Burscheider suchen Kraft im Friedensgebet

Wohin man schaut, landauf, landab: Die Menschen setzen Zeichen gegen den Wahnsinn des Krieges. Sie demonstrieren – oder beten still in der Kirche.Foto:Michael Schütz
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Wohin man schaut, landauf, landab: Die Menschen setzen Zeichen gegen den Wahnsinn des Krieges. Sie demonstrieren – oder beten still in der Kirche.Foto:Michael Schütz

Evangelische Gemeinde lud in die Kirche am Markt ein

Von Peter Klohs

Am vergangenen Mittwoch fand in Burscheid das erste Friedensgebet nach dem Beginn des Krieges in der Ukraine statt. Die evangelische Kirche an der Hauptstraße war um 18 Uhr zu diesem Zweck sehr gut besucht, wobei auffiel, dass unter den Besuchern die ganze Palette der Burscheider Einwohner vertreten war: Kinder und Ältere, Menschen mit Migrationsgeschichte, mindestens eine Muslima.

Ein kurzer Rückblick: Zwei Stunden zuvor gab der Bundestagsabgeordnete und auswärtige Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Jürgen Hardt, einen schonungs-losen Bericht über seine Kenntnisse, die den Krieg in der Ukraine betrafen. Er sprach in einem Remscheider Hotel zu der Senioren-Union. Er schilderte Putin als unberechenbaren Machtpolitiker, dessen Reaktion auf den stockenden Vormarsch seiner Soldaten nicht kalkulierbar sei.

Mittlerweile werden alleine auf russischer Seite zwischen 5000 bis 8000 Tote vermutet. Die Opfer, insbesondere die Zivilisten auf ukrainischer Seite, wähnen sich in der Hölle. Die Entwicklung in diesem Krieg auf europäischem Gebiet ist unvorhersehbar. Und in all diesem Grauen, dieser Brutalität und der teils aufkommenden Hoffnungslosigkeit soll ein Gebet helfen?

„Unsere Gebete kommen uns manchmal zu klein vor angesichts der Aggressivität des russischen Militärs“, hieß es in der Kirche. „Aber sie wirken. Und weil Sie das wissen, sind wir heute Abend hier.“ Außer den zahlreichen Besuchern des Friedensgebets waren die Burscheider Pfarrerinnen Katrin Friedel und Annerose Frickenschmidt sowie der Pfarrer Matthias Pausch vor Ort. Die Gedanken an und die Sorgen über die Menschen in der Ukraine, vor allem in Kiew, vereinen die Menschen in Burscheid. „Wie ergeht es den Menschen dort in der kommenden Nacht?“, hieß es.

Im gemeinsam gesprochenen 85. Psalm heißt es: „dass Güte und Treue sich begegnen“, eine Textpassage, die manchen Burscheidern auszusprechen schwerfiel, zu groß die Angst, dass der Krieg nicht nur auf Osteuropa beschränkt bleibt. Und auch das gesungene Lied „Da wohnt ein Sehnen tief in uns“, in dem wörtlich um Frieden gebeten wird, verursachte hier und da ein Versagen der Stimme.

Verschiedene Gemeindemitglieder erbaten im Fürbittengebet die Unversehrtheit der Soldaten auf beiden Seiten. Dass die Hoffnung auf einen Waffenstillstand nicht erlöschen möge, war ein weiterer Aspekt dieses Gebets.

„Unsere Gebete kommen uns manchmal zu klein vor angesichts der Aggressivität des russischen Militärs. Aber sie wirken.“

Nach einer stillen Gedenkminute endete das Friedensgebet mit einem gemeinsam gesprochenen Vaterunser. Das Friedensgebet soll an mittwochs um 18 Uhr in der evangelischen Kirche wiederholt werden. Auch ein Konzert für die Opfer des Krieges wird es geben: Am 8. März spielen um 19.30 Uhr im Bürgerhaus Bergischer Löwe in Bergisch Gladbach verschiedene Musiker klassische Musik. Der Erlös wird Hilfsorganisationen gespendet.

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