Pandemie

Burscheider Senioren sind zuversichtlich

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Gesellschaftsspiele und kurze Gespräche helfen durch den Alltag.

Von Ursula Hellmann

Burscheid. Von Klein bis Groß: Alle sind von der Corona-Pandemie betroffen. Besonders die Senioren, auf die als Risikogruppe besonders Rücksicht genommen werden muss. Burscheids betagte Mitbürger äußern sich über eine Zeit, die sie auch noch nicht erlebt haben, solang sie sich erinnern können.

„In der nächsten Zeit wird wohl jemand anders zur Post, zur Bank und zum Straßenverkehrsamt fahren müssen,“ hieß es im Betrieb Lauer & Süwer (ehemals Claas). Hochbetagt und doch hoch aktiv sieht der 101-jährige Otto Claas selbst ein, wie wichtig es für ihn ist, seine täglichen Gänge zu reduzieren. Das Wort Langeweile ist für den Senior trotzdem kein Begriff. Tageszeitung, Fernsehsendungen mit interessanten Inhalten von Politik bis Unterhaltung geben zwar Ruhepausen, halten ihn aber nicht vom Kochen, Waschen und Putzen ab, soweit es ihm möglich ist.

Das Wort Langeweile ist für den 101-jährigen Otto Claas trotz der derzeitigen Corona-Regelungen ein Fremdwort.

Einen Corona-Test hat er noch nicht hinter sich: „Das Einzige, das ich besitze, ist ein vorausgefüllter Pass, in dem Testergebnisse eingetragen werden können. Ich werde wohl im Februar Nachricht erhalten, ob ich einen Impftermin zugesagt bekomme“.

Das Burscheider Urgestein kann sich an eine vergleichende Zeit nicht erinnern. Schwere Jahre für alle gab es aber. Claas: „Für die meisten Menschen waren die Jahre des Ersten Weltkriegs eine sehr harte Zeit, die sogenannten Hungerjahre. Zum Glück hatte unsere nahe und erweiterte Familie auch da ein erträgliches Einkommen und gute Versorgung. Auch im Dritten Reich hielten sich die Probleme in Grenzen und wurden in den Wirtschaftwunderjahren stets positiver. Wir sind dankbar, dass in unserem Unternehmen bis jetzt keinerlei Krankheitsfälle durch Corona aufgetreten sind.“

Und wie beurteilt der Mann mit über einem Jahrhundert Lebenserfahrung die heutige Situation? „Mir scheint, dass die mit der Organisation betrauten Theoretiker und die mit dem Praktischen beschäftigen Wissenschaftler oft aneinander vorbeiplanen. Ich würde mich nicht wundern, wenn es also noch Monate dauern kann, bis alles wieder einigermaßen rund läuft.“ Seine morgendlichen Rundgänge durch Werkstätten und Büros wird er auf jeden Fall weiterhin genießen.

Gesellschaftsspiele lockern den Alltag auf

Erstaunlich selbstständig und am öffentlichen Leben interessiert ist auch Eva Lüdorf (97). Sie arbeitete vor zwei Jahren noch aktiv mit „Bürger für Burscheid“ zusammen. Seit sie im Sommer 1945 mit Mutter und Schwester aus dem Sudetenland nach Burscheid-Hilgen kam, setzte sie ihren Einfallsreichtum und ihre Entschlusskraft für den Erhalt der Familie ein. Neben ihrer Tätigkeit als Sekretärin absolvierte sie ein Dolmetscherstudium in Englisch; ungeachtet der täglichen, abenteuerlichen Fahrt von Hilgen nach Köln durchs zerbombte Rheinland.

Mit ambulanter Hilfe bewältigt sie ihren Alltag auch in dieser ungewöhnlichen Situation. Wie sie im persönlichen Gespräch bekannt gab, wartet sie auf einen baldigen Impftermin und sieht der nächsten Zeit mit Zuversicht und Elan entgegen.

Die 90-jährige Wilma Uerdingen genießt zwar im Seniorenheim An der Schützeneich eine Rundum-Versorgung, empfindet aber den gravierend veränderten Alltagsablauf doch als anstrengend. „Das gemeinsame Essen im großen Saal fehlt mir sehr, auch die Gespräche in einer größeren Gruppe Bewohner. Wir haben uns damit arrangiert, Gesellschaftsspiele nur mit Abstand und wenigen Personen beizubehalten. Zum Glück gab es im ganzen Haus keinen Todesfall durch das Virus – inzwischen sind alle Pflegekräfte und Bewohner geimpft.“ Auch zwischen den Senioren ist die Frage, wer an der Pandemie schuld ist, noch immer ein Thema.

Wie verbringt die alte Dame im Rollstuhl ihren Tag? „So oft es geht, sitze ich vor dem Haupteingang und freue mich über jeden, mit dem ich einige nette Worte reden kann.“

Einige Türen weiter ist Anna van den Boom meist in ihrem gemütlichen Zimmer zu finden. Die 84-jährige gebürtige Burscheiderin war ein Leben lang zu beschäftigt, um eine eigene Familie zu gründen, erzählt sie. Aber sie vermisse ihren Kegelverein und auch die lustige Karnevalszeit, in der sie oft als Büttenrednerin glänzte. Besonders gern erinnert sie sich an ihre Zeit als „Mädchen für alles“ im Kino „Lumina“ in der Hauptstraße 69.

Ein wenig Abwechslung findet auch sie in Gesellschaftsspielen: im Zweier-Spiel Rummikub mit ihrer 95-jährigen Flurnachbarin. Durch die neuesten Vorschriften fühlt sie sich nicht eingeengt. Sie hält die penible Handhabung aller Vorsichtsmaßnahmen für durchaus berechtigt.

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