„Grün statt Grau“

Sparkassenvorplatz sorgt für Diskussionen

Burscheid Hauptstraße Sparkassenvorplatz
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Burscheid Hauptstraße Sparkassenvorplatz

Zu grau und zu wenig grün, monieren Kritiker, die ihrerseits eigenes Engagement sinnlos finden – Das ärgert Thomas Kaps (BfB).

Von Nadja Lehmann

Burscheid. „Grün statt Grau“: Dieser Slogan sorgte bei einem Nutzer der sozialen Medien jüngst für Unmut. Nicht, weil er etwas gegen Grün gehabt hätte. Im Gegenteil. „Die Stadt sollte sich an die eigene Nase packen“, schimpfte er in seinem Post. „Die Stadtentwicklung hat auf dem Sparkassenvorplatz eine Betonwüste hervorgebracht. Vormals eine gemütliche Ecke, die vom Obst- und Gartenbauverein gepflegt wurde. Und wie trist und kalt sieht es heute aus. Bienen fressen keine Steine!“ Dazu postete er Fotos vom Sparkassenvorplatz – unter grauem Himmel in einem Regenschauer.

Mit ihrer Broschüre hatte die Stadt den Zorn des Nutzers auf sich gelenkt. Diese hatte, so schrieb er, dem Grundbesitz-Angabenbescheid beigelegen. Unter dem Titel „Grün statt Grau“ warb die Verwaltung darin für naturnahe Vorgärten und wies auf die entsprechenden Nachteile eines Schottergartens hin. „Ein natürlich bewachsener Vorgarten schafft nicht nur ein buntes Paradies für Insekten und Vögel, sondern schützt auch das Haus vor Überschwemmungen“, heißt es in der Broschüre. Und weiter: „Anders bei Kies und Schotter. Das Gestein heizt sich unter Sonneneinstrahlung auf, Tiere finden keine Nahrung, Regenwasser kann nicht versickern.“

Der empörte Nutzer aber hatte offensichtlich einen Nerv getroffen. Eine rege Diskussion kam in Gang, die aber schnell in eine andere Richtung ging. Einer schrieb: „Die können im Dorf machen, was sie wollen, es bleibt ein Kaff, vorher war es besser, aber Prospekte mit schicken, wie arm ist das denn. Ist halt Burscheid, aber selber nichts auf die Kette bekommen, außer so einen armseligen Sparkassenvorplatz zu bauen.“ Das wiederum sorgte dafür, dass auch Thomas Kaps sich zu Wort meldete. „Schon einmal überlegt, sich in Burscheid zu engagieren und mitzubestimmen?“, fragte der Kommunalpolitiker, der für das Bündnis für Burscheid (BfB) im Stadtrat sitzt. Die Antwort seines Gesprächspartners fiel eindeutig aus: „Nein, das würde nichts bringen. Hab da meine Ansichten, in Burscheid ist soviel verplant wurden, das kann man nicht mehr richten.“

„Jeder hat das Recht, sich zu beschweren“, betont Thomas Kaps. „Aber worauf ich allergisch reagiere, ist die Haltung, dass alles schlecht ist, was »die da oben« machen und dass es keinen Sinn hat, sich einzubringen. Jeder kann sich engagieren. Gerade in einer Stadt unserer Größenordnung. Aber natürlich ist es einfacher, auf dem Sofa zu sitzen und in den sozialen Medien zu schreiben.“

Kaps verbreitet keine Illusionen: Politik sei ein mitunter zähes Ringen. „Wir finden innerhalb unserer Fraktion auch nicht alle Ideen gleich super. Mal ist es meine Idee, die überzeugt. Mal die von jemand anderem.“

Sparkassenvorplatz als Eingangstor der Stadt

Und an die Idee vom neuen Sparkassenvorplatz erinnert er sich noch sehr gut. Zumal sie Bestandteil des Umbaus der oberen Hauptstraße und diese wiederum Bestandteil des Integrierten Entwicklungs- und Handlungskonzepts (IEHK) 2025 ist. Und auch die Burscheider und ihre Wünsche seien gehört worden, ergänzt Renate Bergfelder-Weiss von der Stadtverwaltung: „Es hatte im Vorfeld im Megafon diverse Bürgerinformationsveranstaltungen gegeben.“

Die Zielrichtung war klar: Der Sparkassenvorplatz sollte Begegnungen und kleine Feste möglich machen. So formuliert es auch das IEHK: „Als Eingangssituation in die Burscheider Innenstadt und zentral gelegen an der Hauptdurchgangsstraße wird eine Vielzahl von Anforderungen an den Platz gestellt. Zum einen muss er eine repräsentative Funktion erfüllen, zum anderen soll der öffentliche Raum den Burscheidern und Burscheiderinnen auch zum Aufenthalt dienen.“

Große Begegnungen und Feste hat Corona zunächst indes vereitelt. „Ich fand es aber schön zu sehen, dass Leute sich mit einem Kaffee auf die Mauer setzen“, sagt Thomas Kaps. Vielleicht verfüge der Platz nun „über zwei Büsche weniger“ als zuvor: „Aber natürlich müssen wir auch gucken, in welchem Rahmen das Ganze zu pflegen ist. Sonst brauchen wir an dieser Stelle mehr Manpower – und die müssen wir alle bezahlen.“

In diesem Bereich allein aufs Ehrenamt zu setzen, reicht nicht aus. Kaps erinnert an den einst für den Platz zuständigen Obst- und Gartenbauverein und daran, dass das Bündnis bereits 2009 die Pflege des nahe gelegenen Luchtenberg-Richartz-Parks übernommen und den Obst- und Gartenbauverein abgelöst hatte: Schon da habe dessen Altersstruktur weiteres Engagement ausgeschlossen.

„Wir hatten anfangs Bedenken“, bekennt Irmtraud Vorkauf, Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins, mit Blick auf den Sparkassenvorplatz. Der liegt ihr nach wie vor am Herzen, schließlich stellt der Verein dort Krippe und Weihnachtsbaum auf und es steht dort der Wallace-Brunnen („Unser Kind“), den der Verein vor Vergessen und Verfall rettete. „Es wurden keine Bäume entfernt, sondern lediglich ein paar Sträucher“, sagt Vorkauf heute. Und auch wenn sie skeptisch gewesen sei, wirke der Platz modern: „Das hat seinen Reiz.“ Und: „Es fängt inzwischen ja schon wieder an, zu grünen.“

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