Schulsozialarbeit

Christian Riehl hofft auf inhaltliche Kontinuität

Sein Büro bleibt, der Aufgabenzuschnitt hat sich für Christian Riehl jedoch verändert. Darüber berichtete er im Ausschuss. Archivfoto: Nadja Lehmann
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Sein Büro bleibt, der Aufgabenzuschnitt hat sich für Christian Riehl jedoch verändert. Darüber berichtete er im Ausschuss.

CDU wollte mehr über die Schulsozialarbeit wissen: Katholische Jugendagentur kam in den Ausschuss.

Von Nadja Lehmann

Für seine Schulsozialarbeit erhalte Burscheid weniger Geld als früher: Dieser kurze Satz, gefallen auf einer der vergangenen Sitzungen des Schul- und Sozialausschusses, hatte die CDU alarmiert und zu einem Antrag veranlasst. Man möge doch bitte Schulsozialarbeiter Christian Riehl einladen, damit dieser über seine Tätigkeit und dementsprechende Hintergründe berichte. Gesagt, getan: Christian Riehl kam, gemeinsam mit Referatsleiter Martin Schäfer, der beim Träger Katholische Jugendagentur die Regionalleitung für Oberberg und Rhein-Berg inne hat. Und dabei wurde deutlich: Riehls Arbeit hat einen anderen Zuschnitt erfahren. Hintergrund: Wurde die Schulsozialarbeit an Burscheider Schulen bisher aus Mitteln des Bundesteilhabegesetzes finanziert, ist diese Aufgabe nun mit Jahresbeginn ans Landesschulministerium gewandert.

„Früher lag der Schwerpunkt bei den Familien“, sagte Martin Schäfer in seiner Einleitung auf der Ausschusssitzung. „Als Berater für Bildung und Teilhabe war es meine Aufgabe, die Familien an Leistungen zu bringen“, bestätigt Christian Riehl im BV-Gespräch. „Nun wird das Ganze durch die neuen Richtlinien ganz klar an die Schule angedockt.“ Heißt: Die ursprüngliche Aufgabe, die Riehl für Burscheid und Odenthal wahrnahm, gibt es nicht mehr. Stattdessen teilt sich seine Stelle nun zu 45 Prozent auf die Schulsozialarbeit und zu 55 Prozent auf das Kommunale Integrationsmanagement auf. „Odenthal ist komplett raus“, sagt Riehl.

„Von der Arbeit her könnten wir noch zwei Leute brauchen.“

Christian Riehl, Jugendbüro

Auf Kontinuität hoffen indes sowohl Christian Riehl als auch Martin Schäfer. „Herr Riehl ist nach wie vor im Jugendbüro an der Bismarckstraße anzutreffen“, unterstrich Schäfer. Inhaltliches sei noch nicht festgezurrt. Aber: Nicht immer sei es das Gleiche, was ein Ministerium wolle und was die lokale Praxis vor Ort brauche. „Ich hoffe, dass ich so viele Strukturen wie möglich übernehmen kann“, ergänzt Christian Riehl.

Denn was es schon bisher gibt, darüber geriet Christian Riehl im Haus der Kunst ein bisschen ins Schwärmen – angefangen vom Kinder- und Jugendzentrum Megafon bis zu Angeboten wie „Get up!“, „Eat&Learn“ oder die Schulranzenaktion, die 2018 startete. „Es gab immer Familien, die keinen Schulranzen kaufen konnten. Und das Jobcenter übernahm das nicht“, berichtete Riehl. Schnell jedoch hätten sich damals Ehrenamtler gefunden, die eine Finanzierung auf die Beine gestellt hätten: „Wir haben die Familien dann direkt angesprochen. Die Kontakte hatten wir ja“, sagte Riehl. „Ich finde es super, dass es die Aktion auch 2022 wieder gibt.“ Überhaupt zeige sich Burscheid immer wieder von seiner „besten Seite“, beispielsweise als in der Pandemie den Schülern Endgeräte aufgrund von Lieferengpässen fehlten. Da seien Spenden in Form von Tablets und Druckern eingetrudelt. Fördern und Fordern lautet das Prinzip, dem „Eat&Learn“ folgt, und das Christian Riehl besonders mag. Er sammele die Kinder ein, man gehe einkaufen, koche gemeinsam im Megafon: Dann geben die Älteren den Jüngeren Nachhilfe.

Riehl ist es aber auch wichtig, dass Erholung und Freizeit nicht zu kurz kommen. „Manche Kinder sitzen mit acht Personen auf 50 Quadratmetern, die brauchen Bewegung.“ Bei Christian Riehl gibt es diese dann bei Radtouren Richtung Phantasialand, so geschehen 2021. Der große Traum für 2022: „Fünf Tage Paris. Mit Jugendlichen, die das niemals machen könnten.“ Er skizziert kurz, wie so mancher Lebenslauf aussieht: Die 14-Jährige, die für ihre kaum Deutsch sprechenden Eltern (nicht nur) Briefe übersetzen und schreiben muss. Der Junge, der dringend Nachhilfe braucht und wo sich der Antrag im Behördenwirrwarr verliert. „Für uns sind es manchmal nur Fünf-Minuten-Einsätze. Sie helfen den Menschen aber.“ Familien und Kinder zu ermutigen, Bildung und Teilhabe zu nutzen: Es ist Riehls großes Anliegen.

Und dass Corona seinen Tribut fordert, machte er ebenfalls deutlich: „Die Kinder sind aggressiver geworden und stellen das oftmals sogar selbst fest. Sie kommen dann und sagen: ,Ich werd so schnell böse.‘“ Vom Arbeitspensum her „könnten wir noch zwei weitere Leute brauchen“.

Kommunales Integrationsmanagement

„Wir haben lange darum gekämpft, dass wir eine ganze Stelle bekommen“, betonte Verwaltungschef Dirk Runge auf der Schulausschusssitzung. „Städte unserer Größenordnung kriegen nur eine halbe.“ Das landesweite Förderprogramm wird durch das Land finanziert. 2021 standen dafür rund 50 Millionen Euro zur Verfügung. Ziel ist, neu eingewanderten Menschen ein passgenaues Angebot zu machen, um ihre Integration zu erleichtern. Dafür sorgt das Case Management, das im Idealfall wie ein Katalysator wirken soll, um auch parallel laufende Herausforderungen (Arbeit, Wohnen, Schulbesuch, Gesundheit) zu bewältigen. Ein Kompendium auf häufig gestellte Fragen (FAQ) gab das Land jetzt im Februar heraus.

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