Tipps aus der Buchhandlung Ute Hentsche

Zu Weihnachten ist die beste Lesezeit

Buchhändlerin Ute Hentschel weiß, welches die Bücher sind, die zu lesen sich lohnt. Foto: Nadja Lehmann
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Buchhändlerin Ute Hentschel weiß, welches die Bücher sind, die zu lesen sich lohnt.

Auch als Geschenkideen auf den letzten Drücker.

Burscheid. Natürlich haben gute Bücher immer Saison. Aber zu Weihnachten und zwischen den Jahren hat der ein oder die andere vielleicht mehr Muße, die Nase zwischen die Buchdeckel zu stecken. Große Feste vereitelt Corona ja ohnedies. Und wer auf den letzten Drücker noch auf der Suche nach einem Geschenk ist, könnte ebenfalls unter den Tipps, die Buchhändlerin Ute Hentschel gibt, fündig werden. Stürzen wir uns also ins Lesevergnügen!

Thomas Kastura (Herausgeber) – Mord in der Buchhandlung: Buchhandlungen inspirieren zum Stöbern, Schmökern, Schenken – und manchmal auch zu einem Mord. 14 Geschichten drehen sich genau darum. „Es sind kurze Geschichten, quasi ein Häppchen zwischendurch“, sagt Ute Hentschel. „Manche sind witzig, manche blutig.“ 16 Krimiautoren und -autorinnen ermitteln auf dem Papier und zwischen den Zeilen, in „Leseinseln“ und „Bücherecken“, auf den Bestsellerlisten und unter dem Ladentisch, in Schaufenstern, Drehständern und gefüllten Regalen. Mit Regina Schleheck, die in Opladen lebt, Oberstudienrätin an einem Berufskolleg und in der Erwachsenenbildung tätig ist, ist in der Anthologie auch Lokalkolorit vertreten.

Ayelet Gundar-Goshen – Wo der Wolf lauert: In ihrem neuen Roman „Wo der Wolf lauert“ führt die israelische Schriftstellerin Ayelet Gundar-Goshen zwei Lebenserfahrungen zusammen. Im Mittelpunkt der Handlung steht Familie Schuster, eine israelische Kleinfamilie – Mutter Lilach, Vater Mikael und Sohn Adam. Die Familie zieht von Israel in die USA, nach Kalifornien. „Eine gut situierte Familie, die sich den amerikanischen Traum erfüllt“, beschreibt Ute Hentschel. Bis zu dem Moment, an dem ein Mitschüler von Adam stirbt – und seine Mutter glaubt, ihr Sohn habe etwas damit zu tun. „Es ist die psychologische Studie einer Frau, deren Lebensgewissheiten ins Wanken geraten“, sagt Hentschel. „Zugleich ist es weitaus mehr; es geht um das Verhältnis zwischen Israel und den USA, das Verhältnis zwischen Israelis und Palästinensern. Es geht aber auch um die USA, um die dortige Rassendiskriminierung.“ Gundar-Goshen hat den Roman geschrieben, während sie als Gast-Schriftstellerin in Kalifornien lebte: Sie blickt auf die USA ebenso genau und kritisch wie auf ihre Heimat Israel.

Frank Goldammer – Feind des Volks: In seiner Max-Heller-Reihe zeichnet der Dresdner Krimiautor Frank Goldammer ein Porträt der deutschen Nachkriegszeit. Mit „Feind des Volks“ legt er den siebten und letzten Band der Reihe vor, die mit „Der Angstmann“ im letzten Winter des Zweiten Weltkriegs beginnt und mit dem letzten Band ins Jahr 1961 und zum Mauerbau führt. „Man begleitet das Werden der DDR. Sehr spannend“, lobt Hentschel. Denn Max Heller, der kurz vor dem Ruhestand steht, muss entdecken, dass er in einem brutalen Mordfall den Falschen festgenommen hatte.

