Burscheids Grüne sehen sich in der Verantwortung

Sabine Wurmbach ist Fraktionsvorsitzende der Burscheider Grünen. Im neuen Stadtrat haben sie sieben Sitze.Archivfoto: Nadja Lehmann
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Sabine Wurmbach ist Fraktionsvorsitzende der Burscheider Grünen. Im neuen Stadtrat haben sie sieben Sitze.Archivfoto: Nadja Lehmann

Ob auf Bundes- oder Landesebene: Es läuft derzeit rund

Von Nadja Lehmann

Gerade eben erst traute sich Robert Habeck im Gespräch mit dem großen Hamburger Nachrichtenmagazin die Kanzlerschaft zu. „Diese Prüfung würde ich für mich bestehen“, ließ er wissen. Ein Grüner als Kanzler? Oder als Kanzlerin? Schließlich gibt es als äußerst ernstzunehmende Alternative ja noch Annalena Baerbock. Wer hätte dies, als sich 1980 in Karlsruhe eine neue Partei formierte, deren Mitglieder vor allem als strickend und Müsli essend wahrgenommen wurden, für möglich gehalten?

Und jetzt? Gewinnen sie in Aachen, der Heimatstadt von Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) die Wahl, stellen nach der Stichwahl Ende September dort ebenso den Rathauschef wie in Rösrath, Bonn und Wuppertal. Bei den Grünen läuft´s gerade rund.

„Wir sind in der Fläche angekommen.“

Sabine Wurmbach

„Seit ungefähr zwei Jahren“, nickt Sabine Wurmbach. Seitdem nahmen die heißen Sommer, die den Klimawandel deutlich werden ließen, zu, und die Jugend schrie als „Friday for future“ ihren geballten Zorn heraus. „Es ist eine bestimmte Stimmung. Da muss etwas passen“, sagt Wurmbach, Fraktionsvorsitzende der Burscheider Grünen. Und wie Rösrath, in dem Grünen-Kandidatin Bondina Schulze die Sensation perfekt machte und das Rathaus eroberte, zeigt, sind die Grünen längst nicht mehr allein in den Großstädten erfolgreich: „Wir sind in der Fläche angekommen“, fasst Wurmbach zusammen. „Wir rücken stärker in die bürgerliche Mitte.“ Auch wenn die Grünen im Burscheider Stadtrat künftig statt der vorher vier nun sieben Sitze haben werden und im Kreistag sich gar von acht auf sagenhafte 17 Sitze steigerten – mit Triumphgesten hält sich Sabine Wurmbach nicht lange auf. „Ich verstehe das als eine Erwartung der Menschen an uns. Das ist ein Vertrauensvorschuss. Erfolg bedeutet Verantwortung. Wir haben jetzt zu liefern.“ Liefern wollen die Burscheider Grünen vor allem mit „Egon“, der künftigen Energiegenossenschaft Burscheid eG (Egon), die die Grünen gründen und bei den Stadtwerken ansiedeln wollen. Eine Idee, die auch bei den übrigen Fraktionen auf Wohlwollen stieß. Allerdings signalisierten sie Beratungsbedarf; das Thema wird im nächsten Umweltausschuss neu debattiert. Zum energetischen Programm der Grünen gehören auch Ladesäulen für E-Fahrzeuge an öffentlichen Plätzen für jedermann. Eine kostenlose Solarthermie-Beratung haben sie schon auf die Beine gestellt. „Wir wollen etwas vor Ort machen“, betont Wurmbach. Sie wünscht sich zudem die Schnellbuslinie nach Köln und will sich neben Nachhaltigkeit, Mobilität und Klimawandel der Digitalisierung zuwenden. Im Fokus hat sie dabei die Schulen sowie die Verwaltung der Stadt. „Da hinken wir weit hinterher.“

Viele grüne Themen sind inzwischen Konsens im politischen Mainstream, sind selbst in die Programme der Konservativen geflossen. „Es gibt Probleme, die kann man nicht wegdiskutieren“, sagt Wurmbach. „Verkehr, Klima, Strom – und den Hambacher Forst haben wir vor der Haustür.“ Zwar habe Covid-19 dazwischengefunkt und dem grünen Aufstieg einen kurzfristigen Dämpfer verpasst, aber: Die Zeit für grüne Anliegen sei reif, urteilt die Fraktionschefin. „Wir Grüne müssen zeigen, dass wir im Hier und Jetzt angekommen sind – und ein bisschen im Morgen.“

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