Engagement

Corona erschwert die Hilfe am Amazonas

Nur noch dreieinhalb Kilo wog liliana, als ihre Mutter sie in die Klinik brachte. Foto: FKI
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Nur noch dreieinhalb Kilo wog liliana, als ihre Mutter sie in die Klinik brachte.

Dr. Bernhard Rappert setzt sich seit Jahrzehnten für indigene Völker in Südamerika ein.

Von Michael Corts

„Ich weiß nicht, was ich unserem Team am Rio Chambira sagen soll. Was uns coronabedingt noch erwartet und wie es weitergeht, steht in den Sternen.“ Dr. Bernhard Rappert klingt ratlos. Eine Eigenschaft, die den Internisten und Kardiologen aus Burscheid sonst überhaupt nicht auszeichnet. Denn eigentlich ist man ein durch und durch optimistischer Mensch, wenn man bereits seit fast 40 Jahren einen großen Teil seiner Kraft und Lebenszeit der Unterstützung indigener Völker in Südamerika widmet.

Mit großem Engagement hat Rappert den Freundeskreis Indianerhilfe (FKI, >Kasten) aufgebaut und als Vorsitzender und in vielen langen und schwierigen Reisen selbst aktiv dazu beigetragen, dass im peruanischen Amazonas-Tiefland eine Gesundheitsstation, die „Clinica Tucunaré“, aufgebaut wurde.

Selbsthilfe: Gesundheitshelfer werden ausgebildet

Seit 20 Jahren arbeiten dort Ärzte im Auftrag des FKI. Aktuell sind es Celina und Dirk Albanus aus Deutschland. Tagesweite Flussreisen nehmen die kranken oder verletzten Menschen vom Volk der Urarinas auf sich, um in der kleinen Klinik Hilfe zu erhalten.

Es sind häufig Schnittverletzungen und Schlangenbisse, die dort versorgt werden. Diagnostische Untersuchungen und Laborkontrollen sind ebenfalls möglich und oftmals die Grundlage für weitere Behandlung in einer größeren Stadt. Die Mediziner treffen auf eingeschleppte Infektionskrankheiten – und vor allem auf Malaria.

Wesentlicher Grundpfeiler der Unterstützung ist die Hilfe zur Selbsthilfe. Regelmäßig werden daher Gesundheitshelfer aus der Bevölkerung ausgebildet. Sie gehen dann später als „Barfußärzte“ in ihre Dorfgemeinschaften zurück.

Bernhard Rappert wollte eigentlich im April wieder als Supervisor an den Amazonas reisen. Das Coronavirus hat es verhindert. „Peru hat extrem strenge Regeln. Es gibt strikte Ausgangssperren und viele Verbote. Einkaufen wird sehr genau reglementiert. Private Autonutzung ist praktisch untersagt“ berichtet Rappert, und legt direkt nach, dass aber auch diese rigorosen Maßnahmen nicht gegriffen haben.

Die Menschen dort sind bettelarm. In den großen Städten leben viele in Slums und in bedrückender Enge. Es fehlt an jeglichem Schutzmaterial und die wenigen Krankenhäuser sind hoffnungslos überfüllt.

Rappert: „In manchen Regionen, so zum Beispiel auch im von Touristen beliebten Markt Belen in Iquitos findet sich durch die hohe Viruslast eine Durchseuchung von 95 Prozent“. Die Folge davon ist eine extrem hohe Sterberate. Darunter wiederum sind sehr viele Ärzte und Pflegepersonal.

Die indigenen Menschen an den Flüssen sind bislang noch nicht wissentlich erkrankt. Es gibt dort kaum offizielle Informationen und Anordnungen. Die Mitarbeiter der Klinik haben aber Flyer in der Urarinasprache verfasst und an einige zentrale Stellen verteilt. Die aufgeführten Maßnahmen werden dann per Funkradio weiter gegeben.

Aus Angst vor einer Infektion haben die Menschen dann die Flüsse nahezu abgeriegelt. Versorgungsboote, Benzinlieferungen für die Motorkanus, Medikamente und die im Schnitt alle drei Monate üblichen Besuche durch die Ärzte der Klinik sind jetzt ausgeblieben. Die Behandlungen und Impfungen können nicht stattfinden.

Aber: Durchfallerkrankungen und Ernährungsmängel haben natürlich nicht nachgelassen. Nur sind die Menschen jetzt auf sich alleine gestellt. Rappert weiß: „Wenn dann schwer Erkrankte sich mit tagelangen Märschen doch auf den Weg zur Klinik machen, kommen sie oft in einem erbarmungswürdigen Zustand dort an.“

„Wir machen weiter und sind dankbar für jede finanzielle Unterstützung.“
Dr. Bernhard Rappert

So wie die kleine Liliana auf unserem Bild. Durch eine Ernährungsstörung wog das sechsmonatige Mädchen nur noch 3,5 Kilogramm, als sie mit ihrer Mutter in der Klinik am Rio Chambira ankam.

Der Freundeskreis Indianerhilfe hat laut Rappert seine Hilfe ausgedehnt. In Iquitos, der größten peruanischen Stadt im tropischen Regenwald, hat der Verein eine kleine regionale Geschäftsstelle. Cesiah, die Mitarbeiterin dort, hält die Verbindung zur Klinik und regelt notwendige Evakuierungen von der Urwaldstation in die Stadtklinik. Nun hat sie auch noch mit ein paar Freunden aus ihrer Gemeinde die Verteilung von Nahrungsmittelpaketen an bedürftige Familien übernommen.

„Wir machen weiter und sind dankbar für jede finanzielle Unterstützung“ sagt Bernhard Rappert und gibt damit einem Zitat von Albert Schweitzer Ausdruck: „Mein Erkennen ist pessimistisch, mein Wollen und Hoffen optimistisch.“

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