Nach Tod des Bürgermeisters

Burscheid trauert und steht unter Schock

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Kerzen stehen vor dem Rathaus.
  • Markus Schumacher
    VonMarkus Schumacher
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Nach dem plötzlichen Tod von Bürgermeister Stefan Caplan herrscht Fassungslosigkeit.

Burscheid. „Wir stehen hier alle noch unter Schock“, bat Stadtsprecherin Renate Bergfelder-Weiß um Verständnis, dass es am Montag zunächst keine offizielle Stellungnahme der Stadt Burscheid zum plötzlichen und unerwarteten Tod von Bürgermeister Stefan Caplan am vergangenen Samstag gab. Schon am Sonntag war die Stadtspitze zusammengekommen. Am Montag ging die interne Abstimmung dann weiter. „Als allererstes nehmen wir Kontakt zur Familie auf“, erklärte Bergfelder-Weiß, das hatte absolute Priorität.

Erika Gewehr hatte sich am Montag beurlauben lassen, Arbeiten war für die CDU-Stadtverbandsvorsitzende undenkbar. Dabei fand am Montagabend in Burscheid die Kür der Landtagskandidaten für die CDU statt. Am Dienstagabend kommen der Stadtverband und die Stadtratsfraktion zusammen, um sich abzustimmen. Und am Donnerstag findet die Jahreshauptversammlung der CDU Burscheid statt. „Die können wir nicht absagen“, erklärte Erika Gewehr, obwohl sie sich kaum vorstellen konnte, wie man da zum Tagesgeschäft übergehen soll.

Trauerflor hängt an der Fahne vorm Rathaus zum Tod vom Bürgermeister Stefan Caplan.

„Wir müssen als Partei ganz eng zusammenrücken“, steht für die Burscheiderin schon fest. Es sei im Moment keine leichte Zeit für die CDU. Und für die Christdemokraten in Burscheid kam der Tod des Bürgermeisters jetzt noch obendrauf. „Es ist wichtig, dass wir die ganzen Projekte, die Stefan Caplan angestoßen hat, vernünftig zu Ende bringen“, sagt Erika Gewehr. „Alles, was er hart erarbeitet hat, darf jetzt nicht kaputt gehen.“

Erika Gewehr beschreibt Caplan als einen Bürgermeister, der immer unter den Leuten und in den Vereinen unterwegs war. „Er hat unheimlich viel angefasst und abgearbeitet“, erinnert die CDU-Vorsitzende, „immer mit einem festen Ziel vor Augen bis zu dem er dann auch durchgezogen hat.“ Sie fürchtet, dass Stefan Caplan sehr schwer zu ersetzen sein werde.

„Wir selbst müssen uns erst einmal berappeln.“

Dr. Hartmut Schepanski, CDU-Fraktionsvorsitzender

Das steht auch für Dr. Hartmut Schepanski fest: „Eine riesige Lücke hinterlässt Stefan Caplan.“ Der Vorsitzende der CDU-Stadtratsfraktion ist am Montag noch schockiert: „Wie schnell das plötzlich gehen kann, am Donnerstag habe ich noch mit ihm gesprochen . . .“

Auch andere Fraktionen hätten ihn schon kontaktiert und ihre Bestürzung zum Ausdruck gebracht. „Wir selbst müssen uns erst einmal berappeln“, spricht er für die CDU-Fraktion. An die abendliche Landtagskandidatenkür und die kommende JHV denkt er nur mit Kummer: „Da wird jeweils ein großer Schatten drauf liegen.“

„Fassungslos“, ist auch Klaus Becker, SPD-Fraktionsvorsitzender. „Wir hatten ein hohes freundschaftliches Niveau“, sagt er über den Verstorbenen, „ja, man kann sagen, ich habe einen Freund verloren.“ Gerne konnte man dem Bürgermeister in den Sitzungen auch mal einen verbalen Seitenhieb verpassen, erinnert Becker: „Dann gab es auch einen Kalauer zurück, so war er eben.“

Für Becker und seine SPD-Fraktion sei es nun ganz klar, dass es für Burscheid vernünftig weitergehen müsse. „Dazu müssen wir uns auch parteiübergreifend einig sein“, betont der SPD-Fraktionsvorsitzende, „das ist jetzt unsere Aufgabe.“ Man sei es dem verstorbenen Bürgermeister schuldig, dass es in dessen Sinne weitergehe.

Laut Gemeindeordnung des Landes Nordrhein-Westfalen muss innerhalb von sechs Monaten ein neuer Bürgermeister gewählt werden. Das wäre also bis April 2022. Im Mai 2022 findet aber schon die Landtagswahl 2022 statt. Klaus Becker kann sich zwei Wahlkämpfe so kurz hintereinander kaum vorstellen. „Vielleicht kann man die beiden Wahlen ja doch zusammenlegen“, überlegt er laut. Doch dann sagt Klaus Becker: „ . . . aber im Moment interessiert mich das alles gar nicht.“

In den sozialen Netzwerken ist der Verstorbene ein großes Thema. Rainer Deppe (MdL) schreibt zum Beispiel: „Burscheid, die Bürger und die Stadt, standen für ihn immer an erster Stelle – nicht nur als Bürgermeister. Er wird uns fehlen. Ich bin sehr betroffen und traurig.“

Jens Knipper schreibt für die Feuerwehr Burscheid: „Er hatte immer ein offenes Ohr, wenn wir Probleme hatten. Auch die Jugendfeuerwehr und der damit verbundene Nachwuchs für den Brandschutz lagen ihm sehr am Herzen.“

Das Kultur-Badehaus Burscheid teilt mit: „Wir sind fassungslos und tief betroffen. Dankbar blicken wir auf ein schon so lange freundschaftliches, offenes und vertrauensvolles Miteinander zurück.“

Die Burscheider Turngemeinde schreibt: „Danke für all deine Verdienste auch für den Sport in Burscheid!“ Und der MGV Dürscheid teilt mit: „Er war ein Freund unseres Vereins, war immer gerne bei unseren Veranstaltungen und hat viel für uns getan.“

Hintergrund

Im Rathaus hat Dirk Runge, Leiter der Zentralen Dienste und Personalmanagement, als Stellvertreter die Aufgaben des Bürgermeisters übernommen. Den Stadtrat wird Ioana Steluta Ignatz (BfB) als Vorsitzende leiten. Laut Gemeindeordnung NRW muss innerhalb von sechs Monaten ein neuer Bürgermeister gewählt werden.

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