Tierisch

Burscheider wurden zu Igel-Eltern

In Nagelsbaum hat es das Ehepaar Volkert geschafft, fünf Igelkinder zu stattlichen Erwachsenen aufzuziehen. Erfahrungen, über die sie einen Film gedreht haben.
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In Nagelsbaum hat es das Ehepaar Volkert geschafft, fünf Igelkinder zu stattlichen Erwachsenen aufzuziehen. Erfahrungen, über die sie einen Film gedreht haben.

Verena und Rainer Volkert haben fünf Stachelträger großgezogen – und viele Überraschungen erlebt.

Von Ursula Hellmann

Burscheid. Sie sind Allesfresser – und doch bekommen Igel von manchen, eigentlich leckeren Sachen, schreckliche Bauchschmerzen. So vertragen unsere nachtaktiven Stachelträger zum Beispiel nur laktosefreie Milch. Ähnlich wie Katzen übrigens.

Sehr intensiv mit den Bedürfnissen der „Erinaceidae“ der „Schlangenfresser“, hat sich das Ehepaar Verena und Rainer Volkert, das in Burscheid-Nagelsbaum zuhause ist, beschäftigt. Und zwar aus nächster Nähe. Wie kam es dazu? Unter der Johannisbeerhecke in Volkerts hübschem Garten wartete schon lange ein passendes Quartier auf einen Igel mit Heimgründungsabsichten. An einem lauen Sommerabend bewegte sich etwas zwischen den Brettchen und Sträuchern. Ein winziges Igelkind schnupperte über den Rasen. Hinter ihm trippelte ein zweites. „Da, schau! Und noch eines,“ rief Verena Volkert. Als sich die beiden der Gartenecke vorsichtig näherten, verschwanden die Stacheltierchen.

Die Schlafstatt wurde mit Zeitungspapier gepolstert

„Wo die Igelmama wohl sein mag?“, wurde überlegt. Sie wurde auch gefunden, völlig ermattet und krank. Selbst die versierte Hilfe vom Tierarzt hatte keinen Erfolg. Plötzlich bevölkerten also fünf hilflose Igelkinder Volkerts Haushalt. Es galt, sich über Lebensweise, Versorgung, Unterbringung Materialkosten und vieles mehr zu informieren.

Mit zentnerweise frischem Zeitungspapier wurden morgens und abends die Schlafkartons der wuseligen Vierbeiner gefüllt. Auf deren Speiseplan standen sowohl gekochte Hühnerteile wie noch lebende Mehlwürmer, Frischkäse, Rühreier, Weintrauben, Bananen und Trockenfutter auf Igelart. Dazu natürlich Schalen mit sauberem Trinkwasser.

Tagsüber waren die Fünf sehr friedlich

Waren es ruhige, friedliche Hausgenossen? Tagsüber auf jeden Fall. Jede der charakterlich sehr unterschiedlichen Jungtiere verzog sich, nach ererbter Igel-Natur, am Morgen in seinen Privatbesitz mit dem Eigenheim aus Butterkartons zurück und verschlief die hellen Stunden. Punkt 18 Uhr schauten die Knopfaugen wieder ins Licht und empfanden die wieder sauber ausgelegten Räume mit den vollen Futternäpfchen als sehr angenehmen Service.

Als alle ein Gewicht von etwa 700 Gramm erreicht hatten, wurden die Aktivitäten langsamer. Ein kalter Dezembertag brachte die Fünf zeitgleich in den viermonatigen Winterschlaf. Verena und Rainer Volkert waren auch auf den Frühling vorbereitet. Ein paar Tage noch hieß es für die nun erwachsenen Igel „all inclusive“ – dann ging es hinaus in die Wälder rings um Burscheid. Jedes der zum Glück gesunden Igelkinder wurde entlassen in das wahre Leben. Auf gehörigem Abstand zu den Brüdern – zwecks Revier-Abgrenzung.

Stacheln schützen nicht vor Autos und Rasenmähern

Ein knappes Jahr Igelglück und Igelsorge mit all der äußerst intensiven Pflege und einer völlig neu zu erlernenden Logistik werden Verena und Rainer Volkert nie vergessen. Leider ist immer wieder zu hören, dass die rund 6000 Stacheln Igel weder vor Autoreifen noch vor modernen Rasenmähern schützen.

Das stimmt nicht nur die zeitweiligen Igel-Eltern sehr traurig, die über ihre Gäste einen Film drehten. Diesen konnten sie mehrfach öffentlich zeigen. So im Evangelischen Altenzentrum, in weiteren Seniorenhäusern, in Schulen und in privaten Kreisen. Ihre Informationen und ihr Wissen geben sie gerne weiter – gerade weil die Population der Igel hier in der Umgebung anscheinend immer weiter zurückgeht.

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