Jagd

Corona wirkt sich auch auf die Jagd aus

Auch die Jagd hat sich unter Corona verändert, sagt Hegeringleiter Horst Peddenbruch. Fotos: Markus Schumacher/ Philipp Schulze/dpa
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Auch die Jagd hat sich unter Corona verändert, sagt Hegeringleiter Horst Peddenbruch.
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Hegeringleiter Horst Peddenbruch berichtet von einem hohen Besucherdruck in den Revieren.

Burscheid. Erkranken können Wildschweine wohl nicht an Covid-19. Aber massiv gestört wird das heimische Wild doch durch die Pandemie. „Denn der Besucherdruck in den Wäldern ist seitdem enorm“, erklärt Horst Peddenbruch. In Zeiten von Corona gebe es ja auch kaum andere Freizeitmöglichkeiten, also gingen immer mehr Menschen in den Wäldern spazieren oder durchstreiften diese auf Fahrrädern, erklärt der Leiter des Hegerings Burscheid. Dadurch bleibe das Wild lieber versteckt im Dickicht.

Zur Wildschadensvermeidung, aber auch um die Afrikanische Schweinepest hier möglichst zu verhindern, sollen derzeit viele Wildschweine erlegt werden. „Aber die Tiere sind jetzt nicht mehr so zuverlässig in ihrem Verhalten wie vor Corona“, sagt der Jäger. „Das erschwert auch noch die Jagd.“ In seinem Revier hatte ein Kollege gerade aber Jagdglück: Im Schein des Vollmondes konnte er einen 28 Kilogramm schweren Frischling erlegen.

Jeder ist auf sich allein gestellt.

Horst Peddenbruch, Hegeringleiter

Auch Rehwild soll verstärkt bejagt werden, damit der Umbau der Wälder zu mehr Klimaresistenz gelingen kann. „Ich bin überzeugt, wenn wir an kritischen Stellen jagen, also an Schonungen, dann hilft das schon“, erklärt Peddenbruch. Denn Stellen, an denen das Wild Druck bekomme, die werde es später meiden. Nicht mehr lange werde es dauern, bis auch in Burscheid der erste Wolf durchzieht, ist der Jäger überzeugt. „Und der Wolf ernährt sich nicht von Wild“, mahnt Peddenbruch, „der ist bequem und nimmt sich lieber ein Kalb oder ein Schaf von einer eingezäunten Weide.“

Die Jagd ist anders in Zeiten der Pandemie. „Jeder ist auf sich allein gestellt“, berichtet Peddenbruch, „die meisten Mitglieder sind jetzt viel draußen, arbeiten im Revier oder gehen auf den Ansitz.“ Was komplett wegfällt, ist die Geselligkeit. „Unsere Stammtische fallen seit Monaten aus“, bedauert der 66-Jährige. Die Gesellschaftsjagden finden kaum noch statt – und wenn, dann ohne das anschließende „Schlüsseltreiben“, also einem gemeinsamen Essen nach der Jagd. „Ein Jahr ohne die Gesellschaftsjagden ist mal kein Problem“, sagt Peddenbruch, aber wenn es länger dauere, käme man schon in die Bredouille.

Stillstand bei der Rollenden Waldschule, kein „Wildschwein am Spieß“, keine Hubertusmesse, die Schießstände geschlossen… Selbst um das Jagdhorn-Bläsercorps ist es ruhig geworden. „Die können sich auch nicht mehr zum Üben treffen“, erklärt der Hegeringleiter. In Burscheid gebe es nur noch drei Aktive, die sich zwar auf sehr hohem Niveau befänden, aber ohne gemeinsame Proben auch nicht besser würden.

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Eigentlich stünde jetzt auch die Jahresversammlung des Hegerings an. Da wären auch Neuwahlen an der Reihe. Peddenbruch kündigt an: „Ich werde nicht wieder als Vorsitzender kandidieren.“ Dem Vorstand bleibe er gerne erhalten, aber die Leitung müsse ein anderes der rund 70 Mitglieder übernehmen.

Peddenbruch hat mit seinem Sohn Kai ein 400 Hektar großes Revier (davon 350 Hektar bejagbare Fläche) gepachtet. Darin wohnen die beiden auch. „Vergangene Woche konnte ich vom Schlafzimmerfenster aus die Schweine beobachten“, schildert der 66-Jährige. Und am Wochenende zogen hunderte Spaziergänger dort durch. „Völkerscharen“, sagt Peddenbruch.

An alle Waldspaziergänger hat der Waidmann eine Bitte: „Verlassen Sie die Wege nicht – auch nicht mit einem Mountainbike– und nehmen Sie Ihren Hund an die Leine.“ Viele kämen von außerhalb zu ihrer Erholung in die Burscheider Reviere gefahren.

Das Schönste an der Jagd ist für Horst Peddenbruch einfach zu benennen: „Das Beobachten!“ Draußen in der Natur zu sein, Augen und Ohren offen zu halten, sei immer etwas Tolles. Das Schießen sei nur ein kleiner Teil des Ganzen. Auch wenn der gelernte Metzger-Meister durchaus mit dem Wildbret etwas anzufangen weiß: Das Fernglas ist ihm bei seiner Passion wichtiger als die Schusswaffe.

Hegering

Der Hegering Burscheid versteht sich als Interessenvertretung der Burscheider Jägerschaft. Er ist zugleich Bindeglied zur Kreisjägerschaft Rheinisch-Bergischer Kreis und dem Landesjagdverband NRW. Derzeit hat er rund 70 Mitglieder. Viele Aktivitäten wie Stammtisch oder Rollende Waldschule ruhen aber wegen Corona.

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