„Damit öffnet sich die Tür in Richtung Kanzlerschaft“

Lars Klingbeil (l.) ist eine gute Wahl, findet SPD-Fraktionschef Klaus Becker. Fotos: Michael Kappeler/dpa, Nadja Lehmann
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Lars Klingbeil (l.) ist eine gute Wahl, findet SPD-Fraktionschef Klaus Becker.

SPD-Fraktionschef Klaus Becker begrüßt die Kandidatur von Lars Klingbeil um den Co-Vorsitz

Von Nadja Lehmann

Es sei das schönste Amt neben dem des Papstes, wusste schon Franz Müntefering, der geniale Konstrukteur einprägsamer Kurzsätze. Dieser fiel, als er das Amt des SPD-Vorsitzenden übernahm, und als die notorisch zerstrittenen Sozialdemokraten hofften, das erfahrene Schlachtross „Münte“ könne Basis und Kanzler Schröders Reformkurs miteinander versöhnen.

Dieser Tage könnte der Job in der Tat der schönste neben dem des Papstes sein: Die SPD zeigt sich geschlossen wie selten, und mit ihrem Kandidaten Olaf Scholz nimmt sie geradewegs Kurs aufs Kanzleramt. „Erfolg schweißt zusammen“, sagt Burscheids SPD-Fraktionsvorsitzender Klaus Becker trocken, der die Lage in Berlin aufmerksam verfolgt.

Die SPD sucht einen neuen Co-Vorsitzenden. Und mit Lars Klingbeil, dem jetzigen Generalsekretär, scheint er auch bereits gefunden. Der Parteitag im Dezember müsste noch seinen Segen geben. Nötig war die Neuaufstellung des SPD-Führungsduos geworden, nachdem der bisherige Vorsitzende Norbert Walter-Borjans seinen Rückzug angekündigt hatte. Seine Mitstreiterin Saskia Esken dagegen will weitermachen – gemeinsam mit Lars Klingbeil.

„Ich bin überrascht“, gibt Klaus Becker zu. Nicht weil er an der Kompetenz Klingbeils zweifle, im Gegenteil. „Er hat einen tollen Job im Wahlkampf gemacht“, zollt Becker Respekt. Diesen hatte Klingbeil organisiert, und die SPD, die viele schon abgeschrieben hatten, wurde stärkste Kraft. „Ich hatte Klingbeil deshalb eher als künftigen Minister auf der Agenda“, sagt Klaus Becker: „Das Innenministerium hätte gut zu ihm gepasst.“

Damit wäre es dann aber (zunächst) vorbei. „Der Parteivorsitz schließt ein Ministeramt aus“, bekräftigt Becker. So ist es gute Sitte bei der SPD. Auch an der Basis.

Becker ist sich sicher: „Lars Klingbeil kann Krise meistern“

„Als die Stadtratsmitglieder Heike Engels und Bodo Jakob für den Kreistag kandidierten, schieden sie aus dem Rat aus“, erinnert Becker an seine beiden Parteifreunde. „Man kann nicht zwei Herren dienen.“ Den Parteivorsitz sieht der Burscheider Kommunalpolitiker gewissermaßen als Startrampe. „Klingbeil ist ja noch sehr jung.“ Aber Becker sieht’s auch mit Skepsis. „Das ist ein komischer Trend, dass Nachwuchspolitiker zunächst als Co-Vorsitzende antreten.“

Esken, die als Amtsinhaberin weitermache, sei naturgemäß deshalb zunächst die Nummer 1. „Über sie kann ich nicht viel sagen. Entgegen ihrem Ruf als linke Flügelfrau habe ich sie so nie wahrgenommen. Sondern eher als unauffällig und unscheinbar“, findet Becker.

Eine gewisse Unauffälligkeit attestiert er auch Klingbeil. „Er ist souverän und ruhig – und war auf einmal da. Mir ist er erst im Wahlkampf richtig aufgefallen, obwohl er inhaltlich schon immer stark war.“ Becker nennt ihn eine gute Wahl: „Mit dem Vorsitz öffnet sich für ihn natürlich auch die Tür in Richtung Kanzlerschaft – irgendwann.“

Der Burscheider Fraktionschef erwartet von dem 43-jährigen Niedersachsen klare Akzente: „Er wird Duftmarken setzen.“ Beispielsweise beim Thema Klimaschutz. „Die Zeit läuft uns weg“, wird Becker da deutlich, ähnlich, wie es der frühere US-Präsident Barack Obama beim Klimagipfel in Glasgow tat: „Dieser Klimagipfel ist ein Witz“, konstatiert Becker. „Wenn es international nicht geht, müssen wir es zumindest national versuchen.“

Klingbeil könnte dafür der richtige Mann sein, findet Becker. Im Gegensatz zu Esken gilt dieser als konservativer Sozialdemokrat, er gehört dem Seeheimer-Kreis an. „Er kann Krise meistern“, sagt Becker.

Auf den erfahrenen „General“, der mit noch nicht 40 das Amt antrat, konnten sich die Neulinge Esken und Walter-Borjans stets stützen. Der damalige Parteivorsitzende Martin Schulz hatte ihn nominiert – nach einer desaströsen Bundestagswahl, bei der der Gang der SPD in die Opposition schon ausgemacht schien.

Doch Jamaika platzte, die Große Koalition wurde wieder aufgewärmt. Dann warf Schulz hin. Es folgte ein Zwischenspiel mit Andrea Nahles, schließlich gaben sich die Kandidaten für den Vorsitz die Klinke in die Hand. Generalsekretär Klingbeil hat sie kommen und gehen gesehen und die Partei zusammen mit Olaf Scholz wieder geeint.

Lars Klingbeil (l.) ist eine gute Wahl, findet SPD-Fraktionschef Klaus Becker.

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