Gartengestaltung

Vogelhäuschen als Vorstufe zum Artenschutz

Das Futtersilo hat dieser kleine Zaungast fest im Blick. Archivfoto: Herbert Draheim
+
Das Futtersilo hat dieser kleine Zaungast fest im Blick.

Nabu-Sprecherin Regine Kossler wirbt für mehr Nachhaltigkeit und weniger Eingriffe bei der Garten- und Balkongestaltung.

Von Nadja Lehmann

Burscheid. Schnee lässt zwar noch auf sich warten, aber die Witterung ist novemberlich grau. Spätestens jetzt überlegt der Vogelfreund, wie und ob er die Gefiederten füttern soll. Vogelhäuschen gibt es in Gartencentern und Baumärkten jedenfalls schon in großer Zahl und in allen denkbaren Formen zu erwerben, Vogelfutter ebenso.

Regine Kossler muss darüber ein bisschen lächeln. Die Sprecherin des Naturschutzbunds (Nabu) Leverkusen hat nichts gegen die Vogelfütterung. „Man hat das Gefühl, man tut den Vögeln etwas Gutes, und man bekommt sicher ein stärkeres Naturverständnis. Vögel zu füttern ist nett.“

Aber, so fügt Kossler hinzu, man könne mit anderen Maßnahmen noch nachhaltiger agieren: „Indem man zum Beispiel den Garten naturnah gestaltet.“ Und wenn ein Garten (vielleicht aus Altersgründen) stromlinienförmig und pflegeleicht angelegt werden müsse, „dann kann man ja zumindest eine Ecke sich selbst überlassen.“ Nicht alles müsste jederzeit picobello aussehen. Eine Unsitte, wie Kossler findet. Und nichts Gutes für die Tierwelt.

Der Distelfink hat seinen Namen nicht von ungefähr

„Wenn man das Laub liegen lässt, dann sind Insekten darunter. Und die wiederum findet die Amsel.“ Übrig gebliebene Beeren von Sträuchern, nicht abgeerntetes Obst an den Bäumen, Hagebutten – das seien alles Futterquellen, aus denen die Vögel schöpfen könnten. „Oder einfache Stauden. Da finden Stieglitz und Distelfink jede Menge.“ Schließlich, so fügt sie lächelnd hinzu, trage der Distelfink ja seinen Namen nicht von ungefähr – und sie stellt ein kurzes Gedankenspiel an, was möglich wäre, wenn jeder Balkonbesitzer dort eine Distel stehen hätte: „Das würde dem Distelfink sehr helfen.“

Überhaupt wirbt Kossler dafür, einheimische Stauden zu setzen, ob im Garten oder auf dem Balkon. Und sie wirbt für mehr Laissez-faire: „Einfach mal die Fruchtstände stehen lassen.“ Ein Rat, den sie auch Balkonbesitzern ans Herz legt. „Mehr wagen, indem man einfach was stehen lässt. Auch die verblühten Töpfe aus dem Sommer.“

Ein Garten muss nicht immer picobello aussehen.

Regine Kossler

Denn ein klinisch aufgeräumter Garten oder Balkon, zu denen dann ein Vogelhäuschen gehöre, ist in ihren Augen „das Pferd von hinten aufgezäumt. Man sollte sich wirklich von Modeerscheinungen freimachen, wie ein Garten auszusehen hat.“

Im Idealfall, so sagt Kossler, bildet das Vogelhäuschen die Vorstufe zu einem größeren Verständnis vom Artenschutz – und dem Bewusstsein, dass die Arten in dramatischem Maße schwinden. „Auf intensiv genutzten Wiesen wächst nichts. Die Stadt wird zum Rückzugsgebiet für Vögel“, beschreibt die Expertin. Sie signalisiert Verständnis für die Landwirte, „die davon schließlich leben müssen“, aber sie macht auch klar, dass es ohne Veränderungen nicht gehen wird. „Da sind Politik und der Gesetzgeber gefragt.“ Notwendig sei, die aufgeräumten Landschaften wieder umzugestalten, Blühstreifen am Ackerrand einzurichten, Hecken wieder ihren Platz zu lassen. „Unser Essen soll möglichst nichts kosten. Dadurch geht alles kaputt.“

Fettfutter wird für den Nachwuchs zum Problem

Und wer jetzt gerne ein Vogelhäuschen aufstellen (und Garten/Balkon naturnah gestalten will), sollte auf eine Überdachung des selbigen achten: „Durch Feuchtigkeit gelangen Keime ins Futter“, sagt Kossler. Deshalb ist Hygiene das A&O am Vogelhäuschen: Die Tiere sollten nicht direkt im Futter stehen, damit sie zum einen nicht hineinkoten, zum andern aber auch keine Salmonellen, die an ihren Beinen haften können, mitbringen und andere Vögel anstecken können. „Immer mal wieder mit heißem Wasser durchspülen“, empfiehlt Regine Kossler. Wichtig ist auch, das Vogelhäuschen nicht an der Wetterseite, sondern an geschützter Stelle aufzuhängen oder aufzustellen.

„Mit dem Futter stellt man die Weichen, welche Vögel kommen“, sagt Kossler. Vögel wie der Kernbeißer mit seinem kräftigen Schnabel vergnügen sich an Körnern, während der kleine zarte Zaunkönig damit wenig anfangen kann und Weichfutter bevorzugt.

Zwei absolute No-Gos gibt es aus Kosslers Sicht: Fettfutter von April bis Juli und Meisenknödel im Kunststoffnetz. „Darin können sich Vögel mit ihren kleinen Beinchen verheddern, hängen dann kopfunter drin und können sich nicht mehr befreien.“ Und das Fettfutter wird für den Nachwuchs zum Problem: „Manche Eltern wie beispielsweise bei den Meisen werden faul und bringen keine gejagten Insekten, sondern das Fettfutter zu den Jungen. Die ersticken daran.“

In unserer Serie „Natürlich nachhaltig“ geben wir noch mehr Nachhaltigkeitstipps.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Die Gewinner der Foto-Challenge stehen fest
Die Gewinner der Foto-Challenge stehen fest
Die Gewinner der Foto-Challenge stehen fest
Nabu hilft wieder den Kröten über die Kreisstraße 2
Nabu hilft wieder den Kröten über die Kreisstraße 2
Nabu hilft wieder den Kröten über die Kreisstraße 2
Gut Landscheid: Restaurant ist zu
Gut Landscheid: Restaurant ist zu
Gut Landscheid: Restaurant ist zu
BTG startet Volleyball-Kurs
BTG startet Volleyball-Kurs
BTG startet Volleyball-Kurs

Kommentare