Nach Brand

Tool Factory blickt nun optimistisch nach vorn

Geschäftsführer Wolfgang Lambertz und Caroline Grubba vom Marketing sehen sich auf der Baustelle um. Fotos: Nadja Lehmann
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Geschäftsführer Wolfgang Lambertz und Caroline Grubba vom Marketing sehen sich auf der Baustelle um.
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Im August soll der Neubau bezogen werden – Im Juli 2019 brannte Firmengebäude in Linde nieder

Burscheid. Die große Rauchwolke über Burscheid konnte Caroline Grubba sogar von Witzhelden aus sehen. „Da wusste ich aber noch nicht, dass es unsere Firma ist“, sagt die Marketing-Managerin. Das war der 2. Juli 2019. Ein Dienstagabend. In der Nacht zum Mittwoch brannte die im Gewerbegebiet Linde ansässige Firma Tool Factory bis auf die Grundmauern nieder. Ein Lagerhallenbrand, der einen Großeinsatz der Burscheider Feuerwehr zur Folge hatte. Und ein Schock, der bei den Mitarbeitern unterschwellig noch lange nachwirkte.

„Damals hatten wir gar keine Zeit, alles zu verarbeiten“, erinnert sich Caroline Grubba. Denn das Geschäft lief weiter. „Unser Anspruch ist: Der Kunde bestellt und am nächsten Tag ist das Gewünschte bei ihm“, sagt Wolfgang Lambertz. An diesem Anspruch hielt der Geschäftsführer auch nach dem Brand fest. Das Lager war nach dem Dienstag zwar in Schutt und Asche. „Am Mittwoch habe ich ganz viel telefoniert. Und am Freitag haben wir schon wieder die erste Ware rausgeschickt.“ „Ein Lebenszeichen. Wir sind noch da“, ergänzt Caroline Grubba.

Der Neubau der Tool Factory entsteht auf 4500 Quadratmeter

Unterkriegen hat man sich nicht lassen. Und nun stehen alle Zeichen auf Neuanfang. Am alten Standort in Linde entsteht auf dem 4500 Quadratmeter großen Grundstück in Autobahnnähe der Neubau der Tool Factory. Vor einem guten Jahr sei der Auftrag rausgegangen, im Januar hätten die Arbeiten begonnen, blickt Lambertz zurück. Jetzt, Stand April, geht es bereits an den Innenausbau.

Auf dieser Seite wird sich der Haupteingang für die Besucher der Tool Factory in Linde befinden.

Lambertz geht durchs Gebäude und zeigt, wo alles seinen Platz finden wird: „Da ist der Serverraum, hier das Besprechungszimmer.“ Am Boden liegende Schienen deuten schon den Zuschnitt der künftigen Büros an; Caroline Grubba sieht zum ersten Mal, wo ihr neues Domizil sein wird. Das Erdgeschoss nimmt die weiträumige Lagerhalle ein.

In L-Form gebaut wie der Vorgängerbau ist das neue Gebäude „geringfügig größer“, wie der Geschäftsführer sagt: rund 2000 Quadratmeter. Man hat die Chance genutzt, und manches verändert: Die Halle ist nicht mehr so hoch, die Dämmung besser, das Dach mit Photovoltaik ausgestattet, die Verwaltung komplett im zweiten Stock untergebracht: „Das macht die Abläufe kürzer und schneller“, sagt Lambertz.

Hier wird die Verwaltung ihren Platz finden. Im zweiten Obergeschoss wird bereits eifrig der Innenausbau vorangetrieben.

Ursprünglich 1995 in Wipperfürth unter einem anderen Namen gegründet, ist die Tool Factory seit 2014 in Burscheid zuhause, zog damals in das fünf Jahre alte Gebäude, das man gebraucht kaufte. „Burscheid ist ein guter Standort. Die Infrastruktur passt, man ist schnell am Flughafen, die Autobahn ist in der Nähe“, sagt Lambertz. Entscheidende Vorteile für ein Unternehmen, das Kunden ebenso in Europa wie in Übersee und Asien hat.

Rund 18 000 Produkte sind jederzeit auf Lager

Die Tool Factory entwickelt Werkzeuge für die Zerspanung – wie Bohrer und Fräser. Hochpräzision für den industriellen Einsatz; Produkte, die in der Luftfahrttechnik, der Automobilindustrie und der Medizintechnik Verwendung finden. „Wir entwickeln und lagern hier“, sagt Lambertz.

Rund 18 000 Produkte hat man auf Lager, der Katalog ist 500 Seiten dick. Möglich wurde das nur, weil alle 24 Mitarbeiter nach dem Großbrand sofort die Ärmel hochkrempelten. Überhaupt weil viele halfen, Nachbarn wie Kunden. Und weil ein Glücksfall daherkam, der Pfleger des firmeneigenen Grüns: Er hatte 2019 umgehend eine Ersatzimmobilie an der Pastor-Löh-Straße parat, die er angemietet hatte und die er dem Unternehmen anbot. Die Tool Factory zog mit Sack und Pack dort ein. „Wir sitzen etwas beengter, haben aber für jeden einen Platz gefunden“, sagt Caroline Grubba.

Das Unternehmen hat die Corona-Pandemie bisher gut überstanden

Bloß fürs Lager wurde es schnell zu klein: Der Platz reichte im Provisorium bereits im September 2019 nicht mehr. „Wir haben dann hier in der Region gesucht“, erzählt Wolfgang Lambertz. Fündig wurde man in der Nachbarstadt Wermelskirchen an der Wolfshagener Straße. „Keine optimale Lösung, aber als Übergangslösung zu nutzen“, sagt der Geschäftsführer. Aber die Immobilie war die einzige, die in der Nähe zu finden war.

Jede Menge Platz: Allerdings hat das Unternehmen auch rund 18 000 Produkte auf Lager, die von Burscheid aus weltweit auf Reisen gehen.

2019 der Brand, 2020 Corona. Doch auch davon ließ sich die Tool Factory nicht ins Bockshorn jagen. Die Pandemie habe das Unternehmen bisher gut und ohne staatliche Hilfen bewältigt, zieht Lambertz Bilanz. „Aber es geht natürlich an keinem Unternehmen spurlos vorüber. Wenn in ganz Italien Lockdown ist und man verkauft dorthin nichts, dann merkt man das natürlich.“ Gerade Deutschland als ausgewiesene Export-Nation.

Nun blickt die Tool-Factory aber ausschließlich nach vorn. In Richtung August. Dann wird der Neubau bezogen.

Hintergrund

Zahlen: Sie gibt Geschäftsführer Wolfgang Lambertz nicht preis. Wie hoch der Schaden durch den Brand war? „Gehen Sie von einem Millionenschaden aus“, sagt er nur. Die Investition in den Neubau am alten Standort? „Sehr hoch.“ Auch wenn die Versicherung gezahlt habe, habe das Unternehmen doch einen großen Eigenanteil beigesteuert. Über die Größe der Produkte verrät er mehr: Die Tool Factory bietet Fräser von 0,2 bis 32 Millimeter Durchmesser sowie Bohrer von 0,8 bis 40 Millimeter Durchmesser an.

Ausbildung: Für 2022 hat sich das Unternehmen vorgenommen, erstmals selbst auszubilden – in der Lagerlogistik und im kaufmännischen Bereich.

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