Klima

Burscheids Brunnen liegen auf dem Trockenen

Sprudeln kann der Brunnen in Hilgen derzeit nicht mehr.
+
Sprudeln kann der Brunnen in Hilgen derzeit nicht mehr.

Französisches Schmuckstück: Paris feiert 150 Jahre Wallace-Brunnen – Burscheids Exemplar steht an der Hauptstraße

Von Anja Wollschlaeger und Nadja Lehmann

Burscheid. Hitzerekorde in Burscheid, doch die Springbrunnen bleiben trocken. Die Ursachen sind unterschiedlich – ein Überblick.

Wallace-Brunnen: Der sogenannte „Wallace-Brunnen“ auf dem Vorplatz der Kreissparkasse Hauptstraße/Ecke Bürgermeister-Schmidt-Straße sprudelt in diesem Sommer nur unregelmäßig. Der Wasserstrahl, der sich zwischen den Figuren unter der Kuppel ins Innere des Brunnens ergießt, ist ins Stocken gekommen. Den Grund nennt Irmtraud Vorkauf, Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins, der den Brunnen betreibt: „Es gibt ein Problem an der Elektrik. Die zuständigen Vereinsmitglieder sind auf der Suche nach dem Fehler.“ Wasser und Strom für seinen Betrieb werden von der Kreissparkasse gesponsert. Dennoch bringt die Vorsitzende Überlegungen ins Spiel: „Wir sollten darüber nachdenken, ob so ein Springbrunnen angesichts der Aufrufe zum Stromsparen noch zeitgemäß ist.“

Schmuckstück Wallace-Brunnen: In Paris feiert er 150-jähriges Bestehen, in Burscheid bleibt er trocken.

Schade wäre es um diesen besonderen Brunnen, der doch beweist, dass Burscheid eigentlich an der Seine liegt. Jedenfalls ein bisschen. Denn die Wallace-Brunnen sind ein echtes Stück Paris und das Burscheider Exemplar eines der wenigen seiner Art außerhalb Frankreichs, in der sogenannten „Großen Ausführung“. Zu verdanken sind die Brunnen dem britischen Philantropen Sir Richard Wallace, der die große Ausführung selbst entwarf: Auf einem Sockel stehen vier sich den Rücken zuwendende Karyatiden und stemmen eine mit Delfinen dekorierte Kuppel in die Höhe. Ihre Aufgabe: die durstiger Pariser mit Trinkwasser zu versorgen. Das tut das Burscheider Exemplar zwar (bisher) nicht, aber: Umweltministerin Steffi Lemke will angesichts zunehmender Hitze Städte und Kommunen verpflichten, neue Trinkwasserbrunnen aufzustellen.

Ebenso trocken ist der Herminen-Brunnen.

Paris ist da weiter. Die französische Hauptstadt feiert gerade ihre Wallace-Brunnen: Es gibt sie seit genau 150 Jahren. Der erste der von Sir Richard Wallace gestifteten Brunnen wurde im Sommer 1872 am Boulevard de la Gillette installiert und ans Trinkwassernetz angeschlossen. Ende September wird das in Paris groß gefeiert. Übrigens: Das Pariser Stadtbild prägen sie ganzjährig, den Durst löschen die Trinkwasserspender aber nur von März bis November.

Hilgener Brunnen: Der Brunnen an der Ecke Kölner- und Witzheldener Straße wurde 2008 eröffnet. Aktuell ist er bis auf unbestimmte Zeit stillgelegt. Das bestätigt Waltraud Küpper vom Verein „Hilgen lebt“. Sie sagt: „Das ist sehr traurig, und wir würden ihn auch gerne wieder plätschern lassen.“ Doch der Initiative seien die Hände gebunden. Denn die Wasseruhr im leerstehenden und auf seinen Abriss wartenden Hotel Heyder ist demontiert, der Brunnen seitdem trocken. An der Kreuzung will Lidl bauen: ein mehrgeschossiges Gebäude, das Discounter, Café und ambulante betreute Wohngruppe kombiniert. Im Sinne des Vereins ist es, den Brunnen dann weiter in Hilgen sprudeln zu lassen, so Küpper. In dem Bereich gab es bis 1955/56 einen Brunnen mit darunterliegender Quelle, berichtete Heimathistorikerin Marie-Luise Mettlach einst im Bergischen Volksboten.

Herminenbrunnen: Seit längerem ist auch der Herminen-Brunnen in der unteren Hauptstraße abgestellt. Aus dem Findling plätscherte ab 1989 Wasser. Namensgeberin ist die damalige Eigentümerin des Grundstücks, Hermine Nikolau, die den Älteren noch als frühere BV-Fotografin bekannt sein dürfte. Sie hatte den 18 Meter tiefen Brunnenschacht vor ihrem Haus anlässlich der Straßenrenovierung im März 1989 öffnen lassen. Dort fanden sich alte Kriegsgewehre. Gesichert wurde der Schacht mit dem Findling. Die Burscheider Fotografin hatte den Brunnen, als sie dort noch wohnte, auf eigene Kosten sprudeln lassen.

Rosenbrunnen: Hinter dem Pastor-Löh-Haus fristet seit 1983 eine Bronzeskulptur ein Schattendasein. Wie Barbara Sarx-Jautelat vom Bergischen Geschichtsverein vermutet, könnte Ernst Kunst der Urheber gewesen sein. Es handelt sich um eine Rose, die beim Neubau der früheren Friedrich-Goetze-Schule im Jahr 1964 (heute Montanusschule) auf dem Schulgelände installiert wurde und mit Wasserversorgung sprudelte. Mit der Umgestaltung des Vorplatzes der Schule und Errichtung von Parkplätzen wurde die Rose 1983 versetzt. Renate Bergfelder-Weiss, Sprecherin der Stadt Burscheid, erklärt: „Aus Kostengründen wird sie schon viele Jahre (wir gehen von etwa 40 Jahren aus) nicht mehr mit Wasser gespeist.“ Der Brunnen ist in städtischem Besitz.

Alter Friedhof

Der Waschbetonbrunnen ist im Zuge des Umbaus des Alten Friedhofs zum Innenstadtpark West demontiert worden. An seine Stelle soll eine Wasserstelle zum Erfrischen und Spielen treten. Ab Herbst soll ein beleuchtetes Fontänenfeld an warmen Tagen zum Spielen einladen. Es stehen noch Arbeiten an der Stromversorgung aus. Bis der Rollrasen in dem Bereich angewachsen ist, bleibt der Bereich gesperrt.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Gebürtiger Burscheider: Günter Wallraff wird heute 80
Gebürtiger Burscheider: Günter Wallraff wird heute 80
Gebürtiger Burscheider: Günter Wallraff wird heute 80
Am Kino traf sich einst die Jugend der Stadt
Am Kino traf sich einst die Jugend der Stadt
Am Kino traf sich einst die Jugend der Stadt
Brunnenfest erlebt fröhliche Neuauflage
Brunnenfest erlebt fröhliche Neuauflage
Brunnenfest erlebt fröhliche Neuauflage
So wird der Garten bienenfreundlich
So wird der Garten bienenfreundlich
So wird der Garten bienenfreundlich

Kommentare