Burscheider Unternehmensgruppe

Unternehmer Roman Fietz plant die Zukunft in turbulenten Zeiten

Geschäftsführer Roman Fietz ist nach der 9. Klasse erst einmal in die USA gegangen. Foto: Fietz-Gruppe
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Geschäftsführer Roman Fietz ist nach der 9. Klasse erst einmal in die USA gegangen.

Der Geschäftsführer der Fietz-Gruppe leitet die Geschicke mit seinem Vater Maryo Fietz. Er erwartet deutlich steigende Preise.

Das Gespräch führte Stephan Eppinger

Burscheid. Bei der Burscheider Unternehmensgruppe Fietz steht mit Roman Fietz nun die dritte Generation an der Spitze. Gemeinsam mit seinem Vater Maryo Fietz leitet er das operative Geschäft der Gruppe. Wir haben mit Roman Fietz über die Nachfolge und die aktuellen Herausforderungen in Krisenzeiten gesprochen.

Sie sind Geschäftsführer der Fietz-Gruppe und treten in die Fußstapfen Ihres Vaters. Wie läuft die Übergabe des Unternehmens an die dritte Generation ab?
Roman Fietz: Das Thema Nachfolge im Unternehmen gibt es schon etwas länger. Es war klar, dass mein Vater irgendwann in Rente gehen wird, und dass ich die Leitung von ihm übernehmen werde. Das haben wir gemeinsam lange und gut vorbereitet, um einen gleitenden Übergang zu ermöglichen. Vor einem Jahr haben wir damit begonnen. Mein Vater wird noch bis 2023 mit mir gemeinsam das operative Geschäft führen. Das Unternehmen bedeutet ihm sehr viel und er wird auch danach noch weiter den Kontakt dazu halten. Mit mir kommen neue Ideen und Herangehensweisen in das Unternehmen. Das betrifft auch den Umgang mit den Kunden und Mitarbeitern. Ganz wesentlich ist, dass sich die Technologie stetig verändert und dass die Digitalisierung weiter voranschreitet. Wir sind gerade dabei, die Produktion auf Industrie 4.0 umzustellen. Meine Aufgabe ist es, unser Unternehmen jetzt darauf vorzubereiten.
War es für Sie immer klar, dass sie ins Familienunternehmen einsteigen werden?
Fietz: Ich bin schon im Alter von drei oder vier Jahren durch die Produktionshallen des großväterlichen Betriebs gelaufen und habe gesagt, dass das später einmal mein Unternehmen sein wird. Nach der neunten Klasse bin ich dann in die USA ausgewandert und habe dort meinen Highschool-Abschluss gemacht. Danach kamen zwei Semester BWL-Studium in den Staaten. Dann wollte ich aber wieder nach Deutschland und habe in Heidelberg mein Studium zu Ende gebracht und den entsprechenden Master in Bad Honnef gemacht. Da meine beiden Schwestern kein Interesse hatten, ins Familienunternehmen einzusteigen, war schnell klar, dass ich dort die Nachfolge meines Vaters antreten werde.
Was macht für Sie den Reiz dieser Aufgabe aus?
Fietz: An der Spitze eines Unternehmens zu stehen bedeutet, dass man dort die Dinge selbst gestalten kann. Natürlich gehört zu dieser Aufgabe auch, dass man eine große Verpflichtung gegenüber den Mitarbeitern und den externen Partnern hat. Dem muss man sich stellen.
Wie läuft die Zusammenarbeit mit Ihrem Vater ab?
Fietz: Wir haben uns die Aufgabenbereiche aufgeteilt. Mein Vater ist für den Bereich Finanzen und Steuern zuständig. Er hält auch den Kontakt zu den Banken. Ich bin für das Thema Investitionen bei Bau- und Anlagenprojekten zuständig und plane diese Aktivitäten für unsere Gruppe. Das passiert natürlich alles in enger Abstimmung mit meinem Vater. Ich habe inzwischen elf Jahre Berufserfahrung und bin froh, einen Berater an meiner Seite zu haben, der inzwischen seit vier Jahrzehnte im Unternehmen tätig ist. Da kann ich noch sehr viel von seiner großen Erfahrung profitieren.
Wie fällt die Bilanz an der Unternehmensspitze bislang aus?
