen.

Freikirchliche Evangelische Gemeinde ist in der Pandemie innovativ gewesen – Online erreicht man aber nicht alle Mitglieder.

Von Claudia Radzwill

Corona verändert derzeit das Gemeindeleben. Das gilt auch für die Freikirchliche Evangelische Gemeinde in Burscheid. „Wir haben vieles auf Online umgestellt“, erzählt Pastor Lukas Schülbe. Kreative Ideen für neue Formate seien während der letzten Monate entstanden. Zum Beispiel in der Jugendarbeit. „Über die digitale Plattform Zoom wird gemeinsam gespielt und auch aus der Bibel gelesen“, berichtet Schülbe.

Eine Gruppe habe sich auf einem Parkplatz getroffen - coronakonform alle im Auto sitzend. „Wir hatten Walkie-Talkies verteilt. Man sah sich, konnte sich austauschen und ein Morsezeichen-Rätsel lösen.“ Einige der Hauskreise haben sich ebenso online vernetzt, tauschen sich regelmäßig aus.

Auch für die Gottesdienste greift die Gemeinde den digitalen Weg auf. Der Live-Stream hat hier Einzug gehalten. In den ersten Monaten dieses Jahres gab es Gottesdienste ausschließlich online. Seit dem Ende der Osterferien finden sie „hybrid“ statt - das heißt, es finden Präsenzgottesdienste statt, die auch im Live-Stream zu sehen sind.

„Wir passen uns derzeit den gegebenen Umständen immer wieder neu an“, erklärt Lukas Schülbe dazu. Mit Beginn der Pandemie im März 2020 habe man zunächst alles heruntergefahren. „Wie alle anderen waren auch wir auf eine solche Situation nicht vorbereitet“, sagt der Pastor. In Videokonferenzen wurden erste Entscheidungen getroffen. „Zunächst schickten wir Gottesdienste im Audioformat über die bekannten Messenger-Plattformen“, blickt Schülbe zurück. Dann folgte das Live-Stream-Angebot über Youtube. Ab Sommer 2020 bis kurz vor Weihnachten waren Gottesdienste vor Ort möglich - so wie jetzt wieder.

Spagat zwischen Vorsicht und normalem Leben

Zur Zeit finden der wöchentliche Sonntagmorgengottesdienst und alle zwei Wochen ein Familiengottesdienst statt. „Wir tun alles, dass der Spagat zwischen verantwortlichem Umgang mit dem Infektionsrisiko und einem Stück normalem Leben gelingt“, sagt Lukas Schülbe. Abstand, Maske, Lüften und die Reduzierung der Teilnehmeranzahl gehören dazu. Jeder, der teilnimmt, muss sich zuvor anmelden.

Zu Ostern gab es für die Gemeindeglieder kleine Pakete vor die Tür - da man das Fest zum zweiten Mal in Folge nicht zusammen feiern konnte. „Es war gefüllt mit einem Begleitheft mit spirituellen Impulsen, mit Zutaten für das Abendmahl, mit einem Rezept für ein Osterbrot, und es lag etwas zum Basteln darin“, erzählt Lukas Schülbe. In den Vorostertagen waren Stationen im Gemeindehaus aufgebaut, die den Weg Jesu vor der Kreuzigung darstellten; für einen Besuch wurden Zeit-Slots vergeben. „Das Feedback von denen, die teilgenommen haben, lautete ‘super’“, freut sich Pastor Schülbe.

Das „Café für Senioren“ und der Treff „Offener Mittwoch“ finden seit einem Jahr nicht mehr statt. Doch ein Helferteam der Gemeinde halte mit vielen Kontakt, berichtet Schülbe. Corona sei der Anstoß für neue Ideen und Kreativität gewesen.

Doch langsam werde auch in der Gemeinde „der lange Atem kürzer“. Man merke, wie alle ein wenig ermüdeten. „Es ist eine große Herausforderung, mit Abstand die Gemeinde weiterzuentwickeln,“ erklärt Schülbe. Gemeindeleben bedeute auch, alle mitzunehmen, gemeinsam zu entscheiden. „Das geht online nur bedingt, da so nicht alle erreichbar sind.“ Die Qualität der Kommunikation sei digital eine andere als vor Ort. „Da geht auch einiges verloren.“

Lukas Schülbe vermisst das aktive Gemeindeleben. Das gemeinsame Singen. Das gemeinsame Feiern mit der Gemeinde. Das Miteinander. „Wie das Osterfeuer mit Jung und Alt,“ nennt er ein Beispiel. Doch der Schutz der Gesundheit gehe vor.

Hintergrund

Die Freikirchliche Evangelische Gemeinde hat 86 Mitglieder, dazu kommen weitere Menschen, die regelmäßig die Gemeindeangebote nutzen. Die Gemeinde wurde 1970 gegründet, 1971 wurde das Gemeindehaus an der Höhestraße eröffnet. Im September 2014 erfolgte der Umzug ins jetzige Gemeindehaus in der Weiherstraße 5.

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