Evangelische Gemeinde

Chöre fangen wieder vorsichtig an, zu proben

Silke Hamburger hat „alles“ vermisst, wie sie bekennt: die eigenen Auftritte, ihre Konzertbesuche, vor allem aber das Miteinander. Archivfoto: Doro Siewert
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Silke Hamburger hat „alles“ vermisst, wie sie bekennt: die eigenen Auftritte, ihre Konzertbesuche, vor allem aber das Miteinander.

Am Pfingstmontag sind Kirchenmusikdirektorin Silke Hamburger und Matthäus-Chörchen mit dabei.

Von Claudia Radzwill

Ganz vorsichtig fange man wieder an, sagt Kirchenmusikdirektorin Silke Hamburger. Lockdownbedingt haben auch die Proben und Auftritte der Chöre und Ensembles in der Evangelischen Kirchengemeinde seit November nicht mehr stattgefunden. Im kleinen Rahmen in den Gottesdiensten zu singen, in kleiner Besetzung, das werde jetzt aber wieder öfter gehen, hofft Hamburger. Das habe für Audio-Aufnahmen in der Kirche bereits schon geklappt.

Die Aufnahmen waren als Online-Angebote über die Homepage der Gemeinde abrufbar. „Sechs bis zehn Mitglieder der Kantorei und der Chorgemeinschaft Burscheid haben hier miteinander gesungen – mit Abstand und getestet“, erzählt Silke Hamburger. Sie freut sich auch schon auf den Pfingstmontag. Dann werden einige Kinder des Matthäus-Chörchen erstmals seit Monaten wieder gemeinsam singen – unter freiem Himmel und auch unter Einhaltung der Corona-Schutzmaßnahmen.

„Es wird einen Wegegottesdienst geben mit verschiedenen Stationen, wo es drei Lieder gibt“, erklärt die Kantorin. Die Klavierbegleitung hat sie bereits aufgenommen. Diese werde per Bluetooth-Box eingespielt. Jetzt hofft Silke Hamburger inständig, dass das Wetter am Montag mitspielt.

Proben in der Corona-Pandemie stellt Chorleiter, Sänger und Sängerinnen im wahrsten Sinne des Wortes auf eine besondere Probe. Die Kinder des Matthäus-Chörchens hat Silke Hamburger auf der Online-Plattform Zoom getroffen. Es galt: „Ich halte das Mikro auf und spiele Klavier, ihr schaltet eure Mikros aus und singt.“ Jeder für sich. Denn: „Digital im Chor zu singen, geht wegen Verzögerungen in der Übertragung nicht.“ Aber man sehe sich, habe Spaß.

Auch mit den erwachsenen Sängern und Sängerinnen der Kantorei und der Chorgemeinschaft trifft sich die Kantorin regelmäßig über die Online-Plattform. Dann bereitet sie einen Vortrag vor – über einzelne Stücke, über Komponisten. „Es geht um das Sich-Annähern an ein Werk. Wie ist es aufgebaut, wie ist die Notenschrift, der Rhythmus?“, erklärt sie. Dank der technischen Möglichkeiten kann sie online den Bildschirm teilen, Partituren zeigen. Das sei sogar ein Vorteil an den digitalen Treffen, sagt sie. „Wir können uns sehr intensiv mit einem Stück beschäftigen.“ Auch zu „normalen“ Zeiten gebe es immer eine Einführung in neue Stücke, doch falle diese meist kürzer aus. Das Feedback auf die Zoom-Treffen sei sehr gut. „Wir können uns sogar vorstellen, dass wir das auch später beibehalten.“

Am 9. März 2020 gab es die letzte reguläre Probe mit Kantorei und Chorgemeinschaft in voller Besetzung. Das Datum hat Kantorin Hamburger nicht vergessen. 30 Mitglieder schalten sich im Schnitt zum Online-Treffen dazu. 50 aktive Chormitglieder gibt es. Silke Hamburger hält mit allen Kontakt. Per Online-Meeting, per E-Mail oder – ganz klassisch – am Telefon.

Chormitglieder vermissen das gemeinsame Singen

Nach nun mehr als einem halben Jahr vermissen viele Chormitglieder das gemeinsame Singen. Und Silke Hamburger weiß: „Die Technik verlernt man nicht. Aber es ist wie beim Sport: Wenn man die Stimme nicht trainiert, bricht auch mal ein Ton weg.“

Im Sommer 2020 hatten Chorleiterin, Sänger und Sängerinnen für ein paar Wochen die Proben wieder aufgenommen – coronagerecht in Kleingruppen. „Mit drei Gruppen hintereinander habe ich in der Kirche geprobt“, blickt Silke Hamburger zurück. Was die Kantorin selbst am meisten vermisst? „Alles“, sagt sie. Die eigenen Konzerte, die Proben. Sieben Gottesdienste hat sie seit März 2020 mit Solisten gestaltet. „Sonst habe ich 20 bis 30 Auftritte im Jahr.“ In erster Linie fehle ihr aber das Miteinander – mit den Chören, dem Ensemble, den Solisten, den Orchestern.

Sie besucht auch gerne selbst Konzerte. Auch das vermisst sie. „Musik muss man spüren. Eine Aufnahme auf CD kann die Live-Atmosphäre nicht ersetzen.“

Doch der Gesundheitsschutz gehe vor – und Silke Hamburger bleibt optimistisch. „Es zeichnet sich durch Rückgang der Inzidenzen und durch die Impfung eine Perspektive ab. Ein Silberstreif am Horizont, dass spätestens 2022 wieder Konzerte möglich sein werden.“

Hintergrund

Evangelische Gemeinde: Austritte gab es bisher nicht – weder bei den Chören noch in den Musikgruppen. Kirchenmusikdirektorin Silke Hamburger leitet auch den Blockflötenkreis „Flötenklang“– er hat sich seit Beginn der Pandemie nicht mehr getroffen. Das Kantatenorchester Musica Laudis, das sich aus Musikern aus Burscheid, Leichlingen und Opladen zusammensetzt, beginnt mit ersten Proben in Leichlingen.

Pfingstmontag: Der Rundgang um Dierath beginnt um 11 Uhr an der Grundschule. Anmeldung: katrin.friedel@kirche-burscheid.de

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