1941 gebautes Instrument wurde umfangreich saniert

Steinway-Flügel kehrt ins Haus der Kunst zurück

Anke Wischer freut sich über die Rückkehr des Steinway-Flügels.
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Anke Wischer freut sich über die Rückkehr des Steinway-Flügels.

Erster Auftritt an dem Flügel ist für den 30. Januar geplant.

Burscheid. Nun steht er wieder im Haus der Kunst: mächtig, prächtig, strahlend schwarz lackiert. Bereits so ein Augenschmaus für den Musikliebhaber und die Musikliebhaberin. Der Steinway-Flügel ist zurückgekehrt. Und Anke Wischer strahlt übers ganze Gesicht. „Ich freue mich so“, gesteht die frühere Vorsitzende der Musicalischen Academie, die in ihrer Funktion als Beiratsmitglied in der Luchtenberg-Stiftung die gestrige Anfahrt und den Transport des edlen Flügels verfolgt hat. Dieser gilt nun wieder als neuwertig: Er wurde umfangreich restauriert und saniert. Eine Frischzellenkur für das 1941 in Hamburg bei Steinway gebaute Instrument, das 1971 von der Luchtenberg-Stiftung explizit für Burscheid und das Haus der Kunst gekauft wurde.

Aber auch ein solches Juwel macht mal schlapp. „Mit dem Flügel stimmt etwas nicht“: So hatte es der junge Pianist Boris Radulovic 2017 nach seinem Auftritt am Steinway-Flügel mit der Musicalischen Academie im Haus der Kunst angemerkt. Da hatte er Edvard Grieg gespielt und schon bei den Proben gestutzt, wie sich Wischer deutlich erinnert. „Wir hatten damals ein Mitglied in unseren Reihen, der bei Bechstein in Köln arbeitete. So sind wir zu einem Sachverständigen gekommen“, erzählt sie. Und dessen Urteil war eindeutig: Der Flügel ist in die Jahre gekommen. „Größter Knackpunkt war ein Riss im Resonanzboden“, sagt Wischer. „Und in so einem Flügel sind ja tausend Filze. Das war alles hin.“ Baue man den Resonanzboden auseinander, bliebe ohnehin kein Holzstückschen aufeinander: „Da kann man dann gleich alles generalüberholen.“ Und so wurde auch gleich die komplette Tastatur erneuert.

Dafür hatte sich der Steinway-Flügel auf umfangreiche Reisen begeben. Nicht nur, dass er zum Klavierbauer Maiwald nach Dortmund und Kamen – der Steinway-Vertretung in NRW – fuhr, nein, er fuhr auch nach Hamburg, um eigens dort die passende Lackierung zu erhalten.

500 Kilo mussten auf die Bühne geschoben werden

Eine „beträchtliche Summe“ sei investiert worden, sagt Anke Wischer, die konkrete Summen nicht nennen mag. Aber ganz eindeutig ist ihre Aussage zum ideellen Wert des Instruments: „Es handelt sich um den Konzertflügel Modell D-274, den größten Konzertflügel von Steinway & Sons. Ich habe mal auf der Steinway-Seite nachgesehen, welche Künstler auf so einem Flügel spielen, in welchen Häusern so einer steht – da bleibt einem die Luft weg. Und so was haben wir in Burscheid!“

So war klar: Dieses Juwel darf nicht kampflos seinem Alterungsprozess überlassen werden. Wischer wurde 2017 bei der Hauptversammlung der Luchtenberg-Stiftung vorstellig und berichtete. Die damalige Kreis-Kulturreferentin Susanne Bonenkamp horchte auf – und schlug vor, einen Förderantrag beim Landschaftsverband Rheinland (LVR) zu stellen. „Der erste wurde abgelehnt“, sagt Wischer. Im zweiten Anlauf, inzwischen mit Bonenkamps Nachfolgerin Charlotte Loesch, hatte man Erfolg. Als Begründung für den begehrten Zuschlag hatte der LVR die „überregionale Strahlkraft“ der vielen Konzerte, die von der „Musikstadt Burscheid“ ausgehen, genannt.