Anja Jonuleit – Das letzte Bild: Autorin Eva Berghoff schlägt die Zeitung mit den großen Buchstaben auf. Die Schlagzeile: Wer erkennt diese Leiche? Daneben das Foto einer Frau, die aussieht wie Eva selbst – und sich als die in den Kriegswirren verschwundene Zwillingsschwester ihrer Mutter entpuppt. Jonuleit greift den wahren Fall der sogenannten Isdal-Frau auf, die 1970 im norwegischen Isdal gefunden wurde – bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Bis heute sind ihre Herkunft und Identität ungeklärt. Jonuleit entwickelt daraus einen Roman, der tief in die deutsch-norwegische Geschichte führt. „Es geht um Kollaboration, um die Kinderheime Lebensborn aus der NS-Zeit, um die Frauen, die sich mit Wehrmachtssoldaten einließen“, sagt Hentschel. Jonuleit erzählt mitreißend von persönlicher Schuld und Tragödie, die gleich mehrere Generationen prägen.

Paul Kohl – Sie waren nie weg: „Ein Schlüsselroman aus Opladen“, sagt Ute Hentschel. Kohl beschreibt die Aufbaujahre, in denen Menschen aus Krieg und Emigration heimkehren. Und mit ihnen kommen die Nazis, denn sie waren nie weg und beginnen, als Biedermänner getarnt, ihren Aufstieg im Nachkriegsdeutschland. „Kohl schreibt sonst Sachbücher und hat sich hier erstmals an einen Roman getraut“, sagt Hentschel. Im Zentrum des Romans steht der junge Ludwig, der die Zerrissenheit der Zeit spürt. Er lernt den Verleger Middelhauve kennen, der seine FDP auf Rechtskurs trimmt, prominente Nazis in seine Partei aufnimmt und den nationalsozialistischen Naumann-Kreis unterstützt.

Elke Heidenreich – Hier geht’s lang!: Elke Heidenreich stellt jene Autorinnen vor, die sie prägten, die ihr Hilfe und Rüstzeug waren und sind. Die Liste reicht von Christa Wolf bis Marguerite Yourcenar. Eine Liebeserklärung ans Lesen – „und es ist wunderschön aufgemacht“, findet Ute Hentschel.

Eva Menasse – Dunkelblum: Ein Dorf nahe der österreichisch-ungarischen Grenze, in dem eine Baustelle das aufreißt, was verborgen bleiben soll. „Interessante Figuren, Wiener Schmäh, jüdischer Witz“, bringt Hentschel das Können der Wiener Autorin, die in Berlin lebt, auf den Punkt. In den Spätsommertagen des Jahres 1989, während hinter der nahe gelegenen Grenze zu Ungarn bereits Hunderte DDR-Flüchtlinge warten, trifft ein rätselhafter Besucher in Dunkelblum ein. Die Dinge geraten in Bewegung: Auf einer Wiese am Stadtrand wird ein Skelett ausgegraben und eine junge Frau verschwindet. Die Spuren eines alten Verbrechens tauchen auf – und konfrontieren die Dunkelblumer mit einer Vergangenheit, die sie längst für erledigt hielten.

Juli Zeh – Unter Menschen: „Juli Zeh ist eine wunderbare Menschenerklärerin“, sagt Ute Hentschel. Wer sonst könnte Sympathien für den selbst ernannten „Dorfnazi“ wecken? Der taucht plötzlich am Zaun auf und stellt sich Dora vor, die aus dem Corona-Berlin ins brandenburgische Nirgendwo geflüchtet ist. Es geht um Ängste, Vorurteile und um die Stärke, die entstehen kann, wenn man es zulässt. „Juli Zeh erzählt von Menschen, denen man im realen Leben nicht die Hand schütteln würde. Und sie weckt Verständnis“, sagt Ute Hentschel.

Kristina Hauff – Unter Wasser Nacht: „Ist im Sommer erschienen; ich empfehle es immer noch“, sagt Ute Hentschel. Zwei Paare teilen sich in den idyllischen Elbauen Hof und Garten, doch die Freundschaft ist zerbrochen. Thies und Sophie trauern um ihren Sohn Aaron, der unter ungeklärten Umständen ertrank. Allein mit ihren Schuldgefühlen, müssen sie Tag für Tag Ingas und Bodos scheinbar perfektes Familienglück mit ansehen. Doch nichts ist letzten Endes so, wie es aussieht. Sensibel erzählt Hauff von Freundschaft und Verlust, von Scham und zaghafter Hoffnung.

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