Pferde

Ställe schützen sich vor dem EHV-Virus

Ein Virus sucht die Pferde heim. EHV-1 überträgt sich ähnlich wie Sars-CoV-2 über die Atemwege. Archivfoto: Herbert Draheim
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Ein Virus sucht die Pferde heim. EHV-1 überträgt sich ähnlich wie Sars-CoV-2 über die Atemwege. Archivfoto: Herbert Draheim

Pferdeherpes: Im Bergischen Land gab es bisher einen Fall

Von Ursula Hellmann

Burscheid. EHV-1 – wenn Pferde lesen könnten, würden vielleicht manche edle Vierbeiner vor dieser Buchstabenkombination ebenso erschrecken wie die Menschen um sie herum vor den Worten Corona und Covid-19. EHV – ein Virus, als Pferde-Herpes bekannt, machte in diesem Frühjahr wieder einmal Schlagzeilen. Berichte von erkrankten und verstorbenen Rassepferden kamen aus Spanien und dem fernen Dubai. Doch sogar im Bergischen Land alarmierte ein Fall die hiesigen Reitstallbetriebe. Müssen nun alle Pferdebesitzer in Sorge sein, ihre Lieblinge zu verlieren?

Tierärztin Anja Caßardelli vom Team der Tierpraxis am Flügel, kann alle Beteiligten im Prinzip beruhigen: „Es gab einen einzigen Fall im näheren Umkreis, und bisher ist kein weiterer bekannt. So legte sich auch recht bald die Sorge, die im Wuppergebiet aufkam. Was ich bestätigen kann, ist eine verstärkte Nachfrage nach Impfungen von Tieren aus Reitställen, die lediglich zur Freizeitgestaltung genutzt werden.“

Stress durch Reitturniere erhöht die Ansteckungsgefahr mit dem Virus

Die Ärztin ergänzt: „Die Körperstruktur unserer treuen »Equus« trägt den Virus EHV ebenso normal in seinem Gen-Konzept wie wir Menschen den Sars-2-CoV-2. In ähnlicher Weise kann der EHV bei körperlichen Schwachstellen zu einem gefährlichen Gegner ausarten. Der Dauerstress durch internationale Reitturniere kommt manchmal dazu und erhöht die Ansteckungsgefahr zwischen den sensiblen Teilnehmern.“

Wie beurteilen aber Reiterinnen und Reiter die Lage, deren Tiere in Burscheider Ställen zuhause sind? Die Pferde und Ponys auf dem Gelände der Offenstall-Anlage in Blasberg müssen sich ebenso wie ihre Besitzer keine Gedanken um solche Gefahren machen. Karen Wingerath leitet seit 23 Jahren das Pilot-Projekt „Bergische Weidegründe“. Alle etwa dreißig Tiere bewegen sich rund um die Uhr so frei, wie es ihnen gefällt, auf dem rund 6 000 Quadratmeter großen Gelände. Galoppstrecken und Ruheplätze bieten ihnen eine artgerechte Lebensweise. Sie gehen zur zentralen Futterstelle, wenn ihnen nach leckerem Futter ist, und beschnuppern neugierig die menschlichen Besucher.

Neu eingestellte Pferde brauchen ein Gesundheitszeugnis

Natürlich achtet Chefin Wingerath auch auf alle hygienischen Belange. Neu eingestellte Pferde brauchen ein Gesundheitszeugnis, – nicht älter als drei Tage –, am besten noch eine Tupfer-Probe direkt vor Ort. Hufpfleger und Tierärzte halten sich logischerweise ebenfalls streng an die geltenden Regeln. Da dieses Konzept keine Turnier-Ambitionen beinhaltet, ist hier ein Ausbruch des EHV-Virus fast so gut wie unmöglich.

Auch auf Gut Engelrath (Sträßchen) ist trotz der Trauer um die betroffenen Tiere in der Nachbarschaft keine Panik aufgekommen.

Stallbesitzerin Larissa Stillger hat sich bereits lange vor dem Ernstfall dazu entschlossen, nur Pferde unterzubringen, die gegen Herpes geimpft sind. Alle sechs Monate wird die Zweifach-Impfung aufgefrischt. Sie schätzt diese Maßnahme als effektiv ein: „Zu unserem Bestand gehören auch Zuchtstuten, und bald werden wieder Fohlen geboren.“

Anja Caßardelli ist Tierärztin.

Die Besitzer der Pensionspferde sowie die Reiterinnen und Reiter, die ihr Hobby als Reitbeteiligung genießen, müssen sich natürlich auch an den Hygiene-Standard halten: Zum Beispiel das Wechseln der Kleidung, besonders wenn die Personen vorher in einem anderen Stall waren.

Die jetzige Corona-Situation hat einen kleinen Vorteil gebracht: Wer Zeit finden kann, hilft nun in den Ställen mit. Streichelbesuche von Familien sind bis jetzt noch nicht vorgesehen.

Hintergrund

Virus: Es ist vieles ähnlich wie bei Sars-CoV-2: Das EHV-1-Virus überträgt sich über die Atemwege. Meistens geschieht das von Pferd zu Pferd, es kann aber auch ein Mensch als Vektor zwischengeschaltet sein. Das Virus führt zunächst zu einer Infektion der oberen Rachenwege. Es folgen Fieber und Husten. Bei einem schweren Krankheitsverlauf greift die Krankheit auf die Lunge über, es kommt zu einer Keimvermehrung. Diese gelangen in die Blutbahn und lösen eine Virämie aus. Einige Keime können auch ins Rückenmark gelangen und führen zu neurologischen Verlaufsformen. Veterinäre beziffern diese auf circa 30 Prozent.

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