BfB

Claudia Hagen wagt politischen Neuanfang

Fraktionschef Michael Baggeler freut sich: Mit Claudia Hagen hat sich die Zahl der BfB-Sitze im Rat auf neun erhöht.
+
Fraktionschef Michael Baggeler freut sich: Mit Claudia Hagen hat sich die Zahl der BfB-Sitze im Rat auf neun erhöht.
  • VonNadja Lehmann
    schließen

Ratsfrau wechselt von der SPD zum Bündnis für Burscheid.

Von Nadja Lehmann

Burscheid. Vielleicht hätte es schon viel früher etwas werden können mit Claudia Hagen und dem Bündnis für Burscheid (BfB). „Ihr habt mich ja nicht gefragt“, sagt sie kokett in Richtung des Fraktionsvorsitzenden. Und meint damit: Michael Baggeler hätte sie ruhig mal ansprechen können, damals vor vier Jahren. Da nämlich hatte Claudia Hagen beschlossen, dass sie Politik nicht länger passiv erleben, sondern lieber aktiv gestalten will.

Es war die Zeit, in der die Parteien vor Ort begannen, sich auf den Wahlkampf einzustimmen, auf 2020, auf Kommunal- und Bürgermeisterwahl. Und es war die SPD, die Claudia Hagen ansprach. „Ich habe den Wahlkampf mitgemacht“, erinnert sie sich an die Zeit, als Ralph Liebig Bürgermeister werden wollte. 2020 wurde Claudia Hagen die Vorsitzende des SPD-Ortsverbands.

Die Burscheider kennen die 56-Jährige als Geschäftsinhaberin

Vorbei. Heute sitzt Claudia Hagen mit Michael Baggeler im Pastor-Löh-Haus, in dem die Fraktionen ihre Büros haben. Sie hat die SPD verlassen und ist zum BfB gewechselt. Warum, darüber möchte Claudia Hagen am liebsten gar nicht sprechen. „Persönliche Gründe“, sagt sie dann nur. „Die Wege sind auseinandergegangen.“ Lieber sieht sie nach vorn, möchte etwas tun, sich einbringen. So wie es ihrem zupackenden temperamentvollen Wesen entspricht.

Die Burscheider kennen die 56-Jährige. Als Geschäftsfrau und frühere Inhaberin des „Lädchen“ in der oberen Hauptstraße. Dort, wo auch ihr Elternhaus ist. Und sie kennen sie als engagierte Ehrenamtliche bei den Kaltenherberger Heimatfreunden, wo sie Schriftführerin ist und organisatorische Fäden zusammenhält. Natürlich hat es auch Verbindung zu Michael Baggeler gegeben, sind sie doch beide Burscheider, wenngleich sie die Grundschulbank nicht gemeinsam gedrückt haben. „Als Benninghausener ging man nach Hilgen“, sagt Baggeler.

Im Mai, vor der Ratssitzung registrierte er, dass sich bei der SPD etwas tut, als er die Beschlussvorlagen studierte. Eine hatte nämlich zahlreiche Umbesetzungen zum Thema, ein großes Stühlerücken innerhalb der SPD. Und Claudia Hagens Name tauchte nicht mehr auf. „Da habe ich sie einfach gefragt, was los ist“, sagt Baggeler. Und habe signalisiert: Wenn du eine neue politische Heimat suchst. . .

Diese ist nun gefunden. Wer Claudia Hagen zuhört, merkt schnell: Sie ist keine, die vor Neuem zurückschreckt. Dosen hat sie schon verkauft, in der Praxis am Kaiserhof gearbeitet, ist mit einem Arbeitgeber nach Frankfurt/Main mitgegangen. Das Lädchen hat sie betrieben, hat in der Fietz-Gruppe gearbeitet und ist nun ganz frisch seit einem halben Jahr in der Verwaltung einer WG für Menschen mit Behinderung tätig, der „Oase“ in Bergisch Gladbach. „Ein Glücksfall“, sagt sie darüber. „Alles passt.“

Vielleicht müsse sie ab und an wechseln, sagt sie irgendwann im Gespräch. Dass ihr Offenheit wichtig sei und ihr gefalle, dass das BfB in ihren Augen kommunaler sei und nicht durch die Bundespolitik dominiert sei: „Das ist ein Riesenballon, der über einem schwebt“, sagt sie über die Bundes-SPD. Dabei war ihr Eintritt durchaus auch Herzenssache: „Mein Vater war SPD-Mitglied. Seine Mitgliedschaft endete erst mit seinem Tod. Er hätte nie etwas anderes gewählt.“

Baggeler und sie geraten ins Plaudern. Reden über die Stadt. Über den Wallace-Brunnen und seinen Vorplatz, an dem sich die Geister scheiden. Zu kahl, zu ungemütlich ist er manchen nach der Umgestaltung. „Der Platz ist aber belebter als früher“, sagt Baggeler und Hagen nickt. Sehen und gesehen werden – darum ginge es ja auch. Sie reden über Burscheids Ladenlokale und den Umbau der Montanusstraße. Dass 2025 eröffnet werden soll und Burscheid mit der dortigen Piazza hoffentlich einen schönen neuen Platz bekomme.

Sie sprechen über das Integrierte Entwicklungs- und Handlungskonzept, das oberer und mittlerer Hauptstraße schon zugute kam. „Es wäre fatal, wenn Kirchenkurve und Markt außen vor blieben“, sagt Baggeler. Diese waren in der Priorität nach hinten verschoben worden. Baggelers Sorge: Die Kosten liefen derzeit davon. „Und die Projekte im IEHK sind gedeckelt. Heißt: Wenn wir irgendwo mehr ausgeben, müssen wir an anderer Stelle einsparen.“ Beide erinnern sich gut an die Zeiten, als sich der gesamte Verkehr durch die Hauptstraße wälzte und von einer Umgehung keine Rede war. „Ich hatte keine Schallplatte ohne Sprung“, sagt Claudia Hagen, die dort aufwuchs. „Wenn da die Lkw entlangfuhren, wupp, sprang die Nadel hoch.“

Beim BfB fühlt sie sich gut aufgehoben, sagt die 56-Jährige. Ambitionen auf höhere Ämter habe sie nicht, sei derzeit Mitglied des Schul- und Sozialausschusses: „Stadtentwicklung wäre noch eine Option. Es interessiert wohl jeden Kommunalpolitiker.“ Am wichtigsten aber sei ihr die Freiheit, ihre Meinung sagen zu dürfen.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Auf Spurensuche: In Blecher gab es nur Hausnummern
Auf Spurensuche: In Blecher gab es nur Hausnummern
Auf Spurensuche: In Blecher gab es nur Hausnummern
„Ullas Nähstübchen“ ist schon auf Ostern eingestellt
„Ullas Nähstübchen“ ist schon auf Ostern eingestellt
„Ullas Nähstübchen“ ist schon auf Ostern eingestellt
Landwirte verschenken Bücher an Kita-Gruppen
Landwirte verschenken Bücher an Kita-Gruppen
Landwirte verschenken Bücher an Kita-Gruppen
Neuer Vorstand startet mit Elan in die Arbeit
Neuer Vorstand startet mit Elan in die Arbeit
Neuer Vorstand startet mit Elan in die Arbeit

Kommentare