Jahresrückblick

Corona bleibt auch im zweiten Jahr präsent

Zeitlos: Die Turmuhr der Evangelischen Kirche blieb im Frühjahr stehen: Das historische Uhrwerk ging nicht mehr. Archivfoto: Doro Siewert
+
Zeitlos: Die Turmuhr der Evangelischen Kirche blieb im Frühjahr stehen: Das historische Uhrwerk ging nicht mehr.
  • VonNadja Lehmann
    schließen

Jahresrückblick, erster Teil – So war das Frühjahr in Burscheid.

Burscheid. Wer hätte geglaubt, dass uns Corona so lange in seinen Fängen hält? Dass es das beherrschende Thema auch des Jahres 2021 war und ist, und, wie es aussieht, auch 2022 bleiben wird? Wir riskieren trotzdem einen Blick zurück in ein erneut besonderes Jahr und nehmen in unserem Jahresrückblick zum Auftakt die Monate Januar bis März in den Fokus.

Beschwingt im Schützenhaus ins neue Jahr tanzen? Das war 2021 genau so wenig möglich wie 2021. Stattdessen machte sich der Schützenverein, der zu diesem Zeitpunkt im Lockdown auch den Schießbetrieb komplett eingestellt hatte, selbst Mut und dankte seinen Mitgliedern für ihre Treue. Schützenkönig Nils Raddatz verlängerte seine Amtszeit; der Vorstand inspizierte täglich Schützenhaus und Nebenräume auf ordnungsgemäßen Zustand. Seine Anlage konnte der Schützenverein nicht mehr vermieten, traditionelle Feste fielen in Serie aus: Ein finanzieller Aderlass für den Verein, über den der Vereinsvorsitzende Michael Wehner da schon sagte: „Das sind beträchtliche Zahlen, die schwerlich wieder aufzuholen sind.“

Ganz anders als gewohnt präsentierten sich auch die Sternsinger. „Wir nehmen Rücksicht“, hieß es in einem Schreiben, das Diakon Reimund Scheurer mit einer Handvoll Helfer in den katholischen Haushalten Burscheids einwarf. Im Inneren des Umschlags: ein Aufkleber mit den vertrauten Initialen C+M+B+21. Der Segen der Sternsinger kam somit per Post und nicht durch den persönlichen Besuch an der Haustür.

Und auch beim Pendant, der Evangelischen Kirchengemeinde, war alles anders: „Mein Beruf hat sich komplett verändert“, sagte da Kirchenmusikdirektorin Silke Hamburger. Statt Gesang gab es nur noch die große Stille: Die Gemeinde musste wegen der gefährlichen Aerosole ebenso schweigen wie die Chöre.

Ganz berührende und bescheidene Helden kannte 2021 auch – wie Brigitte und Peter Kruppe. Nach dem frühen Krebstod ihrer Tochter Britta und ihres Schwiegersohns spendeten sie dem Palliativzentrum Leverkusen 12 000 Euro und unterstützten auch das Tierheim Wermelskirchen. Schließlich hatte Tochter Britta ihren Pudel Diego besonders geliebt. Dieser fand ganz selbstverständlich bei Kruppes in Burscheid sein neues Zuhause. „Es war ganz klar, dass wir den Kleinen behalten“, sagte Peter Kruppe damals.

Bergischer Geschichtsverein erinnerte an Grete Klippert

Für Förderunterricht und Hausaufgabenbetreuung hatte sie sich immer eingesetzt und die Geschichte ihrer Heimatstadt Burscheid mit Leidenschaft wach gehalten: Im Januar erinnerte der Bergische Geschichtsverein an Grete Klippert, die am 10. Januar 87 Jahre alt geworden wäre, und kurz zuvor im Dezember gestorben war. Sie galt als Kämpferin und als Vorreiterin, gehörte der ersten grünen Ratsfraktion an.

Bereits im Dezember 2020 hatte Kurt Lammert, Eigentümer und Geschäftsführer von Gut Landscheid und Klinik Wersbach, einen Test-Drive-In für Autofahrer installiert, den knapp tausend Menschen nutzten. Im Januar legte er nach: Da durften aber nur Wanderer kommen.

Sie war das erste waschechte Burscheider Baby des Jahres 2021: Leni mit ihrer Mama Michaela Fastenrath. Archivfoto: Fastenrath

Beim Ballspielverein 1911 Burscheid freuten sich die Aktiven: Ihr neues Vereinsheim, speziell für den BV konstruiert, war im Januar dank engagierter Mitglieder fast fertig: Am Dach wurde noch gewerkelt, die Innenarbeiten waren avisiert, Kabel für Strom und Wasser schon gelegt.

In Kontakt bleiben: Das war das Ziel von Marc Munz, Leiter des Kinder- und Jugendzentrum Megafon. Mit seinem Team startete er eine Aktion, die ins größte Bild Burscheids münden sollte. Dafür gab Munz kleine quadratische Leinwände aus, die bemalt und gestaltet werden konnten. „Wir wollen wissen, wie es den Kindern und Jugendlichen in Corona-Zeiten geht“, erklärte Munz. Persönliche Begegnungen waren zu diesem Zeitpunkt nur am „Offenen Fenster“ des Megafons möglich.

