Geschichte

Wie der Weihnachtsbaum ins Bergische kam

Ganz im Sinne der Tradition leuchtet der Tannenbaum auf der Schützeneich. Foto: Stephan Sawusch
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Ganz im Sinne der Tradition leuchtet der Tannenbaum auf der Schützeneich.

Noch steht er in diesen Tagen in Burscheids Wohnzimmern – Sein Immergrün stand einst für Lebenskraft.

Von Sabine Wurmbach

Burscheid. Drauß’ vom Walde kommt er her, der Weihnachtsbaum, der auch heute noch im Mittelpunkt der festlichen Feiertage steht und die Menschen auch in den kommenden Tagen zwischen den Jahren begleitet. Ihn schmücken Familien, Vereine und all’ jene, für die der immergrüne Baum das Symbol für Fest und Frieden schlechthin ist.

Wer in der Geschichte Burscheids blättert, wird feststellen, wie weit der Weg selbst für die Tannen in Burscheid bis auf die Plätze und in die Stuben war. Bevor wir die Ursprünge des Brauches ergründen, wenden wir uns einer Episode rund um den Weihnachtsbaum in der hiesigen Historie zu, die verdeutlicht, warum der Weihnachtsbaum für eine Gemeinschaft unverzichtbar ist und welche Bedeutung er darüber hinaus hat. Es handelt sich um einen Zeitungsausschnitt aus dem Jahr 1952: „Allüberall herrscht weihnachtliche Stimmung. Hier unter den mit Tannengrün geschmückten und mit Lichtern versehenen großen Sternen, dort in der Bewunderung kunstgerecht aufgestellter Märchengruppen.

Immer aber stehen die Tannenbäume oder zumindest ihre frischen dunkelgrünen Zweige im Mittelpunkt des Weihnachtsschmuckes. So prangt auch allabendlich ein stattlicher Lichterbaum in der neuerstandenen Siedlung auf der Schützen Eich. Er ist in diesem Jahre der einzige Baum, der neben der prächtig geschmückten Stadt, in voller Größe mit Lichtern versehen ist. Bei tiefem Schnee wirkt dieser Baum zwischen den kleinen Siedlungshäuschen besonders märchenhaft und vermittelt ein schönes, stimmungsvolles Bild. Die Siedler tragen all ihre Wünsche für das kommende Jahr unter diesem Lichterbaum zusammen, und hoffen auf die Erfüllung. Punkt 1 dieser Wünsche wird auf jeden Fall die Schaffung ordentlicher Straßenverhältnisse sein.“

Bezeichnend für diese Darstellung ist die zunächst geschilderte Szene mit ihren traditionellen, christlich verwurzelten Elementen. Der Schluss aber erklärt sich aus der Zeit und stellt einen wahrhaft profanen gemeinsamen Wunsch in den Mittelpunkt: „ordentliche Straßenverhältnisse“; ein modern anmutender Gedanke. Insgesamt dient dieser Artikel als beispielhaft für die Nachkriegszeit. Man knüpft an traditionell übertragene Bräuche und Sitten an, nutzt den Anlass aber auch, um gemeinschaftliche Forderungen (verpackt als Wunsch) an die Gesellschaft zu richten. Und das unter dem Weihnachtsbaum, dem Zeichen für Frieden und für das Fest.

Sitte geht auf alte kultische Gebräuche zurück

Aber wo begann denn nun der Weg der Tanne als Weihnachtsbaum – und wie hat sie es zum „Star“ in den Feststuben geschafft? Die Sitte des Weihnachtsbaumes geht auf alte kultische Gebräuche zurück. Wie die Forschung zu berichten weiß, pflegen noch heute naturverbundene Völker die Gewohnheit, an besonderen Festtagen den Festplatz oder das Haus nicht nur mit Blumen und Blüten zu schmücken, sondern auch mit grünen Zweigen. Schon früh bestimmten die Deutschen die Tannen als besonderen Festbaum, denn er ist immergrün, das ganze Jahr über. Diese Farbe hat zugleich einen symbolischen Charakter. Nach altem Aberglauben hofften die Menschen, sich mit dem immergrünen Baum auch Lebenskraft und Gesundheit ins Haus zu holen. Gleichzeitig wurden böse Geister vertrieben. Dieser Gedanke spielte für die Menschen damals besonders zu Ende des Jahres (Rauhnächte) eine große Rolle.

