Verkehr

Weniger Temposünder, aber höhere Einnahmen

Die Geschwindigkeitsmessanlage auf der A1 zwischen Burscheid und Leverkusen – hier bekamen Temposünder viele Bußgeldbescheide nach Hause.
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Die Geschwindigkeitsmessanlage auf der A1 zwischen Burscheid und Leverkusen – hier bekamen Temposünder viele Bußgeldbescheide nach Hause.

Die Kreisverwaltung nahm im Vorjahr etwa zwölf Millionen Euro ein – Den Großteil durch die Blitzanlage auf der Autobahn

Von Mario Büscher und Markus Schumacher

Burscheid. Die vielen Schließungen im öffentlichen Bereich haben offenbar auch einen Einfluss auf die Freizeitgestaltung der Menschen. Das zumindest vermutet die Polizei des Rheinisch-Bergischen Kreises. Belegbar sei das laut Polizeibehörde zwar nicht, „innerhalb der Corona-Maßnahmen wurden jedoch deutlich mehr Verstöße gegen den Tatbestand illegale Straßenrennen zur Anzeige gebracht“, erklärt ein Sprecher. Auch insgesamt waren die Einwohner und Besucher im Rheinisch-Bergischen Kreis häufig zu schnell unterwegs. Allerdings weniger oft als in den Jahren zuvor. 2019 wurden fast 350 000 Autos, Lkw und Motorräder geblitzt, 2020 noch 294 000.

„Es gab weniger Verstöße, weil der Verkehr durch die Corona-Pandemie abgenommen hat“, teilt die Kreisverwaltung hierzu mit. Dabei orientiert sich die Geschwindigkeitsüberwachung laut Rheinisch-Bergischem Kreis und der Polizei am Unfallgeschehen. Auffällige Strecken würden dabei besonders berücksichtigt. „Es geht um Gefahrenprävention und Gefahrenminderung“, teilt eine Kreissprecherin auf Anfrage mit. Dabei sei man an die Stellen gebunden, die von der Unfallkommission ermittelt und festgelegt wurden.

Zwei Bereiche sind Unfallshäufungsstellen in Burscheid

In Burscheid gibt es zwei so genannte Unfallhäufungsstellen. Zum einen im Bereich Lungstraße/Eichenplätzchen (L 188/L 310): Dort gab es 2020 noch drei Verkehrsunfälle, nachdem es ein Jahr zuvor sogar sechs waren. Die zweite Stelle befindet sich im Bereich Bürgermeister-Schmidt-/Geilenbacher/Pfarrstraße. Dort gab es aber im Vorjahr schon keinen Unfall mehr, nach dem es 2018 dort fünfmal und 2019 noch vier Mal gekracht hatte.

Es gab weniger Verstöße, weil der Verkehr durch die Corona-Pandemie abgenommen hat.

Kreisverwaltung

Die Polizei kümmert sich außerdem um Strecken, die zwar nicht auffällig sind, bei denen es aber Hinweise aus der Bevölkerung gibt. „Dies gilt auch für die typischen Motorradstrecken im Bereich Wermelskirchen, die einen klaren Schwerpunkt in der Überwachung darstellen“, erklärt die Polizeidienststelle dazu. Allerdings ist die Polizei nicht befugt, Hinweisschilder für die Geschwindigkeit aufzustellen. Gemeinsam mit der Unfallkommission kann man den Straßenbaubehörden aber Vorschläge machen, die diese dann umsetzen kann.

In Burscheid gab es im vergangenen Jahr 46 Unfälle mit Personenschaden, darunter keinen Toten aber neun Schwerverletzte. 19 mal war ein Pkw, 14 mal ein Fahrrad beteiligt.

Buß- und Verwarngelder brachten im Kreis im vergangenen Jahr fast zwölf Millionen Euro

Laut Kreisverwaltung ist das Ziel der Verkehrsüberwachung, die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmenden zu erhöhen. Trotzdem werden über die Buß- und Verwarngelder auch Einnahmen generiert. Im vergangenen Jahr waren das fast zwölf Millionen Euro.

Einen großen Anteil an dieser Summe hat die Radaranlage auf der A 1 zwischen Burscheid und Leverkusen. Die Blitzer dort wurden 2017 installiert, weil es in dem Bereich in der Vergangenheit schwere Unfälle mit Toten gab. Daran waren laut Kreisverwaltung auch Lkw beteiligt. Am Kreuz Leverkusen habe sich häufig ein Rückstau gebildet, der von Fahrern mit erhöhter Geschwindigkeit zu spät erkannt wurde.

Geschwindigkeit ist laut Polizei weiterhin Unfallursache Nummer eins

Seit vier Jahren wird die Tempobeschränkung von Tempo 100 für Pkw und Tempo 60 für Lastwagen nun also überwacht. Während 2016 kreisweit etwa 95 000 Geschwindigkeitsverstöße festgestellt wurden, waren es bereits ein Jahr später 298 000. „Die Anlage auf der A 1 hat die meisten Verkehrsverstöße im Rheinisch-Bergischen Kreis zu verzeichnen“, erklärt die Kreissprecherin. Und über sie wurden auch das meiste Geld eingenommen. 2020 sogar deutlich mehr als noch 2019, obwohl es weniger Verstöße gab. „Dies hängt damit zusammen, dass mehr Bußgelder als Warngelder verhängt wurden und diese deutlich höhere Strafen nach sich ziehen“, so der Kreis. 2019 brachte die Anlage knapp fünfeinhalb Millionen Euro ein, 2020 gut neun Millionen.

Die Geschwindigkeit ist laut Polizei weiterhin Unfallursache Nummer eins. Zwar sind die Unfallzahlen im Kreis 2020 um 12,5 Prozent zurückgegangen, allerdings ist die Zahl der Unfälle mit Verletzten nur um 1,5 Prozent gesunken. Der Anteil der Unfälle mit Personenschäden an der Statistik steigt damit auf zwölf Prozent. Das führt die Polizei auf einen gestiegenen Freizeitverkehr zurück, während der Berufsverkehr in der Krise abnahm. Die Zahl stieg allerdings nur unter den Erwachsenen. Bei Kindern, Jugendlichen, jungen Erwachsenen (bis 24 Jahre) und Senioren gab es weniger Unfälle mit Verletzten oder Toten.

Motorradfahrer im Fokus

Unfälle: Die Zahl der Motorradunfälle ist im vergangenen Jahr um 20 Prozent gestiegen. Besonders vor dem Hintergrund eigentlich rückläufiger Zahlen ist das bemerkenswert. Die Polizei hat dabei beobachtet, dass Motorradfahrer häufiger unter der Woche unterwegs waren. Sonst waren Ausflüge an den Wochenenden üblich. Dabei kam es auch zu mehr verbotenen Rennen von Krafträdern.

Kontrollen: Die rheinisch-bergische Polizei kontrollierte 2020 vermehrt auf beliebten Motorradstrecken, die auch von Auswärtigen häufig befahren werden.

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