Ehrenamt

Die Burscheider Tafel wird wieder mobil

Brigitte Krohn-Bott und Stefanie Koch sortieren die Lebensmittel. Obst und Gemüse wird zudem hübsch angerichtet. Fotos: Nadja Lehmann
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Brigitte Krohn-Bott und Stefanie Koch sortieren die Lebensmittel. Obst und Gemüse wird zudem hübsch angerichtet.
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Ein engagiertes Team versorgt Bedürftige mit Lebensmitteln – Weihnachtspakete sind verteilt.

Von Nadja Lehmann

Burscheid. Der Ehemann ist schuld. Denn als vor mehr als zehn Jahren Vereinsmitglieder der Burscheider Tafel in sein Burscheider Geschäft schneiten und auf der Suche nach einem Schriftführer waren, gab er ihnen die optimistische Zusage „Das macht meine Frau bestimmt!“ mit auf den Weg. Und behielt recht. „Ich bin froh, dass es so gekommen ist“, sagt Dagmar Zimmer, die inzwischen Vorsitzende ist, heute. Sie geht durch die Räume der Tafel, die sich in einem Containermodul an der Montanusstraße befinden, rückt die in Weihnachtspapier eingeschlagenen Pakete zurecht, begrüßt das Team, das an dem Tag nur aus Frauen besteht. „Wo ist Martin?“, fragt sie in die Runde. Und setzt lachend hinzu: „War es dem heute zu voll?“

Mit Weihnachtspaketen (v. r.): Gudrun Niggemeier, Brigitte Krohn-Bott, Dagmar Zimmer, Gaby Gerdowski, Majda Pieler und Stefanie Koch im Gebäude Montanusstraße.

Ein gutes Wort hier, ein Zuhören dort. Ein eingespieltes Team ist da am Werk. Menschen, die miteinander gut klarkommen und die gern jenen helfen wollen, die bedürftig sind. „Wir haben Freude miteinander“, sagt auch Dagmar Zimmer. Als es noch kein Corona gab, machte man zusammen Ausflüge, feierte Sommer- und Weihnachtsfest.

Auf rund 50 aktive Ehrenamtler kann sich Dagmar Zimmer stützen. Normalerweise. Aber was ist 2020 schon normal? „Durch Corona sind es weniger geworden“, sagt die Vorsitzende. Viele gehörten schließlich aufgrund ihres Alters der Risikogruppe an. Aber: Es sind sogar – gerade in der Pandemie – ein paar neue Gesichter dazugekommen, junge Frauen, die sich im Sortier- und Ausgabebereich einbringen. Da, wo es den Kundenkontakt gibt. „Ein paar jung gebliebene Rentner bräuchten wir“, überlegt Zimmer laut. Denn mancher Fahrer, von denen einige die 80 Lenze streifen, würde gern kürzer treten, weiß die Vorsitzende.

Gerade rechtzeitig vor dem zweiten verschärften Lockdown haben die Tafel-Helfer ihre Weihnachtspakete-Aktion unter Dach und Fach gebracht – eine Aktion, die für Dagmar Zimmer zu den Tafel-Highlights gehört. „Jeder Spender packt ein, was ihm wichtig ist“, erzählt sie. Die Inhaltsangabe wird ans Paket geheftet, und die Ehrenamtler ordnen dann ihren Kunden das passende Paket zu. Schließlich kennt man sich. „Wir sind eine kleine Tafel“, sagt Zimmer mit Blick auf die rund 100 bis 120 Familien, die zum Kundenstamm gehören. Rund 90 kommen regelmäßig.

„Ich habe gelernt, dass hinter jedem Menschen ein Schicksal steht“, beschreibt Dagmar Zimmer. Gegenseitiges Vertrauen ist entstanden. „Es gibt kein Murren und keinen Ärger“, sagt Zimmer. Stattdessen Berührendes wie das betagte Ehepaar mit dem schwerbehinderten Sohn, die jeden Morgen um 4 Uhr die Zeitung austragen, um über die Runden zu kommen. „Viele schämen sich, um Hilfe zu bitten“, weiß Zimmer. Diese Scham, diese Ängste zu nehmen: eine der wichtigsten Aufgaben des Tafel-Teams.

An drei Tagen werden die Lebensmittel abgeholt

Immer mittwochs, donnerstags und freitags machen die Ehrenamtler die Runde, fahren Lebensmittelgeschäfte, Discounter und Bauernhöfe an und holen die Lebensmittel ab. Freitagmittag ist dann in der Montanusstraße 17 Verteilung: Aufgeteilt werden die Kunden in vier Gruppen, die zu unterschiedlichen Zeiten kommen. „Das wechselt, damit sich keiner benachteiligt fühlt“, sagt Zimmer. Doch nun, im Lockdown, hat die Tafel wieder ihren mobilen Dienst aufgenommen: Man fährt die Kunden an, hat die Lebensmittelkisten im Auto. „Das ist schwere körperliche Arbeit. Man muss anpacken können“, nennen die Frauen übereinstimmend eine Grundvoraussetzung – und wuchten wie zum Beweis ein paar Kisten durch die Räume. Am 8. Januar geht es wieder auf die Strecke. Seine 14-tägige Pause hat sich das Team verdient – und die Burscheider haben so eifrig gepackt und gespendet, dass die Weihnachtspakete üppig ausfielen. „Wir sind froh mit den Burscheidern, fühlen uns wohl und unterstützt“, unterstreicht Dagmar Zimmer.

Eine Überzeugung eint das komplette Tafel-Team: „Jeder kann ganz schnell in eine Situation kommen, in der er Hilfe braucht.“ Und dieses Wissen erde, sagt Dagmar Zimmer.

Hintergrund

Ihr Domizil hat die Burscheider Tafel in der Montanusstraße 17. Dort ist freitags Ausgabe der Lebensmittel, jetzt ist aber auf Lieferdienst umgestellt. Die Tafel finanziert sich durch Spenden und Mitgliedsbeiträge und gehört dem Bundesverband Deutsche Tafeln an.

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