Welthospiztag am 9. Oktober

Team will zeigen, was Hospizarbeit zu leisten vermag

Hospiz-Koordinatorin Beate Heß will mit Interessierten ins Gespräch kommen. Der Welthospiztag ist dazu eine gute Gelegenheit. Foto: Nadja Lehmann
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Hospiz-Koordinatorin Beate Heß will mit Interessierten ins Gespräch kommen. Der Welthospiztag ist dazu eine gute Gelegenheit.

In Burscheid wird vor der Hauptstraße 57 ein Stand stehen.

Burscheid. Das Bücherregal ist gut gefüllt, an der Wand hängen Malereien der Künstlergruppe 7 Art, Tisch und Stühle laden zum Hinsetzen ein, die Atmosphäre ist hell und luftig: Koordinatorin Beate Heß fühlt sich sichtlich wohl in den auch schon gar nicht mehr ganz neuen Räumen des Ökumenischen Hospiz, die man immerhin schon vor fast einem Jahr bezog. „Corona hat uns erst mal ganz schön ausgebremst“, sagt Beate Heß. Nach einer ersten Schockphase, in der alles zum Stillstand kam, griff sie indes schnell zum Telefon, um mit den Vereinsmitgliedern auszuloten, was umsetzbar war und was nicht. Und schnell war man wieder mitten im Geschehen, wenn auch mit Maske, mit Hygiene- und Abstandsregeln. Sobald es ging, liefen auch wieder Gruppenangebote an. Wie das Trauercafé. Und nun, am 9. Oktober, bietet sich erneut Gelegenheit, sich den Burscheidern unkompliziert und niedrigschwellig vorzustellen – beim Welthospiztag.

Bundesweit will an diesem Tag der Deutsche Hospiz- und Palliativverband zeigen, was seine Vereine leisten. Das Motto lautet „Leben! Bis zum Schluss.“ „Wir wollen uns an diesem Tag mit einem Stand vor die Tür stellen“, kündigt Beate Heß an. Sie freut sich darauf: „Das ist eine wichtige Sache.“ Man müsse nicht jeden Tag an Tod und Sterben denken, aber: „Damit beschäftigen sollte man sich schon.“

An diesem 9. Oktober geht es aber nicht darum, Ängste zu schüren. Ängste, die wohl jeder kennt: Die Angst vor einem einsamen Sterben. Die Angst, anderen zur Last zu fallen. Die Angst vor Schmerzen. Beate Heß redet diese Angst nicht klein, aber sie sagt: „Wir wollen zeigen, was durch Hospiz- und Palliativarbeit möglich ist. Auch Menschen, die glauben, nicht mehr leben zu wollen, können, werden sie palliativmedizinisch gut begleitet und therapiert, wieder Hoffnung schöpfen.“ Eine Wandlung von der Lebensmüdigkeit bis hin zu dem Wunsch, das Leben doch noch bis zuletzt auszukosten.

Wandlungsgeschichten werden in der Kirche aufgegriffen

Es sind Wandlungsgeschichten, die das Hospizteam am 10. Oktober gemeinsam mit Pfarrerin Katrin Friedel in der Evangelischen Kirche am Markt und in Hilgen-Dünweg aufgreifen wird. „Die Idee ist, die Menschen, die gut begleitet gestorben sind, noch einmal zu Wort kommen zu lassen“, beschreibt Beate Heß. „Ich bin tot und hatte bis zuletzt nie das Gefühl, jemandem zur Last zu fallen. Im Hospiz war ich umsorgt und willkommen“: So lautet eines der Zitate, über die Friedel und Heß am 10. Oktober sprechen werden.

Es ist ein weiterer Schritt auf dem Weg, die Hospizarbeit sichtbar zu machen und die Räume in der Hauptstraße 57 mit Leben zu füllen. Ein lang gehegtes Projekt hat Beate Heß jetzt schon umgesetzt: Sie hat wieder ein Trauercafé ins Leben gerufen. Jeden dritten Samstag im Monat treffen sich Menschen, die Tod und Verlust erlebt haben. „Das gab es auch früher an unserem alten Standort an der Höhestraße“, erzählt Heß. „Aber es hatte sich irgendwann verlaufen.“ Auch eine Kochgruppe für Trauernde hat sie ins Leben gerufen: „Da geht es um die Selbstfürsorge. Viele halten sich, bleiben sie beispielsweise allein nach dem Tod des Partners zurück, für gar nicht wichtig.“ Dem steuert das gemeinsame Kochen und Essen entgegen, vor allem die Gemeinschaft und das Gespräch.

Da zu sein, zuzuhören, Menschen erzählen zu lassen (und keineswegs nur über Tod und Trauer), das ist das Grundprinzip des Ökumenischen Hospiz. Das kann beim Kochen passieren oder beim Spazierengehen, in der Einzeltrauer- oder in der Gruppenarbeit. „Angehörige sollen einen Raum finden, in dem sie auch zwei Jahre nach dem Verlust noch weinen dürfen“, sagt Heß. Angehörige dürfen über die Trauer sprechen, aber sie müssen nicht: „Wir spulen hier kein Programm ab“, sagt Heß.

Kern ihrer Arbeit als hauptamtliche Koordinatorin bleibt die Sterbebegleitung. 27 Menschen in Burscheid begleitet das ehrenamtliche Team derzeit. Ein Team, von dem Heß sich freut, dass es sich verjüngt hat. Ihre Aufgabe ist es, die richtigen Partner zusammenzubringen, dafür zu sorgen, dass es passt zwischen dem, der im Sterben liegt, und dem, der da als Begleitung kommt. Und das übrigens nicht nur für den Sterbenden selbst, sondern auch für dessen Angehörige. „Diese können dann einen Moment lang Abstand nehmen. Das ist eine große Entlastung“, sagt Beate Heß. Sie entkräftet die Annahme, ein Sterbender wolle stets tiefgründige Gespräche führen. „Manchmal reicht es, wenn jemand einfach daneben sitzt.“

Welthospiztag am 9. Oktober, 10 bis 14 Uhr, vor und in der Hauptstraße 57. Andacht am 10. Oktober, 9.30 Uhr (evangelische Kirche) und um 11 Uhr (Hilgen-Dünweg).

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