Und hau ruck: Mittels einer Rampe und Muskelkraft überwindet der Flügel die Bühnentreppe im Haus der Kunst.

Und am Montag war es nun soweit: Das „Pianomobil“ einer Wuppertaler Transportfirma rollte vor, und der fest eingepackte Passagier rollte bis vor die Bühne. Dort büßte er kurzfristig seine Beine ein, und wurde auf eine Rampe gestellt: Auf dieser schoben dann drei Männer den 500-Kilo-Koloss hinauf auf die Bühne. Und dort wartet er nun auf seinen Auftritt, der auch ein Wiedersehen sein wird: nämlich mit Boris Radulovic, dem aufmerksamen jungen Pianisten, der zuerst merkte, dass der Steinway kränkelt.

Ursprünglich war dieses Konzert für den 5. Dezember geplant. Doch dann tauchte ein Hindernis auf: Radulovic, der in Solingen stellvertretender Leiter der Musikschule ist, musste und muss für seinen erkrankten Chef einspringen. „Er bat uns um Verständnis: Er könne für unser Konzert nicht genug üben“, berichtet Wischer. Diese fand das, wie sie sagt, „anständig und fair“„Er will das Beste abliefern. Das spricht für seinen künstlerischen Anspruch.“

Boris Radulovic spielt das erste Konzert auf dem sanierten Flügel

Und deshalb entschied sich die Musicalische Academie, keinen anderen Pianisten zu verpflichten, sondern an Boris Radulovic festzuhalten und um seinetwillen das Konzert auf den 30. Januar zu verschieben. Dann wird Radulovic Beethovens 4. Klavierkonzert spielen; das Orchester ergänzt mit einem Werk von Gabriel Faure. „Und wir werden ihm Gelegenheit für ausgiebige Zugaben geben“, verrät Anke Wischer. Gelegenheit also auch für die Besucher, den Flügel intensiv zu hören und zu sehen.

Zuvor aber darf er sich ausruhen. Darf sich erholen vom Transport und sich wieder einleben. Dann kommt der Klavierstimmer. „Es ist wichtig, wenn das Haus der Kunst umgebaut wird, auch an einen passenden Raum für den Flügel zu denken“, betont Anke Wischer. Denn Temperaturschwankungen und Änderungen der Luftfeuchtigkeit mag kein Instrument: „Eine klimatisierte Umgebung wäre wichtig“, hebt Wischer hervor.

Schließlich spielt der Flügel für Burscheid eine wichtige Rolle. Denn keineswegs nur Solisten dürfen an ihm Platz nehmen: „Jeder musiktreibende Verein darf ihn benutzen“, sagt Anke Wischer. Und auch bei Vorspielen der Musikschule steht er zur Verfügung. „Das ist wirklich etwas Besonderes“, findet Wischer. Und streicht liebevoll übers glänzende Schwarz. Genau so, wie es die Begleiter während des Transports auf die Bühne immer wieder mit einem Poliertuch taten.

Schadensbeschreibung

Der Resonanzboden des Flügels ist durch Risse im Holz und Verformung in einem so schlechten Zustand, dass eine Reparatur nicht mehr möglich ist, es muss eine neuer Resonanzboden erstellt und eingebaut werden. Der Stimmstock ist ebenfalls in nicht reparierbarem Zustand, auch er muss neu erstellt und eingebaut werden. Die Erneuerung von Resonanzboden und Stimmstock erfordert die vollständige Zerlegung des Instruments. Das erleichtert die notwendigen Arbeiten an den anderen Teilen des Flügels etwas.

Der Austausch der kompletten Mechanik, das heißt aller Hämmer, Hebelglieder, des Mechanikgestells, ist dringend erforderlich. Die Dämpfung (Dämpferholz mit Befilzung) muss vollständig erneuert werden. Die Garnierung der Klaviatur muss ebenfalls komplett erneuert werden. Die jahrzehntelange Benutzung des Flügels hinterließ gravierende Gehäusebeschädigungen. Diese machen aufwendige Holzarbeiten und dann die komplette Neulackierung erforderlich.

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