Lichterbäume werden erstmals in Süddeutschland erwähnt

Erste Erwähnungen von extra geschmückten Lichterbäumen stammen aus dem Süden Deutschlands. In der Gegend um Straßburg sollen kurz nach 1600 „geputzte und geschmückte“ Tannen demnach beobachtet worden sein. Im Zuge der Verbreitung der Weihnachtsbäume über Deutschland bürgerte sich im Süden die Bezeichnung Christbaum ein, im Norden wurde er eher als Tannen- oder Weihnachtsbaum bezeichnet.

Die Menschen schmückten die Tanne damals mit Papierrosen als Symbol für die Rose vom Zweig Jesse, die in dem alten Weihnachtslied „Es ist ein Ros’ entsprungen“ weiterlebt. Äpfel schmückten von Beginn an den Baum; deshalb wurde er auch als Paradiesbaum bezeichnet, der, durch Christus vom Bann befreit, nun wieder Früchte tragen darf. Außerdem zierten ihn leuchtende Kerzen, die in die Welt hinaus strahlen und verkünden sollten: „Ich bin das Licht der Welt“. Soweit der religiöse Hintergrund.

Und im Bergischen Land? Dort hinterlässt der Weihnachtsbaum erst um die vorherige Jahrhundertwende (vom 19. zum 20. Jahrhundert) erste Spuren. Der Brauch des Baumaufstellens entwickelte sich eindeutig im städtischen Milieu, die ländliche Provinz eroberte er erst viel später. Denn hier war bis dahin eher die „Chrestkrunn“, dominierend. Darunter muss man sich keinen Baum, sondern ein Drahtgeflecht aus Eisen vorstellen. Das wurde mit Tannengrün und Weihnachtsschmuck, manchmal auch mit Kerzen verziert. Die Christkrone hing von der Decke. Für ärmere Leute mussten ein paar Tannenzweige reichen.

Im Lauf der Zwanziger kam der Baum ins Bergische

Im Laufe der 1920er Jahre eroberte die Sitte des Christbaumaufstellens allmählich das Bergische. Der Weihnachtsbaum wurde gekauft oder aus dem eigenen Waldstück ins Haus geholt und aufgestellt. Geschmückt wurde er mit Selbstgebasteltem, wie etwa Strohsternen, Papierketten oder selbst gebackenen Plätzchen. In begüterten Haushalten kamen dann oft silberne (Glas-)Kugeln, Engelshaar, Stanniol-Lametta und Wachskerzen dazu. Das obere Ende zierte eine prächtige Baumspitze, oft mit Glitzersternen und Silberstreifen versehen.

Baum stand in der guten Stube

Diese Schmuckkombination dominierte zwischen den 1930ern bis Anfang der 1960er Jahre. Der Baum stand in der „guten Stube“. Sie wurde nur an den Festtagen genutzt und dann auch nur geheizt. Deshalb hielt sich der Baum oft recht lange. Denn im Alltag nutzte und heizte die Familie ausschließlich die einfache „Stube“, also die Wohnküche.

Über eine Tannenbaum-Geschichte der besonderen Art berichtete der Bergische Volksbote in einer Ausgabe aus dem Dezember 1954. Der CVJM hatte seine Mitglieder seinerzeit zu einer vorweihnachtlichen Feierstunde eingeladen. „Von Dünweg führte die Wanderung in Richtung Lamerbusch. Vor dieser Ortschaft erkannte die große Schar abseits im Walde einen prächtig aussehenden Lichterbaum. In einer hohen Tanne waren viele brennende Kerzen angebracht worden. Vorweihnachtliche Weisen des Posaunenchores sowie Lied- und Gedichtvorträge wechselten miteinander ab. Mit dem Gesang ‘O du fröhliche’ klang die Feier aus. Auf dem Rückweg wurde oft nach dem Wald zurückgeblickt, wo die Tanne noch im Lichterglanz erstrahlte.“

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