Geschichte

Das erste Gas flackerte im Luisental

Die Burscheider nutzten das Gas in ihren Häusern sehr rasch zum Kochen.
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Die Burscheider nutzten das Gas in ihren Häusern sehr rasch zum Kochen.

Unsere Autorin blickt auf die Historie eines besonderen Stoffs.

Von Ursula Hellmann

Burscheid. Nun gib doch mal Gas! Die kurze Bitte an einen zögerlichen Autofahrer hat ja einen viel älteren Sinnursprung als nur seit dem Zeitalter der vierrädrigen Volkslieblinge.

Alles Wissenswerte über das luftförmige Aggregat Gas aus Sicht der Burscheider Energie-Versorger ist in der Chronik der Stadtwerke ausführlich festgehalten.

Der Anfang des „Gas-Zeitalters“ für den öffentlichen Raum geschah im Jahre 1863 durch die Eröffnung einer Spinnerei und Weberei im Luisental. Um die Produktionsräume auszuleuchten, nahm die Firma eine eigene Gasherstellungs-Anlage in Betrieb. Von diesem Gas profitierten bald auch die Nachbarn der Textilfabrik. Diese erste Versorgung betraf die Anwohner der Hauptstraße sowie die Höhestraße und deren Nebenwege.

Erst 25 Jahre später, 1888, beschloss die Stadtverordneten-Versammlung den Bau einer Gasanstalt in Burscheid. Veranschlagte Kosten damals: 79 382,35 Mark. Da zu dieser Zeit die Einwohnerzahl mit 6 500 registriert war – kam dieses Projekt eher einem Wunschtraum gleich. Trotzdem wurde daraus ein halbes Jahr später, greifbare Realität. Durch das erste Versorgungsnetz strömte Gas durch die Leitungen. Damit begann der Siegeszug der Energie Gas in Burscheid. Zentrum der neuen Gasanstalt waren mehrere sogenannte Kammeröfen. In ihnen wurde das Gas aus Steinkohle erzeugt. Nach einer recht aufwendigen Gaswäsche füllte sich ein Gasometer mit achthundert Kubikmetern Inhalt als Zwischenspeicher. Von dort wurde es ins Rohrnetz verteilt.

Die Nachbarstädte zogen technisch gesehen nach, nutzten aber Gas nur zu Beleuchtungszwecken. In Burscheids privatem Bereich wurde das moderne Medium aber von Anfang an bereits zum Kochen eingesetzt. Der Kubikmeter Gas kostete den Verbraucher 15 Pfennige im Bereich Leuchtgas, einen Groschen bezahlte man fürs Kochen und den gewerblichen Einsatz.

Die Nachfrage nach dem neuartigen Brennstoff wurde größer und größer. Das Rohrnetz wurde erweitert. 1896 kamen Kaltenherberg und Hilgen dazu. 1905 kam ein zweiter Gasometer mit tausend Kubikmeter Fassungsvermögen. Gleichzeitig wurde eine Gasleitung über Griesberg nach Kaltenherberg verlegt. In den zwanziger und dreißiger Jahren folgten die Ortschaften Massiefen, Kuckenberg, Dierath, Neuenhaus, Nagelsbaum, Irlerhof, Geilenbach, Rötzinghofen und Kämersheide.

Waren es 1903 244 Gaskunden, vervierfachte sich die Zahl bis zum 50-jährigen Jubiläum 1938 auf 1 440 Abnehmer. Schon da musste eine gravierende Entscheidung gefällt werden. Teuere Erneuerung der bestehenden Gaserzeugungsanlagen auf eigene Kosten? 1942 wurde als vernünftige Lösung ein Vertrag mit der Ruhrgas, Essen, geschlossen. Von dort kam dann Ferngas auch nach Burscheid. Die örtliche Erzeugung von Gas fand 1946 ihr endgültiges Ende.

1973 brach in Burscheid das Erdgas-Zeitalter an

Anfang der 70er Jahre strömte wieder eine neue Variante des leichtgewichtigen Energieträgers in die Häuser: Am 24. September 1973 begann auch für Burscheid das Erdgas-Alter. 4 200 Geräte wurden umgestellt. „Die Sonnenwärme aus der Erde“ brachte viele neue Vorteile. Höherer Heizwert, ungiftig, schadstoffarme Verbrennung und ohne Rückstände. Was heute selbstverständlich genutzt wird – daran hatte vor hundert Jahren keiner im Traum gedacht. Die Entwicklung bringt immer neue Varianten. 2003 wurden die Geschäftsanteile der Rheinisch-Bergischen Versorgungsgesellschaft mbH von der Stadt Burscheid zu einer stillen Beteiligung an der Belkav GmbH. Seit einigen Jahren gehört auch „Bio-Gas“zum täglichen Angebot und ist kein exotisches Detail der gesamten Versorgung mehr.

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