Neubau steht an alter Stelle

Nach Brand: Tool Factory ist im neuen Gebäude angekommen

Das neue Gebäude der Tool Factory entstand in L-Form auf dem mehr als 4000 Quadratmeter großen Grundstück nahe der A1.
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Das neue Gebäude der Tool Factory entstand in L-Form auf dem mehr als 4000 Quadratmeter großen Grundstück nahe der A1.
  • VonNadja Lehmann
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Nach dem Großbrand 2019 musste das Unternehmen von einem Provisorium aus agieren.

Burscheid. Auf dem Regal im Besprechungszimmer steht, so könnte der Besucher meinen, ein Kunstwerk: In Harz eingegossen scheint da ein bläulicher Meteorit gelandet zu sein, in dem sich Werkzeug verfangen hat. „Unser Mahnmal“, sagt Wolfgang Lambertz, Geschäftsführer der Tool Factory, dazu nur.

Erinnerung an die Schreckensstunde des Unternehmens im Gewerbegebiet Linde, das in der Nacht zum 3. Juli 2019 bis auf die Grundmauern niederbrannte. Das vermeintliche Kunstwerk zeigt die Wucht der Zerstörung. Der bläuliche Meteorit ist die einstige Verpackung, in der Wendeschneidplatten lagen: Beides verschmolz im Feuer zu einer amorphen Masse.

Das Mahnmal bleibt, aber die Tool Factory bricht neu auf. Die gute Nachricht zum Jahresende: Das Unternehmen hat sich in seinem Neubau eingerichtet. „Wir sind angekommen. Umzug und Mühe haben sich gelohnt“, sagt Marketingexpertin Caroline Grubba. Jedes einzelne Werkzeug musste aus seiner Box genommen, gescannt, zurückgelegt und für den Transport nach Linde vorbereitet werden: Nach dem Brand war das Lager provisorisch nach Wermelskirchen umgezogen und war an der dortigen Wolfshagener Straße untergebracht – mit rund 18 000 Produkten. Auch die Verwaltung hatte sich in einem Provisorium an der Pastor-Löh-Straße wiedergefunden, das jedoch schnell zu klein wurde.

Präzision ist gefragt: Lagerarbeiter Thomas Debüser zeigt einen Aufsteckfräser. Das Lager umfasst rund 18 000 Werkzeuge.

Doch nun sind Verwaltung und Lager wieder vereint, sind alle 24 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wieder unter einem Dach. Die Tool Factory setzte bei ihrem Neubeginn auf den alten Standort und ihr neues Gebäude an die alte Stelle. Denn in Burscheid fühlt sich das Unternehmen wohl: „Die Infrastruktur ist gut, Flughäfen und Autobahn sind in der Nähe“, sagt Wolfgang Lambertz. Für ein exportorientiertes Unternehmen, das seine Kunden in der ganzen Welt sitzen hat, ein entscheidender Standort-Vorteil.

Corona erschwert das Arbeiten

Auch in Corona-Zeiten, die vieles in der Wirtschaft verändert haben. „Klar gibt es Einschränkungen“, sagt auch Lambertz. Außendienstmitarbeiter könnten nicht in gewohntem Umfang zu den Kunden. Die Automobilindustrie als einer der wichtigen Kunden, produziere derzeit aufgrund Rohstoffmangels und Lieferschwierigkeiten nicht viel: „Wenn dort die Chips fehlen, laufen keine Autos vom Band. Dann werden auch keine Werkzeuge gebraucht.“ Die Transportwege seien umständlicher geworden: „Früher haben Flugzeuge im Frachtraum Ware mitgenommen. Die fliegen nicht mehr.“ Gleiches gelte für die Bahn.

„Zudem haben wir eine Versorgungskrise. Rohstoffe fehlen, die Lieferzeiten verlängern sich.“ Lambertz, der seit den Neunzigern im Bereich Werkzeug tätig und seit 2013 Geschäftsführer der Tool Factory ist, bleibt indes cool. „Irgendetwas ist immer“, sagt er. „Und gucken, wie man den Umsatz zusammenbekommt, muss man zu allen Zeiten.“ Und der bewege sich, wie der Geschäftsführer, der konkrete Zahlen nicht nennen mag, bestätigt, auf „vernünftigem Niveau“.

Kein Stillstand also. Schon gar nicht am neuen Standort. Der ist auf Zuwachs berechnet. „Wir haben viel Platz“, sagt Caroline Grubba und zeigt die großzügig geschnittenen hellen Büros. „Wir wollen wachsen“, sagt Wolfgang Lambertz. An Mitarbeitern, aber auch an Kunden. „Deshalb hoffen wir, dass wieder unsere Fachmessen stattfinden können“, sagt Grubba. Für die im Vergleich kleinere Tool Factory sei das ein Türöffner, um sich weiter bekannt zu machen.

In den neuen Büros ist noch Platz für weitere Kolleginnen und Kollegen. Das Unternehmen will wachsen.

Seinen knapp 2000 Quadratmeter großen Neubau hat das Unternehmen genutzt, um einiges zu verbessern. Im Gegensatz zum Vorgängerbau sitzt die komplette Verwaltung nun im 1. Stock; das Lager im Erdgeschoss. Dessen Deckenhöhe wurde der Heizkosten wegen abgesenkt, die Büros wurden gedämmt, auf dem Dach Photovoltaik installiert. „Sogar im Lager gibt´s Fußbodenheizung“, sagt Lambertz.

Caroline Grubba freut sich über kurze Wege zu den Kollegen und damit über vereinfachte Arbeitsabläufe. „Der Umzug hat uns zusammengeschweißt“, findet sie. Jeder habe angepackt, abends saß man bei Pizza zusammen: Nach einer knappen Woche sei jeder Bohrer, jeder Fräser an seinem Platz gewesen. „In der Verwaltung war es einfacher“, sagt sie lachend. „Wir haben einfach unsere Laptops ausgestöpselt.“

Marketing-Expertin Caroline Grubba und Geschäftsführer Wolfgang Lambertz haben für eine Pause in der Küche Platz genommen.

Kurzfristig habe man überlegt, Hochregallager und Automatisierung einzurichten, erzählt Lambertz. „Aber das ist zu aufwendig und zu teuer.“ Lieber setzt die Tool Factory auf die Expertise und Erfahrung der Mitarbeitenden – und will 2022 erstmals ausbilden, im Bereich Lagerlogistik und Groß- und Außenhandelskaufmann. „Der Plan ist auf jeden Fall da“, sagt Caroline Grubba.

Die Marketing-Expertin setzt sich im Unternehmen auch für Nachhaltigkeit und Ökologie ein: Ein eigenes Umweltmanagement soll entstehen. Erste Firmenfahrräder gibt es bereits. Und auch Caroline Grubba hat sich ein E-Bike bestellt – und freut sich darauf, die Tool Factory von der Trasse aus anzufahren. „Wenn es wieder etwas wärmer ist!“

Hintergrund

Tool Factory: Die Tool Factory entwickelt Werkzeuge für die Zerspanung – wie Bohrer und Fräser. Es sind Produkte, die in der Luftfahrttechnik, in der Automobilindustrie und der Medizintechnik Verwendung finden. Zudem gibt es auch „Private-Label-Kunden“, die die Burscheider Werkzeuge kaufen und unter eigenem Namen vertreiben. Der aktuelle Katalog der Tool Factory ist rund 250 Seiten dick.

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