Nach 68 Jahren gab es einen neuen Hallenboden für die Hugo-Pulvermacher-Halle. Dort ging und geht nicht nur die Burscheider Turngemeinde ein und aus, die Halle wurde emsig genutzt – vom Schützenfest bis zu Gewerbeschauen. Für die Modernisierung hatte der Verein Fördermittel im Rahmen des Programms „Moderne Sportstätte 2022“ bekommen – in Höhe von rund 82 600 Euro.

Kreis sorgte mit seinen Plänen zur Kreisumlage für Ärger

Der Hauptausschuss schlüpfte Corona wegen in die Rolle des Stadtrats – und erstmals konnten sich interessierte Politiker via Zoom zuschalten. Die Sitzung hatte es schließlich in sich: Der Haushaltsplanentwurf 2021 wurde eingebracht, und im Vorfeld hatte die Ankündigung des Kreises, die Kreisumlage erhöhen zu wollen, für einen Aufschrei der Kommunen gesorgt. „Auf uns würden Mehrkosten von bis zu einer Million Euro zukommen“, hatte Bürgermeister Stefan Caplan erklärt. Seine Warnung: „Das könnte Burscheid das Genick brechen.“ Schließlich sollte und wollte die einst hochverschuldete Stadt den Haushaltsausgleich aus eigener kraft schaffen und damit den Rettungsschirm Stärkungspakt hinter sich lassen. Die kleine Leni Lou war das erste Burscheider Baby 2021: 3470 Gramm schwer, 52 Zentimeter groß: So erblickte die waschechte Burscheiderin im Januar das Licht der Welt.

Mitten in der Pandemie wächst die Diakonie: Susanne Vierkötter, Denise Andersen, Sonja Cholewa und Andreas Hasenclever freuen sich über drei neue Fachkräfte.

Mehr als vier Jahrzehnte war er im Rathaus tätig und galt als Institution: Ende Januar starb der frühere Kämmerer Bernhard Lentz.

Förderverein reichte Antrag für „Maker space“ ein

Einen Multifunktionsraum, einen „Maker space“ soll die Stadtbücherei bekommen. Dort soll es mit Coding-Workshops und Robotikkursen Richtung Zukunft gehen: Im Februar reichte der Förderverein der Stadtbücherei dazu seine Bewerbung beim EU-Förderprogramm Leader ein.

Mehrheitlich sprachen sich die Kommunalpolitiker im Februar dagegen aus, die Musikschule mit städtischen Mitteln zu unterstützen. Hintergrund: Die Rücklagen seien aufgebraucht, spätestens 2022 drohe das Aus, hatte Musikschulleiter Thomas Kinzel gewarnt. Bürgermeister Stefan Caplan brachte mit der Burscheid-Stiftung der Kreissparkasse Köln eine neue Idee ins Spiel. Voraussetzung für deren finanzielle Unterstützung sei allerdings ein externes Monitoring.

Im Gedenken an die Tochter: Peter und Brigitte Kruppe (mit Pudel Diego) spenden der Palliativstation Leverkusen und wollen so Mut machen. Archivfoto: Kruppe

Die Zeiger am Turm der Evangelischen Kirche standen still: Das historische mechanische Uhrwerk funktionierte nicht mehr richtig. Das Presbyterium hatte die Wahl zwischen Generalüberholung oder einem neuen elektronischen Uhrwerk. Die Entscheidung fiel auf Letzteres.

Spatenstich im Gewerbegebiet Straßerhof: Die Edelmann Group aus Heidenheim baut in Burscheid eine weitere Niederlassung, um dort ihre Standorte Leverkusen und Wuppertal zusammenzuziehen.

Die Feierstunde fand coronabedingt nur im kleinsten Kreis im Rathaus statt, die Freude war trotzdem groß: Burscheider des Jahres 2020 wurde das Team der Burscheider Tafel.

Der Ballspielverein ist happy: Sein neues Vereinsheim entsteht in Eigenregie. Anfang 2021 ist das Äußere so gut wie fertig.

Im März lud die Evangelische Kirchengemeinde erstmals wieder zu Präsenzgottesdiensten ein. Verein „Hilgen lebt“ ging auf Nummer sicher und entschied, auch 2021 auf das Brunnenfest zu verzichten.

Burscheid wurde doch nicht das neue Tübingen

Nach Negativ-Test alles machen wie gewohnt? Das machte im Frühjahr das schwäbische Unistädtchen Tübingen vor – und Burscheid hellhörig. Bürgermeister Stefan Caplan wandte sich an Ministerpräsident Armin Laschet und bewarb sich mit Burscheid als Modellkommune. Das klappte allerdings nicht.

Der Bergische Geschichtsverein gab eine neue Publikation heraus. Thema: Die „verschwundenen Häuser in Burscheid“. Daraus sollte ein veritabler preiswürdiger Erfolg werden – davon später mehr.

In der Diakonie-Sozialstation freute man sich: In Zeiten, wo Pflegekräfte ausgebrannt und überlastet in Scharen fliehen, war die Einrichtung an der Hauptstraße auf Wachstumskurs und stellte drei neue Fachkräfte ein.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Einbruch in Einfamilienhaus - Täter flüchten
Einbruch in Einfamilienhaus - Täter flüchten
Einbruch in Einfamilienhaus - Täter flüchten

Kommentare