Erntedank

Burscheids Gläubige trotzen dem Herbststurm

Der Tisch ist mit Gaben reich gedeckt: In ihrer Predigt rückte Pfarrerin Annerose Frickenschmidt das in Corona-Zeiten so wichtige Miteinander in den Mittelpunkt. Foto: Doro Siewert
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Der Tisch ist mit Gaben reich gedeckt: In ihrer Predigt rückte Pfarrerin Annerose Frickenschmidt das in Corona-Zeiten so wichtige Miteinander in den Mittelpunkt.

Evangelische Gemeinde feierte ihren Erntedank-Gottesdienst unter freiem Himmel in Sieferhof

Von Ursula Hellmann

Rund 30 gescheckte Kühe unterbrachen am Sonntagvormittag ihr Grasen und hörten aufmerksam zu, als die melodischen Töne der neun Posaunen über ihre Wiese klangen. Zum vierten Mal feierten die evangelische Kirchengemeinde Burscheid und Hilgen unter Leitung der Pfarrerinnen Kathrin Friedel und Annerose Frickenschmidt gemeinsam ihren Erntedank-Gottesdienst auf der Wiese hinter dem Sieferhof 1.

Exakt zum feierlichen Beginn um 11 Uhr hatte der scharfe Wind die Regenwolken vertrieben. So fanden die etwa hundert Besucher genügend Platz, um sich vorschriftsgemäß auf dem Gelände zu verteilen. Der 30-minütige Gottesdienst war als Veranstaltung im Stehen konzipiert - lediglich für einige Bedarfsfälle waren Stühle vorhanden. Der ungehinderte Wind machte dann allerdings in der Kommunikation zwischen Publikum und Sprechern einige Probleme. Auch wenn die Mikrofone nach jeder Ansage desinfiziert wurden, kamen die Informationen bei den meisten Zuhörern nur bruchstückhaft an.

„Es lässt sich beobachten, dass vermehrt aufeinander geachtet wird.“

Annerose Frickenschmidt, Pfarrerin

Ins geraffte Programm waren auch zwei Jugendliche und zwei Damen eingebunden. Melina Ilgen trug ihre Dank-Verse zweimal vor - in der Hoffnung, dass ihre Stimme über die ersten Reihen hinaus zu hören sei. Auch Louisa Radke tat ihr Bestes, um ihre Textblätter am Abflug zu hindern.

Nicht viel anders ging es Scarlet Schneider und Susanne Tödter. Die beiden Presbyterinnen konnten an den mitgebrachten Symbolen Ähre und Brot ihr Lob auf den Geber aller Gaben zumindest zeichenhaft klarmachen.

Der rustikale Altartisch, geschmückt mit Erntegaben und Blumen in allen Farben, stand im Mittelpunkt. Zwei Holzpaletten als Predigtplattform ergänzten das Bild. Kurt Berger und seine Auswahl vom CVJM-Posaunenchor gaben auch diesmal durch ihre Musik dem Fest-Gottesdienst auf ihre besondere Weise die feierliche Note.

Pfarrerin Annerose Frickenschmidt fand in ihrer Kurzpredigt klare Worte zum gewählten Motto „Zusammenstehen“. „In dieser Zeit der Herausforderungen haben viele Menschen die Vielfalt und Schönheit der Natur neu entdeckt. Noch eindrücklicher wurde ihnen bewusst, wie sehr einer den anderen braucht, um die Lücken im emotionalen Bereich zu füllen. Der gedankenlose Umgang mit dem, was Leben bedeutet, ist nicht mehr oberstes Prinzip. Es lässt sich beobachten, dass vermehrt aufeinander geachtet wird - und das auf viele individuelle Weisen.“ Pfarrerin Kathrin Friedel ermutigte alle Gottesdienstteilnehmer, das bekannte Erntedanklied von Matthias Claudius, „Wir pflügen und wir streuen den Samen auf das Land“, mitzusingen. Die große Weide mit ihren weiten Distanzen ließ diese gute Lösung durchaus zu.

Am Ausgang des „Natur“-Gottesdienst-Raums konnten die Besucher noch etwas schmecken von der Fülle, die unser Gebiet allen anbietet. Ein kleines Stück leckeres dunkles Brot gab es als „Wegzehrung“ zu kosten. Julia und Frank Paas als Gastgeber fanden auch Dankesworte für das Erntejahr, trotz der sommerlichen Trockenperiode. „Was wir an Winterfutter lagern konnten, ist deutlich weniger als in vorigen Jahren. Darum freuen wir uns umso mehr und sind dankbar, dass in den letzten Tagen unser typisch bergisches Herbstwetter wieder eingezogen ist. Das frische Grün lässt uns hoffen auf eine zusätzliche Mahd.“

Wie positiv Anwohner sowie Ortsfremde auf das Angebot des Sieferhofs reagieren, schilderte Frank Paas im Anschluss. „Wir sind immer noch angenehm überrascht, wie aktiv unsere Milch-Tankstelle genutzt wird. Da der Automat rund um die Uhr zur Verfügung steht, kommt es sogar vor, dass mitten in der Nacht der Zapfhahn betätigt wird. Das hat uns ermutigt, einen Automaten zu installieren, der ebenfalls 24 Stunden in Betrieb ist und nestfrische Eier im Vorrat hält.“

Hintergrund

Regeln: Auch für diesen Gottesdienst unter freiem Himmel waren Anmeldezettel vorgeschrieben. Bei starkem Regen hätte die Scheune als Ausweichraum gedient, dann aber mit weniger Besuchern.

Motto: „Wir wollen Erntedank feiern und dafür im wörtlichen und auch im übertragenen Sinne des Wortes »zusammenstehen«, hatte Pfarrerin Annerose Frickenschmidt vorab erklärt. „Ein Erntedank ohne ein Bewusstsein unserer Verantwortung für die Schöpfung ist nicht denkbar.“

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