Fietz: Die größte Herausforderung ist, auf unvorhergesehene Situationen richtig zu reagieren. Als ich vor elf Jahren eingestiegen bin, war die Finanzkrise gerade zu Ende und wir waren in einem sehr ruhigen Fahrwasser unterwegs. Die erste große Krise, die ich selbst erlebt habe, war der Beginn der Pandemie vor zwei Jahren. Das hat mich und mein Handeln sehr geprägt. Erst in der Krise zeigt es sich, ob man den Herausforderungen wirklich gewachsen ist.
Welche Auswirkung hat das aktuelle Kriegsgeschehen in der Ukraine auf Ihr Unternehmen?
Fietz: Noch ist nichts passiert, aber wir erwarten, dass etwas passieren wird. Darauf bereiten wir gerade uns und unsere Kunden vor. Noch sind die Zwischenlager mit Rohstoffen voll. Aber das wird sich ab April oder Mai ändern und mit der dann folgenden Verknappung der Rohstoffe werden die Preise deutlich ansteigen. Das müssen wir an unsere Kunden weitergeben. Ich rechne damit, dass uns etwa 20 Prozent weniger Rohstoffe auf dem Weltmarkt zur Verfügung stehen werden, und dass daraus ein Preisanstieg von bis zu 30 Prozent resultieren wird. Da stehen uns noch sehr schwierige Gespräche bevor.
Wie sind die Auswirkungen der aktuellen Omikron-Welle in Ihrem Unternehmen?
Fietz: Wie in vielen anderen Unternehmen fallen auch bei uns viele Mitarbeiter durch eine Infektion und die darauffolgende Quarantäne aus. Wir haben schon extreme Krankenstände gehabt und müssen fast durchgängig auf etwa zehn Prozent unserer Belegschaft verzichten. Das ist vor allem in der Produktion deutlich spürbar. Dabei haben wir im Unternehmen strenge Hygieneregeln, die man kaum noch optimieren kann.
Wie wird sich Ihre Branche durch die Krisen verändern?
Fietz: Unsere Kunden müssen dringend ihre Lieferketten überdenken. Da sollte nicht mehr nur der Preis im Vordergrund stehen. Wichtiger ist die Sicherheit der Teileversorgung, die hier in Deutschland und den direkten europäischen Nachbarländern gewährleistet ist. Man sollte außerdem nicht noch weiter die Produktion aus Kostengründen in den Osten verlagern. Mit intelligenten Lösungen und hoher Automatisierung kann man durchaus auch hier in Deutschland kostengünstig produzieren. Natürlich sind solche Maßnahmen nicht sofort umsetzbar. Aber man sollte diese jetzt angehen.
Welche Projekte stehen bei der Fietz-Gruppe aktuell an?
Fietz: Wir arbeiten intensiv daran, unser Ziel, bis 2030 CO2-neutral zu produzieren, umzusetzen. So werden nach und nach in Burscheid und Radevormwald die Dächer der Produktionshallen komplett mit Photovoltaikanlagen ausgestattet. Dazu kommen Wärmepumpen, Energierückgewinnung oder die Umstellung unserer Flotte auf E- und Hybridmotoren und die dafür notwendigen Ladepunkte. Geplant sind zudem Ladesäulen für unsere Mitarbeiter bei uns vor Ort. In Radevormwald entsteht zudem gerade eine neue Logistikhalle, die schon jetzt CO2-neutral funktioniert.

Die Fietz-Gruppe

Die Fietz-Gruppe hat Standorte in Burscheid und Radevormwald. Vier Firmen, die allesamt in der kunststoffverarbeitenden Industrie tätig sind, gehören zum Firmenverbund: Fietz GmbH, Fietz Automotive GmbH, Fietz Thermoplast GmbH und Fietz Polychromos GmbH. Nach eigener Auskunft sind in der Unternehmensgruppe 250 Mitarbeiter an drei Standorten beschäftigt, aktuell zudem zwei Auszubildende. Bis 2030 wolle man CO2-neutral sein, bekräftigt das Unternehmen: „Es ist uns wichtig, unserer Verantwortung aus sozialer, ökologischer und ökonomischer Sicht gerecht zu werden.“

Auch interessant: So gehen die Betriebe in Burscheid mit Omikron um

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