Caplan: „Die aktuellen Regeln reichen nicht aus“

Bürgermeister Stefan Caplan ist für eine Maskenpflicht im öffentlichen Raum. Archivfoto: Stadt Burscheid
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Bürgermeister Stefan Caplan ist für eine Maskenpflicht im öffentlichen Raum. Archivfoto: Stadt Burscheid

Dem Bürgermeister bereiten die stetig steigenden Infektionszahlen Sorge

Von Stephan Eppinger

Wie beurteilen Sie die aktuelle Corona-Lage?

Stefan Caplan: Sorgen bereiten mir die stetig steigenden Zahlen, die auf Kreisebene ermittelt werden. Lange Zeit waren wir unter zehn Neuinfektionen pro Tag, jetzt sind wir täglich über 100. Die Zahlen entwickeln sich in eine falsche Richtung und mit den aktuellen Maßnahmen bekommen wir da „keinen Deckel drauf“. Alleine an diesem Montag hatten wir in Burscheid 13 Neuinfektionen – so viel wie noch nie seit dem Beginn der Pandemie. Wir hatten außerdem gerade den ersten Todesfall, über den ich sehr bestürzt bin, auch wenn ich aus Datenschutzgründen natürlich keine Details kenne. Aber man merkt, wie nahe einem das Ganze geht.

Welche Auswirkungen hat dies auf das öffentliche Leben in der Stadt?

Caplan: Welche Maßnahmen getroffen werden, entscheidet das zuständige Gesundheitsamt auf der Kreisebene. Wir bekommen das dann als Allgemeinverfügung. Nach meiner persönlichen Einschätzung reichen die aktuellen Regeln nicht aus, da muss noch mehr kommen. In Burscheid sind fast alle öffentlichen Veranstaltungen abgesagt worden. Ausnahmen sind bislang zum Beispiel der Martinspark am 7. und 8. November und die Kinderkultur. Auch Weihnachtsmärkte, die es bei uns in einer eher kleinen Größenordnung dezentral gibt, sind derzeit nicht angedacht.

Was besorgt sie derzeit am meisten?

Caplan: Ich finde es schlimm, dass das gesellschaftliche Miteinander in der gewohnten Form aktuell wegen der Pandemie nicht mehr möglich ist. Darunter leiden gerade ältere Menschen. Besuche sind aktuell nicht möglich, weil man die Risikogruppe schützen muss. Ich merke das auch im Familienkreis- Wir hatten gerade wieder mit den Treffen angefangen – auf der Terrasse mit Abstand. Das ist jetzt im Herbst nicht mehr machbar. Wir hatten vonseiten der „Zukunftsinitiative“ auch darüber nachgedacht, älteren Menschen einen „Kaffeeklatsch“ in ausreichend großen Räumen anzubieten. Aber nach den Entwicklungen der vergangenen Tage müssen wir auch dieses Vorhaben noch einmal neu denken. Nicht nur die älteren Leute leiden unter der Einsamkeit. Auch Jugendliche haben es schwer, weil Treffen untereinander aktuell nicht mehr so funktionieren können, wie junge Menschen sich das vorstellen. Das ist für einen kurzen Zeitraum akzeptabel, dauert dieses aber länger, wird es für alle schwierig und kann auch langfristig negative Wirkungen haben.

„Die Menschen in unserer Stadt leben sehr verantwortungsvoll.“

Wie kann die Stadt Treffen im privaten Raum steuern?

Caplan: In Räumlichkeiten, die – wie zum Beispiel die Trauerhalle – im Eigentum der Stadt sind, gibt es gewisse Möglichkeiten der Steuerung. Da können wir die Besucherzahlen, wenn es durch das Infektionsgeschehen notwendig wird, entsprechend heruntersetzen. Auch wenn es um die Aktivitäten der Musikvereine in unseren Räumen geht, haben wir – zum Beispiel beim Musikunterricht – Einfluss. Ein wichtiger Bereich sind die Sportveranstaltungen, wo wir die Besucherzahlen entsprechend festlegen müssen. Aber aktuell ist es so, dass wohl der gesamte Handballbetrieb unterhalb der 3. Liga eingestellt wird – eine der wichtigen Sportarten in Burscheid.

Wie verhalten sich die Menschen in Burscheid in Bezug auf die Corona-Regeln?

Caplan: Unsere Stadt hatte lange und auch jetzt bei den Infektionszahlen die niedrigsten Werte im gesamten Kreisgebiet. Die Menschen in unserer Stadt leben sehr verantwortungsvoll und halten sich meist an die Regeln. Wir haben deshalb in Burscheid auch bisher nie einen sogenannten „Hotspot“ gehabt. Da muss ich den Bürgern ein großes Kompliment machen.

Was wäre jetzt Ihr Appell an die Bürger in Burscheid?

Caplan: Jeder ist jetzt gefordert weiter verantwortungsvoll zu handeln, damit die steigenden Infektionszahlen ausgebremst werden können. Jetzt geht es um das gesellschaftliche Miteinander und darum, Verantwortung für sich selbst und für seine Mitmenschen zu übernehmen. Wir müssen strikt die AHA-Regeln beachten: Abstand halten, Hygiene berücksichtigen und eine Alltagsmaske tragen. Wichtig wäre auch, dass jeder seine eigenen Kontakte notiert und damit im Fall einer Infektion das Gesundheitsamt bei der Nachverfolgung unterstützt. Hier ist jetzt Eigenverantwortung gefragt.

Rechnen Sie mit einem zweiten Lockdown?

Caplan: Das ist sehr schwer vorherzusagen, aber es sollte im Interesse aller sein, ein zweites Herunterfahren zu verhindern. Das hätte vor allem fatale Folgen für die Wirtschaft. Aber ob wir das wirklich verhindern können, da bin ich mir nicht sicher. Die Gesundheit und ein funktionierendes Gesundheitswesen stehen über allem. Sicher bin ich mir, dass, wenn wir das verhindern wollen, die aktuellen Maßnahmen nicht ausreichen. Man sollte zum Beispiel eine Maskenpflicht für den gesamten öffentlichen Raum einführen und nicht nur für Fußgängerzonen und einzelne Einkaufsstraßen.

Wie stehen die Wirtschaft und der Einzelhandel in Burscheid da?

Caplan: Das, was durch das Herunterfahren im Frühjahr passiert ist, hat die lokale Wirtschaft sehr mitgenommen und beeinträchtigt. Käme es jetzt zu ähnlichen Maßnahmen, würde es die Wirtschaft und den Einzelhandel wieder hart treffen und das wohl mit weniger Rücklagen als im Frühjahr. Allerdings hat die Wirtschaft genauso wie die Behörden Erfahrungen sammeln können, die ihr jetzt zugutekommen. Man weiß, wie man zum Beispiel einen Schichtbetrieb oder das Homeoffice organisiert, aber auch, wie man trotzdem noch Umsätze tätigt. Auch das Problem bei der Beschaffung von Masken und Schutzanzügen stellt sich inzwischen nicht mehr dar. Und beim Betrieb im Rathaus haben wir mit den vorab vereinbarten Terminen für die Bürger und dem Vermeiden von Wartezeiten vor Ort deutlich zukunftsorientierter organisiert.

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