Umweltfreundliche Nahverkehrsmittel

Burscheider Ventile lassen Wasserstoffbusse rollen

Kontrolle: Mitarbeiter Markus Ruson unterzieht die Ventile einem prüfenden Check. Außerdem gibt es weitere Prüflabore, in denen getestet wird.
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Kontrolle: Mitarbeiter Markus Ruson unterzieht die Ventile einem prüfenden Check. Außerdem gibt es weitere Prüflabore, in denen getestet wird.
  • VonNadja Lehmann
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In seinem Unternehmen PTEC tüftelt Klaus Perthel mit seinem Team an umweltfreundlichen Lösungen

Burscheid. Hinter dem Firmengebäude stehen Apfel- und Pflaumenbäume, am Eingang blüht die Kirsche und reckt sich der Wein der Frühlingssonne entgegen: Sie stehen sinnbildlich für das, was Klaus Perthel wichtig ist: die Natur, der schonende Umgang mit ihr und ihren Ressourcen, der Einsatz umweltfreundlicher Technik. Bei letzterem ist der Chef der „PTEC Pressure Technology GmbH“ mit Sitz in Linde federführend mit dabei. Sein Leitmotiv: „Save our planet.“ Sein Erfolgsgeheimnis: Erdgas und Wasserstoff.

Präzisionsarbeit: Die Halle in Linde ist klinisch sauber. „Ein verschmutztes Ventil ist nicht dicht“, sagt PTEC-Gründer Klaus Perthel.

Ein Ergebnis ist täglich in Burscheid und in der Nachbarstadt Wermelskirchen zu besichtigen, wenn die Wasserstoffbusse des Regionalverkehrs Köln (RVK) geräuschlos durch die Straßen rollen: In ihnen steckt Burscheider Technologie. Nämlich magnetische Ventile, Filter, Druckregler, die den Wasserstoff zur Brennstoffzelle des Fahrzeugs leiten. Sie sind nicht nur umweltfreundlich, sondern zugleich ökonomisch: Da die Ventile nicht mit einer Federung, sondern mit Magnetismus arbeiten, können sie mehr Wasserstoff aufnehmen als herkömmliche Modelle.

Platzsparend und in größerer Menge befüllbar: Klaus Perthel und Kim Michels (Konstruktion) sind stolz aufs PTEC-Ventil.

Und geprüft sind sie auch. Denn ein Ventil muss einem Unfall standhalten. Klaus Perthel zeigt es exemplarisch, wie der Glaskolben platzt, das Ventil aufmacht und das Gas entströmen kann. „Das Drucksystem ist mechanisch stabiler als die meisten anderen Komponenten“, sagt Perthel. Gut verstaut und optisch prägnant sitzt es auf dem Dach der Wasserstoff-Busse. Ein Unfall in einem Benziner könne wesentlich dramatischer enden, findet Perthel: „Wenn der Tank aufreißt, sitzt man im Flammenmeer.“ Tests sind darum obligatorisch: Geprüft wird unter Druckverhältnissen bis zu 105 Megapascal, unter Temperaturen von -40 bis 125 Grad. Vieles wird in Burscheid getestet, anderes in speziellen Prüflaboren in Vancouver, München, Niederlande.

Klaus Perthel freut sich, wenn er die Busse auf der Straße sieht

Zehn Wasserstoffbusse in Wermelskirchen, zehn in Wuppertal, 25 in Köln: Gemeinsam mit Fahrzeughersteller Van Hool und dem Systemlieferanten Worthington hat Klaus Perthel sie auf die Straße gebracht – und freut sich, wenn er sie sieht: „Ich grüße jedes Mal den Busfahrer. Auch wenn der wohl nicht weiß, warum.“

Stillleben mit Ventilen: Klaus Perthel setzt sie äußerst ökonomisch aus genau durchdachten Komponenten zusammen.

Angefangen hat alles im heimischen Burscheider Keller. Da hatte Klaus Perthel schon Maschinenbau/Konstruktionstechnik in Köln studiert und in Luxemburg bei einem Ventilhersteller gearbeitet. „Vor der Selbstständigkeit hatte ich keine Berührungsängste“, erzählt er. Sein Vater habe sie ihm vorgelebt: „Er hatte eine kleine Dreherei.“ Schon 2005 agierte der Ein-Mann-Betrieb auf Augenhöhe mit Mercedes-Benz: „Ich war Direktlieferant TIER 1 für die Automobilindustrie.“ Möglich gemacht hatte das seine platzsparende Lösung fürs Ventil, das direkt an der Gasflasche der Fahrzeuge sitzt. Perthel gewann 2003 damit eine internationale Ausschreibung von General Motors. 2018 siedelte er sich in Linde an, hat heute zehn Mitarbeiter. Akquise und die Skizzierung der Lösungsvorschläge nennt er heute den Hauptbestandteil seiner Arbeit. „Selbst gezeichnet habe ich schon länger nicht mehr.“

Heute sind neben dem Chef zehn Mitarbeiter in Linde tätig

Rund 95 Prozent der Kunden gehören der Automobilindustrie an. „Die Auftragsbücher sind voll. Wir sind auf zwei Jahre ausgebucht“, sagt Perthel. Längst agiert man international, hat Kunden in China, Korea, Indien, Japan, USA und Europa. Selbst die klassischen britischen Doppeldecker rollen in umweltfreundlicher H2-Variante mit Perthels Ventilen.

„Der Wasserstoff motiviert mich. Es ist abends, wenn man über das Geleistete nachdenkt, ein schönes Gefühl, den Planeten CO2-freier gestalten zu können.“ Bei geschätzten 900 Millionen Fahrzeugen weltweit treibt das den 55-Jährigen weiter an. „Ich kann mich nicht erinnern, dass ich morgens mal schlecht gelaunt hierher gekommen bin“, sagt er und lässt den Blick durch die blitzsaubere Halle schweifen. Schuhe auszuziehen, ist Pflicht. Denn: „Ein verschmutztes Ventil ist nicht dicht.“

Perthel schmiedet weiter Pläne

Und er schmiedet weitere Pläne. Platz für eine Erweiterung wäre da; das beweist der Blick aus dem Fenster in Richtung A 1. „Indien setzt auf Erdgastechnik; China will in Wasserstoff investieren“, skizziert Klaus Perthel die Zukunft. Messen („Eine schöne Gelegenheit, aus dem schönen Burscheid herauszukommen“) wie einst in Peking, Long Beach oder Teheran sind in der Pandemie Mangelware geworden. Perthel hofft auf die große Wasserstoffmesse in Paris.

Und er hofft auf noch mehr Ventile und Wasserstoffantrieb in Drohnen, Schiffen, Zügen und Flugzeugen. „Und in Raketen“, sagt er und strahlt. Da will er dranbleiben.

Schon die Gegenwart von PTEC kann sich sehen lassen. Zwölf zugelassene Produkte im Wasserstoffbereich bei 35 Megapascal gibt es im Sortiment. „Damit sind wir Weltmarktführer“, sagt Klaus Perthel.

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