Interview

Die Jagd ist bei ihr Familiensache

Stephanie Rahm ist die neue Vorsitzende des Hegerings Burscheid. Dackel Atzel (7 Jahre) begleitet sie bei der Jagd. Foto: Doro Siewert
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Stephanie Rahm ist die neue Vorsitzende des Hegerings Burscheid. Dackel Atzel (7 Jahre) begleitet sie bei der Jagd.

Stefanie Rahm ist die neue Vorsitzende des Hegerings Burscheid.

Von Stephan Eppinger

Wie sind Sie selbst zur Jagd gekommen?

Stephanie Rahm: Das war familienbedingt. Mein Großvater war Jäger und mein Onkel ist Jäger. Ich habe viele Wochenenden im Jagdhaus unseres Reviers in der Eifel verbracht. Mit 15 Jahren habe ich mit dem Jugendjagdschein begonnen, den ich mit 16 bekommen habe. Mit 18 gab es dann den regulären Jagdschein und so wurde ich auch bald als Jägerin in Burscheid aktiv. Mein Jagdrevier, das ich mir mit einem anderen Jäger teile, liegt im Eifgental. Ich bin aber auch so oft wie möglich im Jagdrevier meines Onkels in der Eifel.

Was macht für Sie den Reiz der Jagd aus?

Rahm: Jäger zu sein, ist deutlich mehr, als mit der Waffe in den Wald zu gehen. Wir kümmern uns dort auch um die Landschaftspflege und um den Naturschutz. Wenn ich ein Tier erlege, versuche ich alles von ihm, was möglich ist, zu verwerten. Um Rohwaren wie einen Braten, Gulasch oder Steaks kümmern wir uns selbst. Wir besitzen auch einen Räucherofen für Schinken. Wenn es um die Wurst geht, haben wir einen Naturmetzger, der diese für uns herstellt.

Wie sieht es mit dem Tierbestand in der Region rund Burscheid aus?

Rahm: Bei uns gibt es Schwarzwild und Rehwild. Das Schwarzwild, also die Wildschweine, sind hier eher rückläufig. Bei den Rehen haben wir einen sehr starken Bestand, was wegen der Verbissschäden zum Problem für den Forst und für private Grundstücksbesitzer wird.

Was macht Wild als Lebensmittel aus?

Rahm: Wild ist ein komplett natürliches Produkt. Es enthält keine Medikamente oder Futterzusätze. Anders als bei Rindern oder Schweinen, die in engen Ställen leben, lange Transportwege hinter sich bringen müssen und dann noch lange Wartezeiten vor den Schlachthöfen haben, gibt es für Wildtiere bei der Jagd keinen Stress. Und Wildfleisch enthält kein Wasser, dafür aber viele Proteine.

Früher war die Jagd eine Domäne der Männer.

Rahm: Das hat sich inzwischen deutlich gewandelt. Immer mehr Frauen gehen zur Jagd. Das hat sich schon damals abgezeichnet, als ich mit dem Jagdschein begonnen habe. Heute ist der Frauenanteil in der Jägerschaft sehr stark.

Welche Aufgaben übernehmen Sie genau als Jäger in Sachen Landschaftspflege und Naturschutz?

Rahm: Dazu gehört es, Menschen zu sensibilisieren, dass der Wald nicht ihr Eigentum ist und dass man ihn und die Tiere darin mit Respekt behandeln sollte. Dazu kommen praktische Aufgaben wie das Bauen und Aufhängen von Nistkästen oder das Auslegen Salzleckstein zur Mineralienversorgung der Tiere. Wir schaffen in Absprache mit den Grundstückseigentümern zum Beispiel auch Wildäcker, auf denen die Tiere äsen können und die auch Insekten beim Überleben helfen.

Welche Funktion hat der Hegering?

Rahm: Es ist ein Verein, bei dem Jäger auf freiwilliger Basis Mitglied werden. Es gibt den Deutschen Jagdverband, Verbände auf Landesebene sowie die Kreisjägerschaft. Der Hegering ist in diesem Gefüge die kleinste Einheit. Wir haben zum Beispiel einmal im Jahr unsere Versammlung und organisieren Ausflüge für die Mitglieder. Ein Thema ist auch das präzise Schießen, was bei der Jagd ganz zentral ist.

Hat die Corona-Pandemie die Jagd beeinträchtigt?

Rahm: Die großen Jagden waren am Anfang beeinträchtigt, konnten dann mit vielen Vorsichtsmaßnahmen wieder stattfinden. Die Einzeljagd war schwierig, weil extrem viele Menschen im Lockdown in den Wald gegangen sind. Das hat für das Wild viel Unruhe gebracht und es wurde eher nachtaktiv. Außerdem lag viel Müll am Wegesrand, den wir als Jäger auch eingesammelt haben. Jetzt hat sich aber zum Glück wieder alles beruhigt. Der Wald scheint für die Leute nicht mehr ganz so interessant zu sein, weil es wieder Alternativen gibt.

Wie wird man Jäger?

Rahm: Da muss man sich bei der Kreisjägerschaft für eine Ausbildung anmelden. Diese beginnt im August und läuft bis April. Es gibt ein- bis zweimal in der Woche Unterricht und das Üben am Schießstand. Später muss man eine theoretische Prüfung, eine Schießprüfung und eine praktisch-mündliche Prüfung absolvieren. Es geht bei der Ausbildung auch um das Wissen über die Natur, Umweltschutz, den Wald und die Tiere. Das ist sehr komplex und umfangreich - ein grünes Abitur.

Hegering

Der 2017 gewählte Vorsitzende Horst Peddenbruch hat seine Position mit der des Stellvertreters eingetauscht. Diesen Posten füllte vorher Stephanie Rahm aus, die jüngst zur Vorsitzenden des Hegerings gewählt wurde. Mit ihr steht nun erstmalig in der Vereinsgeschichte eine Frau an der Spitze des Vereins.

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