Wahl NRW 2022: Ergebnisse in Burscheid

Wahl in Burscheid: Gewinner und Verlierer, Glück und Enttäuschung

War mit seiner Familie ins Kreishaus gekommen: SPD-Direktkandidat Sebastian Lemmer mit Ehefrau Dana und den Kindern Lina, Laurin und Leonas.
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War mit seiner Familie ins Kreishaus gekommen: SPD-Direktkandidat Sebastian Lemmer mit Ehefrau Dana und den Kindern Lina, Laurin und Leonas.
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CDU holt in Burscheid 38,5 Prozent, Grüne 18,4 Prozent - 48,9 Prozent für CDU-Direktkandidat Herbert Reul.

Von Nadja Lehmann

Burscheid. Hendrik Wüst oder Thomas Kutschaty. Ein „Weiter so!“ oder ein Neuanfang. Im Kreishaus in Bergisch Gladbach ist die Frage rasch geklärt. Schon bei der ersten Prognose, die über den Bildschirm flimmert, reißen die Anhänger der Union die Arme hoch: Da liegt die CDU bei 35 Prozent, klar vor der SPD, viel deutlicher als es vorhergesagt worden war.

Lange war von einem Kopf-an-Kopf-Rennen die Rede gewesen. Landrat Stephan Santelmann bremst jedoch die Euphorie. „Das“, sagt der CDU-Politiker, „ist erstmal nur eine Prognose. Die Hauptsache ist, dass wir eine handlungsfähige Regierung haben.“
Den Wahlabend im Ergebnis-Ticker finden Sie hier.

Das Kreishaus füllt sich. Politiker und Politikerinnen aus dem Kreisgebiet sind gekommen, zum späten Abend wird auch Innenminister Herbert Reul (CDU) noch erwartet. Die Burscheider sind in der überwiegenden Mehrzahl jedoch in ihrer Stadt geblieben. „Wir wollten hier bei uns zusammen sein“, sagt Erika Gewehr. Die Vorsitzende des CDU-Ortsverbands ist gerade im Restaurant Korfu an der Höhestraße eingetroffen, dem traditionellen Treffpunkt der Christdemokraten nach einer Wahl. Fraktionsvorsitzender Dr. Hartmut Schepanski lässt noch auf sich warten: Er gehört im Wahllokal Altenzentrum mit zu den Helfern.

Burscheid hat gewählt. 38,5 Prozent entfallen auf die CDU; 22,8 Prozent auf die SPD. Die FDP holt 7,1 Prozent; die AfD 5 Prozent. Die Grünen bekommen 18,4 Prozent, die Linke 1,3 Prozent, die Basis 1,4 Prozent.

Bei den Erststimmen ist Herbert Reul (CDU) der große Gewinner. Der NRW-Innenminister, der in Leichlingen lebt, vereinigt 48,9 Prozent auf sich. SPD-Kandidat Sebastian Lemmer holt 22,6 Prozent. Dahinter folgen der Grüne Jürgen Langenbucher mit 15,5 Prozent und Carlo Clemens (AfD) mit 5,4 Prozent.

Der Wermelskirchener Marco Frommencord (FDP) bekommt 5 Prozent; Mike Galow von den Linken 1,6 Prozent, Simon Pugnaghi (Volt) 0,7 Prozent. Wahlberechtigt waren 14.016 Burscheiderinnen und Burscheider, gewählt haben gerade einmal 7409. Die Wahlbeteiligung liegt bei 52,8 Prozent.

Eine Zahl, die Sebastian Lemmer spürbar im Magen liegt. Der SPD-Direktkandidat ist mit seiner aus Burscheid stammenden Frau Dana und den Kindern Lina, Laurin und Leonas ins Kreishaus gekommen. Kurzfristig war der 40-Jährige für Heike Engels eingesprungen, nachdem die Burscheiderin ihre Kandidatur aus gesundheitlichen Gründen zurückgezogen hatte. „Wir müssen überlegen, wie wir die Menschen zur Wahlurne bringen. Einige meinen ja, es ändert sich durch eine Wahl nichts. Doch! Es ändert sich etwas, wenn man anpackt“, sagt er. Andere Menschen kämpften darum, wählen zu können und zu dürfen.

Der Wahlkampf aber habe ihm Spaß gemacht,, bekennt Lemmer. „Ich habe mich dafür auch nicht neu erfinden müssen. Wohnungsbau, der Ausbau vom Offenen Ganztag - das sind Herzensthemen von mir, die mir auch für mein Ratsmandat in Leichlingen wichtig sind.“ Dass es nun nicht für den Sprung nach Düsseldorf reicht, enttäusche ihn zwar, sagt Lemmer ehrlich. „Aber meine politische Arbeit werde ich auf jeden Fall fortsetzen.“

Ungebrochener Jubel herrscht bei Ute Hentschel vor. „Das Ergebnis ist super“, freut sich die grüne Ratsfrau und zitiert frei nach Franz Josef Strauß: „Uns ist es egal, wer unter uns Ministerpräsident wird.“ Eine moderne und zukunftsorientierte Politik, dafür stünden die Grünen: „Wir sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen“, sagt Hentschel. Sie nennt die Felder Energiewende und den Ausbau des Öffentlichen Nahverkehrs als nicht verhandelbare Themen: „Und das hatten wir schon vor 30 Jahren auf der Agenda.“

Ein weiteres Augenmerk müsse den Schulen gelten: „Die sind in einem miserablen Zustand.“ Für Burscheid erhofft sie sich einen Höhenflug auch für ihre Fraktion vor Ort. „Wir sind ja eine Rentnergang“, sagt sie selbstkritisch. Mit 57 Jahren zähle sie zu den jüngeren. Zwei Wahlgewinner gebe es, sagt Hentschel. „CDU und Grüne müssen als erste miteinander reden.“

Erika Gewehr bleibt da verhaltener. „Wir müssen noch abwarten, wie es sich mit der FDP entwickelt“, sagt sie mit Blick auf den bisherigen Koalitionspartner, für den erst am späten Abend feststand, dass es für den Einzug reicht.

Dass die CDU so triumphieren konnte, hat für Gewehr einen Namen: Herbert Reul“, sagt sie ohne Zögern. „Er war für viele Wählerinnen und Wähler der richtige Mann, gerade im Thema Sicherheit.“ Für Ministerpräsident Hendrik Wüst sei die Zeit zu kurz gewesen, sich zu profilieren. „Mit einem so klaren Ergebnis haben wir nicht gerechnet. Um so schöner, dass wir nun wissen, wo wir stehen.“

„Es ist gut, wenn wir unsere Arbeit wie bisher fortsetzen können“, sagt Dr. Hartmut Schepanski.

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