Glaube

Burscheids Gemeinden setzen auf den Dialog

Ehrenamtlerin Hannelore Kaiser erklärte in Sankt Laurentius den Besuchern die Bilder
+
Ehrenamtlerin Hannelore Kaiser erklärte in Sankt Laurentius den Besuchern die Bilder.

Interreligiöse Nacht der offenen Türen fand nach vier Jahren wieder statt.

Von Tanja Alandt

Nach vier Jahren fand am Freitag wieder die interreligiöse Nacht der offenen Türen statt. Durch die Pandemie musste lange auf die gemeinsame Veranstaltung der christlichen Gemeinden und der türkisch-islamischen Gemeinde in Burscheid gewartet werden. Alle zwei Jahre wird sonst zu dieser eingeladen. Umso mehr genossen die Interessierten verschiedener Religionen an diesem Abend den gemeinsamen Austausch über die verschiedenen Riten und Bräuche ihres Glaubens.

Bekennende Musliminnen und Muslime besuchten unter anderem die Katholische Gemeinde in der Pfarrkirche St. Laurentius und erfuhren von den beiden Ehrenamtlerinnen Hannelore Kaiser und Heike Velsch viel über das Weihwasser oder das Tabernakel, worin die Hostien aufbewahrt werden. Die Gemeinde lud außerdem zu einer mystagogischen Kirchenführung ein, bei der zudem die Bilder des Taufbeckens gedeutet wurden.

Anschließend gingen Christen zu der Moschee der Türkisch-Islamischen Gemeinde und schauten beim Gebet des Imams zu. Hasan Hüseyin Güneyli zeigte den Koran und beantwortete ihre Fragen.

„Ich finde schön, sowas zu erleben und finde es sehr gut, dass ein direkter Austausch mit dem Imam möglich ist. Das ist hilfreich und fördert das gegenseitige Verständnis“, sagte Besucher Dr. Johannes Schrage. Zum dritten Mal besuchte er bereits die Nacht der offenen Türen und freute sich auf die nächsten beiden Stationen, bis der Abend nach mehr als vier Stunden endete. Denn erst gegen 23 Uhr gingen die Letzten nach dem Imbiss nach Hause.

Die Hauptkoordinatorin der Veranstaltung, Pfarrerin Annerose Frickenschmidt von der Evangelischen Gemeinde war zufrieden, dass bis zur letzten Station etwa 30 Gäste zusammensaßen und gute sowie angeregte Gespräche führten.

„Das ist hilfreich und fördert das Verständnis.“

Besucher Dr. Johannes Schrage

Besonders anrührend fand die Pfarrerin die Reaktion des langjährigen Vorstandsvorsitzenden der türkisch-muslimischen Gemeinde Ibrahim Dindar bei einem Rundgang auf das Antependium: „Für mich ist das Boot die Welt. Wenn einer ein Loch in das Boot macht, leiden alle. Wir müssen alle zusammen gut auf das Boot aufpassen!“, sagte er beim Anblick dieses bestickten festen Tuches, das ein Boot mit einem Kreuz darstellt. „Diese Aussage hat auch meiner Kollegin Katrin Friedel und Kirchenmusikdirektorin Silke Hamburger gefallen“, berichtete sie. Diese hatten die Andacht in der Evangelischen Kirche am Markt gestaltet.

Eine Premiere gab es für den neuen Pastor der Freikirchlich-Evangelischen Gemeinde, Philipp Herrmannsdörfer: Er gestaltete die Andacht zum ersten Mal und habe sich mit der für ihn unbekannten Veranstaltung gleich wohl gefühlt, wie er sagte. Seit einem halben Jahr ist er nun dabei.

Zu den einzelnen Stationen konnten die Gäste einen Bürgerbus nutzen. Dieser wurde vom Evangelischen Altenzentrum Luchtenberg-Richartz-Haus gestellt und vom Bürgerbusverein Burscheid unterstützt. Fahrer war der Vorsitzende, Hans-Joachim Scheurlen: Die Nachtschwärmer waren ihm für diesen Service sehr dankbar.

Leider habe aus organisatorischen Gründen die griechisch-orthodoxe Kirche dieses Mal nicht teilnehmen können. „Sie wurde von allen sehr vermisst“, sagte Annerose Frickenschmidt.

Hintergrund

Vor 15 Jahren fand die Nacht der offenen Türen zum ersten Mal statt. Die Idee entstand bei einem ökumenischen Frühstück, bei dem sich Geistliche trafen und die Idee einer interreligiösen Nacht – zusammen mit der türkisch-muslimischen Gemeinde sowie der griechisch-orthodoxen Gemeinde entwickelten. Die Kirchen und Moscheen stellen an diesem Abend vor, was typisch für ihren Glauben ist, und beantworten Fragen. Eine Synagoge oder eine buddhistische Gemeinde gibt es in Burscheid nicht.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Betrunkener will vor Polizei flüchten
Betrunkener will vor Polizei flüchten
Betrunkener will vor Polizei flüchten

Kommentare